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Das Sternbild Sextans – Sextant

Herkunft, Mythologie, Beobachtungshinweise

zusammengestellt von E.-Günter Bröckels

1 Vorbemerkung zur (zunächst?) letzten Sternbildbeschreibung dieser Serie

Mit der Veröffentlichung meiner Sternbildbeschreibungen in unserer Vereinszeitschrift POLARIS bis Ausgabe 102 und nachfolgend auf der Internetseite unseres Vereins, dem Arbeitskreis Sternfreunde Lübeck e.V., habe ich den Versuch unternommen, der geneigten Leserschaft alle achtundachtzig heute gültigen Sternbilder etwas näher vorzustellen. Hierbei habe ich allerdings nicht die alphabetische Reihenfolge eingehalten, wie man am Titel dieser achtundachtzigsten Sternbildbeschreibung unschwer erkennen kann. Weil die erste Sternbildbeschreibung bzw. deren Veröffentlichung in der POLARIS Nummer 9 im Mai 1987 nun doch schon ein paar Jahre zurückliegt, dürften bei einigen Sternbildbeschreibungen sogar schon Aktualisierungen oder Erweiterungen bei den Erklärungstexten angebracht sein. Hier aber nur die neueren, oft mit nur geringen Abweichungen behafteten Koordinaten der einzelnen Objekte aufzulisten wäre ein intensives, aber heute wohl überflüssiges Unterfangen, da diese mit und in den heutigen entsprechenden Medien jederzeit einfach und schnell abrufbar sind. Eine generelle Überarbeitung für eine ggf. spätere alphabetisch geordnete Veröffentlichung ist jedoch in Planung.

Es gab da aber auch vor mehr als 100 Jahren, insbesondere vor der Neuordnung der Sternbilder durch die Internationale Astronomische Union (IAU) ab dem Jahr 1928 und der endgültigen Flächen- und Grenzenfestlegung durch Beschluss im Jahr 1933, noch einige Sternbilder, deren Namen immer wieder in Gesprächen und in der Literatur auftauchen, deren Beschreibung sich eventuell auch heute noch lohnen würde. Und dann gibt oder gab es da auch noch Sternbilder in anderen Mythologien zum Beispiel in der Nordischen oder Germanischen Mythologie. Mal sehen, was sich davon noch heute darstellen und beschreiben lässt.

2 Der Name

Nun aber zur Beschreibung des Sternbildes Sextans oder Sextant, wie es in unserer Muttersprache genannt wird.

Das Sternbild Sextans wurde 1687 von dem Danziger Astronomen Johannes Hevelius unter der Bezeichnung Sextans Uraniae, eingeführt, also einem Gerät, welches er der Muse der Astronomie, Urania, widmete. Es soll den Sextanten darstellen, mit dem er die Sternpositionen vermaß. Bei einem Feuer in seinem Observatorium im Jahr 1679 ist leider auch sein hölzerner Sextant verbrannt. Sein Gerät war fast identisch mit dem des Tycho Brahe, ein fest auf einem Stativ montiertes Winkelmessgerät im Aufbau eines Oktanten, jedoch mit einem über 60 Grad langen Kreissegment als Gradbogen versehen. Der Sextant des J. Hevelius besaß jedoch noch keine Spiegel.

Johannes Hevelius gilt als einer der bedeutendsten Astronomen seiner Zeit und wurde von vielen Seiten unterstützt, so zum Beispiel von König Ludwig XIV. von Frankreich und dem polnischen König Johann III. Sobieski, dem er das Sternbild Schild (Scutum) unter dem Namen Scutum Sobiescianum widmete. Hevelius machte alle seine Himmelsbeobachtungen mit unbewaffnetem Auge, obwohl es schon Fernrohre gab; die wurden ja schon 1608 erfunden. Der zeitgenössische Astronom Johann Jacob Zimmermann entwarf einen Himmelsglobus nach den Positionsmessungen des Hevelius, die dieser mit seinem Sextanten ermittelt hatte und in seinem Atlas Prodomus astronomiae notierte. Der Hevelius´sche Atlas wurde allerdings erst 1690 posthum veröffentlicht. Der Name Sextant leitet sich ab von dem gebogenen Geräterahmen, der mit zwei geraden Schenkeln, die sich in einem Punkt treffen und dabei der Alhidade einen Drehpunkt liefern und einen skalierten Kreissektor, Gradbogen genannt, einen Winkel von wenigstens 60°, also einem Sechstel eines Kreises einschließen.

