Schlagwortarchiv: Lichtverschmutzung

Earth Night – Eine Aktion gegen Lichtverschmutzung

Künstliches Licht gehört zu unserem Alltag. Es gibt uns Sicherheit, ermöglicht Aktivität bei Nacht und macht vieles komfortabler. Doch immer mehr und immer helleres Licht hat auch eine Kehrseite: Unsere Nächte werden zunehmend heller. Darauf möchte die Earth Night aufmerksam machen – und uns für eine ganze Nacht zeigen, was wir durch die zunehmende Helligkeit unserer Nächte verlieren.

Die nächste Earth Night findet am 11. September 2026 statt.
In dieser Nacht sind Menschen, Unternehmen, Städte und Gemeinden aufgerufen, unnötige Beleuchtung ab Einbruch der Dunkelheit, spätestens ab 22 Uhr, abzuschalten oder deutlich zu reduzieren.

Licht aus. Sterne an.

Uns als Sternwarte liegt diese Aktion natürlich ganz besonders am Herzen. Für unsere Vorfahren war der Anblick der Milchstraße selbstverständlich. Heute ist sie vielerorts nur noch zu erahnen. Straßenbeleuchtung, angestrahlte Gebäude, Reklamen und andere künstliche Lichtquellen verschlucken immer mehr Sterne an unserem Nachthimmel. Schwache Sterne, die unter einem wirklich dunklen Himmel mit bloßem Auge sichtbar wären, verschwinden im Lichtschleier über unseren Städten. Selbst für moderne Teleskope wird die Beobachtung lichtschwacher Himmelsobjekte dadurch immer schwieriger.

Doch es geht um weit mehr als Astronomie.

Dunkelheit ist wertvoll und ein Teil der Natur

Die natürliche Dunkelheit der Nacht ist ein wichtiger Bestandteil unserer Umwelt. Künstliches Licht kann den Tag-Nacht-Rhythmus von Menschen beeinflussen und stört zahlreiche Tiere und Pflanzen. Nachtaktive Insekten werden von Lichtquellen angezogen, Zugvögel können durch künstlich erhellte Landschaften irritiert werden und ganze ökologische Zusammenhänge können aus dem Gleichgewicht geraten.

Licht nur dort, wo wir es brauchen

Die Earth Night will nicht die Nacht zurück in die Dunkelheit des Mittelalters versetzen. Es geht vielmehr darum, Bewusstsein für den Umgang mit Licht zu wecken.

Muss wirklich jede Fassade die ganze Nacht beleuchtet sein? Muss Licht nach oben oder in alle Richtungen strahlen? Brauchen wir überall die gleiche Helligkeit?

Oft genügt weniger. Licht kann gezielt eingesetzt, gedimmt, zeitweise abgeschaltet und so ausgerichtet werden, dass es nur dort ankommt, wo es tatsächlich gebraucht wird. Warmweißes Licht ist dabei für Mensch und Natur meist verträglicher als sehr kaltes, bläuliches Licht.

Schenken wir der Nacht eine Nacht

Die Earth Night wurde 2020 von der Initiative „Paten der Nacht“ ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es, Bewusstsein für Lichtverschmutzung zu schaffen und langfristig für einen verantwortungsvolleren Umgang mit künstlichem Licht zu sorgen.

Wir laden Sie ein, am 11. September 2026 mitzumachen:

Schalten Sie unnötige Lichter aus. Verdunkeln Sie Ihre Fenster. Reduzieren Sie unnötige Außenbeleuchtung. Und wenn es möglich ist: Gehen Sie hinaus und erleben Sie die Nacht – gerne auch bei uns an der Sternwarte Lübeck.

Vielleicht sehen Sie Sterne, die Sie lange nicht mehr gesehen haben.
Vielleicht erkennen Sie sogar die Milchstraße.
Und vielleicht wird für einen Moment wieder sichtbar, wie unser Nachthimmel eigentlich gedacht ist – ein samtschwarzes Firmament übersät von einem Meer aus Sternen.

Weiterführende Links:

https://www.earth-night.info/
https://www.paten-der-nacht.de/

Beitragsbild: Julia Resch, ASL e.V.

