Die Sonne sieht aus wie ein Mond

Hunderte kamen gestern zur Lübecker Sternwarte, um das Himmelsereignis dort live zu verfolgen. Auch in den Kreisen um Lübeck faszinierte das Himmelsschauspiel die Menschen.

Henner Oldenburg, Lehrer an der Paul-Klee-Schule, brachte gestern die ganze 1b mit zur Sternwarte. Natürlich waren alle für den Blick gen Himmel mit der notwendigen Schutzbrille ausgestattet.

St. Gertrud. „Kann ich mir mal kurz Ihre Brille ausleihen?“ Diese Frage war gestern Vormittag sicherlich die am meisten gestellte, jedenfalls auf der großen Wiese vor dem Gebäude der ehemaligen Johannes-Kepler-Schule in Brandenbaum, noch immer Heimat der Sternwarte. Rund 400 Sonnenhungrige hatten die Grünfläche geflutet, um das astronomische Ereignis der Extraklasse mitzuerleben. Und die Warteschlange zur Beobachtungskuppel füllte das gesamte Treppenhaus.

Nordwestmecklenburg: Gymnasium am Tannenberg: Sofi gucken im Unterricht
„Bei der nächsten Sonnenfinsternis bin ich schließlich 99 Jahre alt“, begründete Henner Oldenburg sein Kommen. Und im Gepäck hatte der Lehrer der Paul- Klee-Schule gleich „seine“ gesamte Klasse, die 1b. Natürlich war der Nachwuchs auch ausreichend mit Schutzbrillen ausgestattet, um gefahrlos dem seltenen Himmelsschauspiel folgen zu können.

Initiiert hatte den Besuch Knud Henke. „Meine Tochter Tjorven geht in diese Klasse, und ich engagiere mich hier im Arbeitskreis Sternfreunde Lübeck“, kommentierte der Hobby-Astronom. Den Ausflug habe man sorgfältig vorbereitet und dem Nachwuchs vieles über Planeten nahegebracht. „Die Kinder haben sich dann auch entsprechend sehr auf diesen Vormittag gefreut“, betonte er. Dass nicht mehr Klassen diese Chance genutzt haben, finde er befremdlich, merkte er noch an, bevor er wieder Richtung Teleskop verschwand.

Und von diesen Beobachtungsgeräten waren gestern für die Schaulustigen auf der Wiese eine Menge in Stellung gebracht worden. „Wir wussten ja, dass viele Interessierte kommen würden“, sagte Oliver Paulien, Vereinsvorsitzender der Sternfreunde, „immerhin laufen bei uns schon seit zwei Wochen ganz viele Anfragen wegen der Finsternis auf.“ Seit 30 Jahren habe er sich mittlerweile dem Hobby verschrieben und schon vieles gesehen — „wenn dann aber der erste Kontakt da ist, kribbelt es jedes Mal“, schilderte er.

Und das war gestern um 9.38 Uhr. Das Ganze spitzte sich dann bis genau 10.46 Uhr zu, wie mehreren Informationstafeln zu entnehmen war. Zu dem Zeitpunkt hatte der Mond exakt 79,2 Prozent des Feuerballs abgedeckt. „Es wird spürbar kälter, und das Licht hat sich auch verändert“, bemerkte Ursula Fagin, die gestern extra zur „SoFi-Schau“ zur Sternwarte gekommen war. Sie hatte sich in die Warteschlange vor dem Riesen- Fernrohr von „Sternfreundin“ Isabell Möllner eingereiht.

„Das ist unser vereinseigenes Dobsen-Spiegelteleskop“, so Möllner. Sie bekannte, dass sie besonders von den mythologischen Geschichten zur Sonnenfinsternis fasziniert sei — „dass zum Beispiel die Chinesen dachten, ein Drache fresse die Sonne auf, oder dass die Indianer brennende Pfeile in die Sonne geschossen haben, weil sie davon ausgegangen waren, das Lichtfeuer ginge aus.“

Einen besonderen Service bot gestern Hobby-Fotograf Torsten Brinker. Auf seinem Laptop waren Live-Bilder des aktuellen Geschehens zu sehen. „Ich habe einfach meine Kamera in das Teleskop eingebaut und sie dann mit dem PC verbunden“, lieferte er gleich die Erklärung.

In die Notfallambulanz der Augenklinik an der Uni kamen unterdessen einige wenige Patienten, weil sie besorgt waren, dass sie durch den ungeschützten Blick in den Himmel Netzhautschäden davongetragen haben. Die Lage sei aber nicht dramatisch, hieß es.

Quelle: Lübecker Nachrichten vom 21. März 2014
http://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/St.-Gertrud/Die-Sonne-sieht-aus-wie-ein-Mond

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.