Bild 01: Sextant des Johannes Hevelius (60°-Kreissegment)
Bild 02: Sternbild Sextant im Sternatlas von J. E. Bode

Das erste Konzept für ein Gerät zur Winkelmessung mit Hilfe von Spiegeln stammt von Isaac Newton, der seinen Entwurf 1700 an die Royal Society einreichte. Seine Zeichnungen und Erläuterungen zum Gebrauch blieben jedoch vorerst unbeachtet und wurden erst 1742, nach seinem Tod, veröffentlicht. Durch den Einsatz von entsprechend angeordneten speziellen Spiegeln wurden infolge des Spiegelgesetzes Winkelmessungen in doppeltem Umfang, also bis 120° möglich. Der Sextant hat deshalb auch eine Skala auf dem Gradbogen von mindestens 120°. Demgegenüber hatte sein Vorläufer, der Oktant, wenn er nachträglich mit Spiegeln versehen wurde, nur eine Winkelskala von mindestens 90°. Sein Rahmen umfasste ja nur 45°, also ein Achtel eines Kreises, wovon sich – analog zum Sextanten – sein Name ableitet.

Um 1730 entwickelten unabhängig voneinander John Hadley (1682–1744), englischer Astronom und Mathematiker, und Thomas Godfrey (1704–1749), ein Optiker und Erfinder in den britischen Kolonien in Amerika, einen Sextanten und reichten ihre Entwürfe ebenfalls an die Royal Society ein. Hadleys Konstruktion, damals ein Oktant, erwies sich als die zweckmäßigere und wurde der Vorläufer aller weiteren Sextanten. Beide Versionen galten aber als gleichwertig und so teilten sich beide Erfinder einen Preis, der für die genaue Positionsbestimmung auf See ausgesetzt worden war. Der Sextant ersetzte schnell den Jakobsstab, das Astrolabium, den Quadrant und den Oktant. Die ersten Sextanten waren noch aus Holz gebaut. Auf See verzog sich das Holz jedoch durch die Luftfeuchtigkeit, so dass die Instrumente bald aus Metall, bevorzugt aus Messing, gefertigt wurden.

Der Sextant ist ein recht empfindliches Instrument. Eine kleine Verformung des Zeigers oder eine kleine Verstellung des Spiegels durch groben Anstoß oder gar durch ein Fallenlassen musste zwangsläufig zu einer falschen Positionsbestimmung führen, die um viele Kilometer neben der tatsächlichen Position liegt. Um sicher sein zu können, dass das Gerät nicht beschädigt ist, wurde ein Sextant in der Regel neu gekauft und nur selten vom Nautiker aus der Hand gegeben. Neuere Instrumente lassen sich an den Halterungen der Spiegel justieren. Wichtig sind hier die exakte Parallelstellung der Spiegel zueinander sowie die rechtwinklige Anordnung zur Geräteebene sowie die exakte Nullstellung auf dem Gradbogen.

Bei der Navigation auf See verlor der Sextant erst mit der Satellitennavigation (GPS) an Bedeutung, wird aber zur Sicherheit auch heute noch auf den Seeschiffen mitgeführt. In der Luftfahrt war der Sextant nur kurze Zeit in Gebrauch und wurde bald durch Funknavigation und Trägheitsnavigation ersetzt, die heute oft durch Satellitennavigation ergänzt oder neuerdings auch vollständig ersetzt werden.

Die Bedeutung des Sextanten als wissenschaftliches Gerät wurde von der Bundesrepublik Deutschland dahingehend anerkannt, als dass sie ein solches Gerät auf eine Banknote drucken ließ. Der auf der 10-DM-Banknote abgebildete Sextant – auf Basis eines Quintanten mit 144° Messbereich der englischen Firma Troughton – ist von Carl Friedrich Gauß 1821 mit einem dritten Spiegel versehen worden, um ihn in der Landesvermessung als Sonnenspiegel (Licht-Scheinwerfer = Vize-Heliotrop) zur Sichtbarmachung von Vermessungspunkten zu verwenden. Im Bereich der Landvermessung wurde er später vom Theodoliten abgelöst.

Vor Hevelius hatte der Mönch Anton Maria Schyrleus de Rheita 1643 die Sterne dieser Himmelsregion zum Schweißtuch Christi zusammengefasst. Diese Benennung konnte sich allerdings nicht durchsetzen. In der Ausgabe seines Sternatlas von 1782 hat Johann Elert Bode noch den einfachen, spiegellosen Sextanten abgebildet und abdrucken lassen. Hier ist auch die Nähe des Sextanten zur Seefahrt zu sehen, denn die Mastspitze der Argo weist auf den Sextanten.

3 Das Sternbild

Sextans     Genitiv: Sextantis     Abk.: Sex     dt.: Sextant

Den Sextanten am Himmel kann man nur bei guten Beobachtungsbedingungen sehen, da er durchgehend aus lichtschwachen Sternen besteht, von denen nur zwei die 5te Größenklasse übersteigen. Zum Auffinden bediene man sich einer gedachten Linie von Regulus im Löwen nach Alfard in der Hydra. Östlich davon liegt der Sextant unter dem Löwen und über der Wasserschlange.