Geändertes Vortragsthema 06.03.2026

Liebe Astronomie-Interessierte,

unser für heute angekündigter Vortrag „Sind Asteroiden eine Bedrohung für die Erde“ von Marc Wiekhorst kann leider so nicht stattfinden, da unser Referent aus gesundheitlichen Gründen ausfällt.

Wir freuen uns aber, dass wir kurzfristig einen Ersatz anbieten können:

Martin Schroeder vom Arbeitskreis Sternfreunde Lübeck wird um 20 Uhr über „Lichtverschmutzung – Ursachen, Auswirkungen und Abhilfe“ referieren.

Im Anschluss findet wie geplant ab 21 Uhr die öffentliche Beobachtung statt.

Beitragsbild: ASL e.V.

Polarlichter über Lübeck am 12.09.2024

Polarlichter sind wunderschön, sie sind bunt und faszinierend. Und wer schon mal das Glück hatte welche zu sehen, möchte es immer wieder erleben.

Leider treten sie meist nur in der Nähe der magnetischen Pole auf, so dass wir hier in Lübeck nur sehr selten in den Genuss kommen. In diesem Jahr (2024) ist das etwas anders. Die Sonne durchläuft momentan eine besonders aktive Phase, und die Wahrscheinlichkeit auch in unseren Breiten Polarlichter zu sehen, ist höher als in anderen Jahren. Nichtsdestotrotz ist das Beobachten von Polarlichtern immer mit einer gehörigen Portion Glück verbunden.

Zum Beispiel gab es im Mai 2024 einen besonders starken Sonnensturm, der selbst Wien und noch weiter südlich gelegene Gebieten Polarlichtern bescherte … nicht so den Lübeckern, denn Lübeck lag unter dichten Wolken.

Aber nicht nur Glück gehört zum Beobachten von Polarlichtern, sondern auch ein gewisses Maß an Vorbereitung und Wissen. Zur Vorbereitung dienen Webseiten wie z.B. „Polarlicht-Vorhersage für Deutschland“. Dort kann man sich informieren, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, Polarlichter zu sehen.

Ein anderer, sehr wichtiger Punkt ist das Wissen, dass man Polarlichter in aller Regel nicht mit bloßem Auge sehen kann, zumindest nicht in unseren Breiten. Wenn die Polarlichter sehr stark sind,  sieht man vielleicht einen rötlichen oder grünlichen Schimmer oder manchmal auch senkrechte, weißliche Streifen, die sogenannten Beamer. Und das auch nur, wenn man sich an besonders dunklen Orten mit wenig Lichtverschmutzung aufhält. Mitten in der Stadt wird es da schon schwierig.

Aber da hilft ein simpler Trick. Man benutzt eine Kamera oder einfach das Handy, richtet diese in Richtung des nördlichen Horizontes aus und macht ein Foto. Der Kamerasensor ist in der Lage, sehr viel mehr Licht zu „sammeln“ als das menschliche Auge und kann so die Polarlichter sichtbar machen.

Am 12. September diesen Jahres war es mal wieder so weit. Schon den ganzen Tag über zeigten die Werte starke Polarlichtaktivität und ich hoffte, dass sie bis zum Abend anhalten würden, denn natürlich zeigen sich die Polarlichter nur, wenn es dunkel ist. Glücklicherweise taten sie es. Kurz vor 21 Uhr stiegen die Werte dann noch mal stark an. Das war für mich der Startschuss. Ich schnappte meine Kamera und mein Stativ, setzte mich aufs Fahrrad und fuhr zu einem der wenigen Orte in meiner Umgebung, an dem ich einigermaßen freie Sicht Richtung Norden hatte. Der Blick entlang der Wakenitz unterhalb der Wallbrechtbrücke erwies sich als eine gute Wahl. Fast eine halbe Stunde lang konnte ich die bunten, tanzenden Lichter am Himmel fotografieren, bevor sie wieder verschwanden und ich zufrieden lächelnd nach Hause fuhr.

Polarlichter über der Wakenitz am 12. September 2024. Foto: Julia Resch