Sein Sternbildareal erstreckt sich in RA von 9h41m05s bis 10h51m30s und in Dec von  −11°39′44″ bis +6°25′58″ und belegt damit 314 Quadratgrad. Der Sextant ist ein Frühlingssternbild und von 78° Nord bis 84° Süd vollständig sichtbar und wird eingerahmt von den Sternbildern Löwe, Wasserschlange und Becher. Es kulminiert um den 21. März, also zum Frühlingsanfang, um 22 Uhr MEZ. Weil dieses Sternbild sowohl nördlich als auch südlich des Himmelsäquators liegt, setze ich bei den nördlichen Deklinationen ausnahmsweise, zur leichteren Unterscheidung, ein Pluszeichen voran.

3.1 Die Sterne

α Sex ist mit 4m5 der hellste Stern des Sextanten. Er befindet sich auf der Position α 10h07m56,3s / δ -0°22´17,8“. Im Jahr 1900 stand Alpha Sextantis noch 7´ nördlich des Himmelsäquators um im Jahr 1923 auf die südliche Seite zu wechseln. Er strahlt blauweiß von der 10.000 K heißen Oberfläche eines A0III-Typen, der 295 Millionen Jahre alt und  287 Lichtjahre von uns entfernt ist.

β Sex leuchtet in blauweiß nur 5m07 hell von der Position α 10h30m17,5s / δ -0°38´13,1“ über eine Entfernung von 400 Lichtjahren. Der Stern gehört zur Spektralklasse B6V, ist 14.570 K heiß und ein veränderlicher Stern vom Typ α2 Canis Venaticorum.

γ Sex ist ein Mehrfachsystem auf der Position α 09h52m30,4s /  δ -08°06´18,1“. Hier wird eine 5m6 helle Hauptkomponente der Spektralklasse A1V in 0,6″ Abstand von einem mit 6m0 leuchtenden Stern, γ Sex B, der Spektralklasse A4V mit einer Periode von 77,55 Jahren umrundet. Beide Komponenten sind rund 9.800 K heiß und 280 Lichtjahre von uns entfernt. Es gibt eine dritte Komponente,  γ Sex C, mit der Helligkeit von 12m28 bei einem Winkelabstand von 36,9 Bogensekunden vom Hauptstern γ Sex A entlang eines Positionswinkels von 333 ° ab dem Jahr 2000. Der Abstand hat sich von 30,0 Bogensekunden im Jahr 1834 auf den heutigen Wert erhöht. Aufgrund des geringen Winkelabstandes kann das System nur in größeren Teleskopen in Einzelsterne aufgelöst werden.

δ Sex ist ein Hauptreihenstern der Spektralklasse B9.5V mit einer Photosphärentemperatur von 10.900 K. Er leuchtet mit 5m25 von der Position α 10h29m28,7s / δ -02°44´20,6“ über eine Distanz von 322 Lichtjahren. Er ist 146 Millionen Jahre jung.

ε Sex ist ein 1,1 Milliarden Jahre alter Unterriese der Spektralklasse F0IV mit einer Oberflächentemperatur von 7200 K. Sein 5m24 gelbliches Licht braucht von seiner Position α 10h17m37,8s / δ -08°04´08,1“ ganze 183 Jahre bis zu uns.

35 Sex ist ein 800 Lichtjahre entferntes Doppelsternsystem und besteht aus zwei orange leuchtenden Sternen mit Helligkeiten von 6m3 und 7m4 der Spektralklassen K3 und K0. Die Sterne können wegen ihrer gegenseitigen Distanz von 6,8“ mit einem mittleren Amateurteleskop beobachtet und getrennt werden. Das System steht auf α 10h43m18s / d +4°45´0“.

3.2 Deep Sky Objekte

Im Sextanten befinden sich mehrere Galaxien, von denen eine bereits mit einem kleineren Teleskop beobachtet werden kann.

NGC 3115 ist eine mit 9m1 noch für kleinere Amateurfernrohre erreichbare Galaxie. Sie hat eine Winkelausdehnung von 7,2´x 3,2´ entsprechend einem Durchmesser von 70.000 Lichtjahren bei einer Entfernung, die sehr unterschiedlich mit 23 – 32 Millionen Lichtjahren angegeben wird. Sie hat ein linsen- oder spindelförmiges Aussehen, welches ihr die englische Bezeichnung Spindle Galaxy einbrachte, nicht zu verwechseln mit Messier 102, die ebenso genannt wird. Das Zentrum der Galaxie beherbergt ein extrem massereiches Schwarzes Loch von etwa zwei Milliarden Sonnenmassen, bei einer Gesamtmasse der Galaxie zwischen 300 und 400 Milliarden Sonnenmassen. Die Galaxie wurde am 22. Februar 1787 von dem deutsch-britischen Astronomen Wilhelm Herschel entdeckt und befindet sich auf der Position RA 10h05m13,8s / Dec -07°34´08“. Das nachfolgende Foto (Bild 05) ist eine Überlagerung eines optischen Bildes vom VLT und einer Röntgenaufnahme des Satelliten Chandra. Das Ausschnitt-Inlay zeigt eine Starburst-Gegend rund um das zentrale Schwarze Loch.

Bild 05: NGC 3115 – Überlagerung VLT und Chandra

NGC 3156 ist eine 12m1 helle, ebenfalls linsenförmige Spiralgalaxie vom Hubble-Typ S0 mit einer Winkelausdehnung von 1,9´ x 0,9´ auf der Position RA 10h12m41,1s / Dec +3°07´47“. Die Winkelauflösung entspricht bei einer geschätzten Entfernung von 53 Millionen Lichtjahren zu uns einem realen Durchmesser von etwa 30.000 Lichtjahren. Diese Galaxie wurde am 13. Dezember 1784 von William Herschel entdeckt. Sie gehört zu einer Galaxiengruppe zu der unter anderen die Galaxien NGC 3165, NGC 3166, NGC 3169 gehören.

Bild 06: NGC 3156  – Foto: HST

NGC 3165 ist eine kleine mit 13m9 leuchtende Spiralgalaxie (Sdm) fast in Kantensicht auf der Position RA 10h13m31,4s / Dec +03°22´30“. Sie hat eine Winkelausdehnung von 1,3´ x 0,7´ und wurde am 30. Januar 1856 vom irischen Astronomen William Parsons 3. Earl of Rosse, kurz Lord Rosse genannt, entdeckt.

Die Galaxie NGC 3165 interagiert mit den Galaxien NGC 3166 und NGC 3169, wie in Bild 07 zu sehen ist. Alle drei stehen vor einem riesigen Galaxienhaufen, der in Bild 07 schwach erkennbar ist.

NGC 3166 ist eine Balkenspiralgalaxie vom Typ SB0-a und liegt im Sternbild Sextans. Die Galaxie hat eine Winkelausdehnung von 4,4′ × 2,2′ und eine scheinbare Helligkeit von 10,5 mag. Sie wurde am 19. Dezember 1783 von Wilhelm Herschel entdeckt.

NGC 3166 interagiert mit den Galaxien NGC 3165 und NGC 3169, wie in Bild 07 zu sehen ist. Ihre Position ist RA 10h13m44,9s / Dec +3°25´31“.

NGC 3169 ist eine Spiralgalaxie vom Typ SA(s)a pec, hat eine Winkelausdehnung von 4,7′ × 2,5′ und eine scheinbare Helligkeit von 10,3 mag. Sie befindet sich auf der Position RA 10h14m14,8s / Dec +3°27´59,1“. Bei einer Winkelausdehnung von 4,7´ x 2,5´hat sie einen wahren Durchmesser von 95.000 Lichtjahren und eine Flächenhelligkeit von 12m9. Diese Galaxie bildet ein Paar mit der Galaxie NGC 3166 und interagiert mit dieser. NGC 3169 wurde am 19. Dezember 1783 von Wilhelm Herschel entdeckt. Im Jahr 2003 wurde SN 2003cg, eine Supernova vom Typ Ia, in NGC 3169 beobachtet.

Die Galaxien NGC 3156, NGC 3165, NGC 3166 und NGC 3169 bilden eine Gruppe von Galaxien in 60 Millionen Lichtjahren Entfernung. Die Galaxien NGC 3166 und NGC 3169 sind nur etwa 50.000 Lichtjahre voneinander entfernt. Aufgrund der Schwerkraftwirkung beeinflussen sie gegenseitig ihre Strukturen. Weil die Galaxiengruppe relativ weit entfernt und damit lichtschwach ist, benötigt man zur Beobachtung ein größeres Teleskop. Der im Hintergrund von Bild 07 vorhandene Galaxienhaufen lässt sich nur bei hoher Auflösung erkennen. Bei diesem Galaxienhaufen handelt es sich um Randbereiche des Leo-Superhaufens, der in dieser Region in den Hydra-Superhaufen übergeht.

Bild 07: Galaxiengruppe bestehend aus: NGC 3169 links, NGC 3166 rechts, NGC3165 rechts unten, alle 3 vor Leo-Supergalaxienhaufen
Foto: Wide Field Imager MPG / ESO 2,2m Teleskop La Silla Observatorium

Sextans A (auch bekannt als UGCA 205 und DDO 75) ist eine verhältnismäßig kleine, irreguläre Zwerggalaxie vom Hubble-Typ Ir+V. Sie befindet sich auf der Position RA 10h11m1,3s / Dec -04°42´48“ in einer Untergruppe mit der Bezeichnung NGC 3109-Gruppe der lokalen Galaxiengruppe. Sextans A zeichnet sich durch ihre aus unserer Sicht eigenartige quadratische Form aus. Es wird vermutet, dass vor 100 Millionen Jahren in ihrem Zentrum eine Welle der Sternentstehung einsetzte. Massive und kurzlebige Sterne explodierten als Supernovae , die wiederum die Bildung neuer Sterne und neuer Supernovae erzeugten und schließlich zu einer expandierenden “Wolke” wurden. Sextans A ist 4,3 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt und besitzt bei einer Winkelausdehnung von 5,9´x 4,9´einen Durchmesser von knapp 5.000 Lichtjahren. Ihre Flächenhelligkeit von 15m0 pro Quadratgrad ergibt eine visuelle Helligkeit von 11m9. Sextans A zählt zu den entferntesten Mitgliedern der lokalen Gruppe. Sextans A wurde 1942 von Fritz Zwicky entdeckt und ist erst größeren Optiken zugänglich. Derzeit bildet Sextans A weiterhin Sterne. Einige von ihnen sind sehr massiv und erregen ionisierten Wasserstoff, der östlich und westlich der Galaxie nachgewiesen wurde, was kürzlich vom Grand Canary Telescope bestätigt wurde .

Bild 08: Sextans A,  irreguläre Zwerggalaxie – Foto: Cerro Tololo Inter-American-Observatory

3.3 Sonstiges

Bild 09: Das Sternbild Sextant

Zum Abschluss eine Wortspielerei zum Schmunzeln:

Auch eine nicht sehr starke Person kann mit einer Hand Se(x/chs)Tanten hochhalten. 

Auf Wiederlesen

Euer Serienschreiber E.-Günter Bröckels     

Quellenangaben der Abbildungen

Die Serie der Beschreibung der 88 Sternbilder endet mit diesem Beitrag.

Besuch bei einer Nachbarsternwarte

1 Die Hamburger Sternwarte in Bergedorf

Die Sternwarte in Hamburg-Bergedorf wurde noch zu Zeiten des Deutschen Kaiserreiches im Jahre 1912 eröffnet. Seitdem hat sie eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Erwähnt sei hier, dass

  • der Optiker und Teleskopkonstrukteur Bernhard Schmidt hier tätig war. Ihm gelang 1930 die Herstellung einer asphärischen Korrektionslinse und damit die Erfindung des „Schmidt-Spiegels“. Dieser ermöglicht bis an den Bildrand der damaligen Fotoplatten komafreie Aufnahmen und  stellte damit eine der durchgreifenden Neuerungen in der Astrofotografie des 20. Jahrhunderts dar.
  • Walter Baade in den 1930er Jahren hier arbeitete, bevor er an das Mount-Wilson-Observatorium nach Kalifornien wechselte
  • Otto Heckmann, der die Sternwarte von 1942 bis 1962 leitete, die treibende Kraft beim Aufbau der Europäischen Südsternwarte ESO war. So wurde die Bergedorfer Sternwarte Gründungsort der ESO und Otto Heckmann ab 1962 deren erster Generaldirektor.
  • die Sternwarte seit 1968 ein eigenständiges Institut im Fachbereich Physik der Universität Hamburg darstellt

Im oben abgebildeten Hauptgebäude ist die über 70.000 Bände umfassende Bibliothek untergebracht. Sie enthält alle wichtigen astronomischen Veröffentlichungen der letzten 200 Jahre.

2 Der Förderverein

Die gesamte Sternwarte steht seit 1996 unter Denkmalschutz. In dem Zusammenhang wurde 1998 der „Förderverein Hamburger Sternwarte e.V.“ gegründet, dessen Ziele in erster Linie der Erhalt der Gebäude und der astronomischen Geräte der Sternwarte nach Maßgabe des Denkmalschutzes sind.

Darüber hinaus unterstützt der Verein die astronomische Öffentlichkeitsarbeit, indem er zum Beispiel Vortragsreihen zu astronomischen Themen anbietet – womit wir beim eigentlichen Thema wären.

3 Vortragsreihe „Von den Anfängen der Astronomie zur modernen Astrophysik“

Ende letzten Jahres erhielt ich eine Einladung im Rahmen einer von Gudrun Wolfschmidt (Professor emerita) organisierten Vortragsreihe einen Vortrag an der Hamburger Sternwarte zu halten. Diese Einladung habe ich sehr gerne angenommen, konnten wir ASLer uns doch so ein wenig revanchieren für die vielen Vorträge, die Referenten der Hamburger Sternwarte bzw. des Fördervereins bei uns in Lübeck gehalten haben.

Die Vorträge dieser Reihe finden einmal monatlich mittwochs abends statt (leider genau dann, wenn unsere Astrofotogruppe tagt) und zwar in dem besonderen Ambiente des historischen Bibliotheksraums im Sternwarten-Hauptgebäude (siehe beigefügtes Programm).

Abb. 1: Aktuelles Programm der Vortragsreihe “Von den Anfängen der Astronomie zur modernen Astrophysik”

4 Der Vortrag

Mein Vortrag fand am 20. März statt. Es handelte sich dabei um das bereits im November 2022 in Lübeck und im November 2023 am Karower Meiler gewählte Thema – leicht abgewandelt.

Abb. 2: Vortragsankündigung

Seit der Corona-Zeit hat sich der Besuch besagter Vortragsreihe so eingependelt, dass üblicherweise ein kleinerer Teil der Zuhörer vor Ort ist und der größere Teil die Veranstaltung per Zoom verfolgt. Im vorliegenden Fall waren es 20 Personen im Bibliotheksraum und 62 Teilnehmer per Zoom.

Immer dabei ist der langjährige Sternwartendirektor, Richard Schorr, der aus seinem Bilderrahmen wohlwollend auf die Veranstaltung hinunterschaut (siehe Foto).

Abb. 3: Auditorium im historischen Bibliotheksraum

Nach Ende des Vortrags fand sich eine kleine Gruppe um die Veranstaltung bei einer leiblichen Stärkung ausklingen zu lassen. Summa summarum ein gelungener Abend.

Bildnachweis:

  • Beitragsbild: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=443173
  • Abb. 1: Förderverein Hamburger Sternwarte (FHS)
  • Abb. 2: Förderverein Hamburger Sternwarte (FHS), G. Wolfschmidt
  • Abb. 3: Foto G. Wolfschmidt

11. Norddeutsches Sternwartentreffen 2024 in Lübeck

Letztes Jahr mussten wir das geplante 11. NST 2023 leider wegen zu geringer Beitragsanmeldungen absagen.

Ein Ersatztermin ist jetzt gefunden.

Wir laden ein zum 11. NST am 14. September 2024 in der Sternwarte Lübeck!

Wir hoffen, Ihr habt die Zeit genutzt und reichlich astronomische Aktivitäten durchgeführt, über die Ihr auf dem diesjährigen NST in Lübeck berichten wollt.

Zu Programm und Anmeldung hier klicken!

Wir freuen uns auf Euch!

Euer Team der Sternwarte Lübeck

Das Sternbild Eridanus

Herkunft, Mythologie, Beobachtungshinweise

zusammenstellt von E.-Günter Bröckels

1 Der Name

Das Sternbild Eridanus gehört zu den ältesten Sternbildern und findet sich auch unter den 48 Sternbildern, die schon von Ptolemäus beschrieben wurden, wieder. Selbst aus der Sicht der damaligen Welt, ihre Länder befanden sich alle im Mittelmeerraum und somit näher am Äquator, stand dieses Sternbild nicht vollständig über dem Horizont. Es war seinerzeit eines der ausgedehntesten Sternbilder und steht auch heute noch flächenmäßig an sechster Stelle. Die heutige Schreibweise ist lateinisch, während sie im Griechischen Eridanos, also mit o lautete.

1.1 Mythologisches

In der griechischen Mythologie war der Eridanos ein großer Fluss am Ende der Welt. Wie alle mythologischen Quellen, Flüsse und Seen entstammt auch der Eridanos dem die Erde umfließenden Weltstrom Okeanós, dem ältesten Sohn des Uranos und der Erdmutter Gaia und Bruder und Gemahl seiner Schwester Tethys. Über letztere ist Okeanós Vater der Okeaniden. Phaethon, Sohn des Sonnengottes Helios und der Okeanide Klymene, lenkte einmal den Himmelswagen seines Vaters, auf dem die Sonne über das Firmament gefahren wurde, als Erfüllung eines Wunsches, den Helios seinem Sohn als Beweis seiner Vaterschaft gewährte. Trotz ernsthafter Bedenken und Warnungen bestand Phaethon auf dieser Fahrt. Er verlor jedoch recht bald die Kontrolle über die Rosse, kam dabei der Erde gefährlich nahe, verbrannte große Teile von Afrika und färbte somit die Haut der dort lebenden Menschen dunkel. Überstürzt lenkte er die Rosse nun gen Himmel und entzündete das Universum. Dabei ist die Milchstraße als feurige Spur entstanden. Bevor der Sonnenwagen den Olymp erreichte, sandte Zeus einen Blitzstrahl aus, der die Pferde stoppte und Phaethon aus dem Sonnenwagen schleuderte. Phaethon stürzte in den Eridanos, an dessen Ufer seine Schwestern, die Heliaden, seinen Tod beweinten. Letztere wurden in Schwarzpappeln verwandelt und ihre Tränen in Bernsteine.

Das Sternbild Eridanus sollte ursprünglich den Weg darstellen, den der himmlische Sonnenwagen während dieser Fahrt nahm. Später sah man darin den Fluss, in den der tote Phaethon stürzte.

Apollonios von Rhodos beschreibt nur sehr unklar, ob der Eridanos ein Fluss, ein Strom oder Meeresarm oder eher ein See ist. Seit Phaetons Sturz sollen dort immer noch Dämpfe aus dem Wasser steigen. Vögel, die den Ort überfliegen, würden inmitten des Sees in Flammen aufgehen. Es sei eine traurige Gegend, erfüllt von Dünsten und Brandgestank und in der Nacht höre man die schrillen Trauerschreie der Heliaden. Die Bernsteine, die man dort finde, seien den Kelten zufolge die versteinerten Tränen Apollons, der sich dort aufhielt, als er aus dem Olymp exiliert war. Der Eridanos mündet Apollonios zufolge in den Okeanos, in das Ionische Meer und mit sieben Mündungen in das Tyrrhenische Meer, eine ziemlich wirre Geographie.

Hesiod, ein griechischer Dichter, der um 700 v. Chr. als Ackerbauer und Viehhalter lebte, führt in seiner „Theogonie“ die Flüsse Eridanos und Nil getrennt auf, also als zwei voneinander verschiedene Gewässer.

Der Grieche Eratosthenes (um 240 v. Chr.) wiederum setzte den Eridanos mit dem Nil gleich, dem einzigen damals bekannten Fluss, der von Süden nach Norden fließt. Dies steht allerdings im Widerspruch mit der Bezeichnung für den damals südlichsten Stern Acamar für „Ende des Flusses“. Als Quelle müsste er wohl „Anfang des Flusses“ geheißen haben.

Publius Vergilius Maro (70 bis 19 v.Chr.), besser bekannt als Vergil, war ein lateinischer Dichter, der den Eridanus den „König der Flüsse“ nannte.

Anfänglich endete das Sternbild Eridanus bereits am Stern Acamar (θ Eridani), dem hellen Stern unter Fornax. Der Name leitet sich aus dem Altarabischen ab und bedeutet „das Ende des Flusses“. Denn vor etwa 3.500 Jahren lag Eridanus auf Grund der Präzession, das ist die Auswirkung der Taumelbewegung der Erdachse, noch 10 Grad südlicher als heute. Acamar kam auf der Insel Kreta gerade so auf bzw. über den Horizont. Der Name des heute südlichsten Sterns, Achernar, bedeutet ebenso „das Ende des Flusses“ oder „Flussmündung“. Somit dürfte der Eridanus schon von weitreisenden Völkern Kleinasiens in der Spätantike verlängert worden sein. Achernar lag damals auf minus 76° Deklination und konnte selbst in Ägypten nicht beobachtet werden.

Achernar wandert in den nächsten Jahrtausenden weiter Richtung Norden. In 500 Jahren wird er auf Kreta den Horizont erreichen, und von ca. 7.900 n. Chr. bis 10.500 n. Chr. sogar in Deutschland sichtbar werden. Danach wandert Achernar wieder Richtung Süden. Am nächsten am Südpol stand Achernar 3.360 v. Chr., damals auf minus 83° Deklination.

In der ägyptischen Mythologie ist der Himmelsfluss Eridanus die Grenze zwischen dem Reich der Lebenden und der Duat, der ägyptischen Totenwelt. Er wurde auch ‘Strom des Lebens’ genannt. Der schakalköpfige Totengott Anubis unterstützte die Toten beim Überqueren des Eridanus. Der Eridanus entspringt am unteren Rand des Orion, dem Sternbild des Osiris.

Es gibt arabische Darstellungen von Achernar und Fomalhaut als ein Paar Strauße.

Der niederländische Seefahrer Pieter Dirkszoon Keyser, der nach 1595 zwölf „neue“ Sternbilder von seiner Südfahrt mitbrachte, benannte ihn auf „Den Nyli“ um, vermutlich als einen der vier Paradiesflüsse, in der Tradition des Eratosthenes, der den Eridanus als den ägyptischen Strom Nil gedeutet hatte. Dabei hatte schon Hesiod, wie oben erwähnt, diese zwei Flüsse eigenständig und getrennt abgehandelt. Als Nil findet sich der Eridanus auch bei Plancius und den von Jodocus Hondius gedruckten Himmelskarten. Johann Bayer verzeichnet ihn 1603 aber wieder als Eridanus in ptolemäischer Tradition.

1.2 Fluss während des Paläogens

Im Internet habe ich eine Abhandlung über den hypothetischen Fluss Eridanus gefunden, die ich hier in Wort und Bild mit Einzelnachweisen wiedergeben möchte; ist es doch interessant zu wissen, dass die heutige Ostsee mit dem Namen Eridanus in Verbindung steht.

Zitat:

https://de.wikipedia.org/wiki/Eridanus_(Geologie)

Der Eridanus (auch Eridanos) ist ein hypothetischer Fluss, der im Gebiet der heutigen Ostsee im Mittleren Eozän vor etwa 40 Millionen Jahren entstanden ist. Der Fluss verschwand im Pleistozän.

1.2.1 Namensherkunft

Der Name geht auf den Fluss Eridanus in der griechischen Mythologie zurück. Als „hypothetischer Fluss“ wird der Eridanus bezeichnet, weil geologische Befunde (z. B. Sedimente, die auf Ablagerungen in einem Delta deuten) die Existenz eines solchen Flusses nahelegen, ein direkter Nachweis (z. B. ein Erosionstal) aber nicht vorliegt.

1.2.2 Im Eozän

Der Eridanus entwässerte im Eozän Gebiete eines Subkontinents, der Teile des heutigen Skandinaviens und Russlands bis etwa zum Ural umfasste. Auf diesem Subkontinent wuchs während eines Zeitraums von 10 bis 20 Millionen Jahre der so genannte „Bernsteinwald“, der das Harz für den Baltischen Bernstein lieferte. Südlich dieses Gebietes befand sich ein Randmeer des Atlantischen Ozeans. Während des Priabonium (im Oberen Eozän) mündete dieser Fluss in einem ausgedehnten, mindestens 115 km breiten Delta (Chłapowo-Samland-Delta) ungefähr in dem Gebiet, in dem sich heute die Danziger Bucht (Ostsee) befindet. Aus den Sedimenten, die der Eridanus in seinem Delta ablagerte, entstand unter anderem die so genannte Blaue Erde, in der sich der weitaus größte Teil der Vorkommen des Baltischen Bernsteins befindet.[1] Es wird allerdings auch die These vertreten, dass die Bernsteinlagerstätten in diesem Gebiet in erster Linie durch Meerestransgression und nicht oder nur zu einem geringen Teil durch Flusstransport zu erklären sind.[2]

1.2.3 Im Pleistozän

Im Unteren Pleistozän, vor etwa 2 Millionen Jahren, erreicht der Fluss eine Länge von etwa 2.700 Kilometern, war also ähnlich lang wie die heutige Donau. Er entsprang in Lappland, floss durch das Gebiet des heutigen Bottnischen Meerbusens, weiter durch das Gebiet, in dem sich heute die Ostsee erstreckt, nach Westeuropa, wo er in einem Delta mündete, dessen Ausmaße mit denen des heutigen Amazonas oder des Mississippis verglichen wird. Geschiebefunde in den Niederlanden und Untersuchungen an Sedimenten aus dem Untergrund der Nordsee trugen dazu bei, die Hauptzuflüsse des Eridanus rekonstruieren zu können, der in der Cromer-Warmzeit (vor etwa 700.000 Jahren) versiegte.

1.2.4 Beziehung zwischen Eridanus und Baltischem Urstrom

Es wird in der Literatur auch die Auffassung vertreten, dass nur das Entwässerungssystem im Eozän, in dem der Baltische Bernstein in das Gebiet der heutigen Danziger Bucht transportiert wurde, korrekt mit dem von Barbara Kosmowska-Ceranowicz[1] eingeführten Begriff „Eridanus“ zu bezeichnen ist. Spätere Entwässerungssysteme im Gebiet der heutigen Ostsee in der Zeit des Miozän bis zum Pleistozän seien unabhängig hiervon entstanden und zutreffend als „Baltischer Urstrom“ oder „Baltischer Hauptstrom“ zu bezeichnen.[3]

Einzelnachweise
  1. B. Kosmowska-Ceranowicz: Bernstein – Die Lagerstätte und ihre Entstehung. In: Bernstein – Tränen der Götter. S. 165, Bochum 1996. ISBN 3-921533-57-0.
  2. Gerda Standke: Bitterfelder Bernstein gleich Baltischer Bernstein? – Eine geologische Raum- Zeit- Betrachtung und genetische Schlussfolgerungen. – In Exurs.f. und Veröfftl. DGG, 236: S. 11-33, Hannover, 2008.
  3. Meyer & Bartholomäus: Baltischer Urstrom und der Eridanos – eine Klarstellung. In: Geschiebekunde aktuell 29 (2): 57-58, Hamburg, Greifswald 2013.

Abb. 01: Rekonstruktion des Laufs des hypothetischen Flusses Eridanus im Pleistozän

Zitatende

2 Das Sternbild

Nach diesem Ausflug in die moderne Geowissenschaft kommen wir zu unserem Sternbild Eridanus zurück. Es sollte schon in der POLARIS 105 erscheinen, ist aber seinerzeit leider verloren gegangen. Hier ist die zwischenzeitlich überarbeitete Version.

Eridanus     Genitiv: Eridani     Abk.: Eri     dt.: Eridanus

Er zieht sich als Kette von Sternen beginnend über dem rechten Fußstern des Orion Rigel bis nahe an den südlichen Himmelpol hinab. Das Sternbild ist nicht sehr auffällig, da nur vier Sterne heller als die 3. Größenklasse sind. Von Mitteleuropa aus ist nur der nördliche Teil sichtbar. Als sechstgrößtes Sternbild mit einem Flächeninhalt von 1138 Quadratgrad (deg²) erstreckt es sich in Rektaszension von1h 24m 49s bis 5h 11m 13s und in Deklination von −57° 54′ 58″ bis +0° 24′ 13″. Wegen seiner südlichen Lage ist es erst ab 32° Nord vollständig zu sehen und bei 89° Süd verschwinden erst die nördlichsten Sterne. Für uns Nordeuropäer sind nur die nördlichsten Bereiche in den Wintermonaten etwa zeitgleich südlich mit dem Sternbild Taurus / Stier zu sehen. Beginnend mit dem Stern τ1Eridani zieht der Eridanus am 23. November um 22 Uhr für uns durch den Meridian und beendet seine Passage mit dem Stern b Eridani am 08. Januar. Bei absolut klarer Horizontsicht sind dann die Sterne υ1 und υ2 Theemin gerade auf der Horizontlinie in SSW sichtbar. Der Rest mit den Sternen  Acamar & Co bleibt für uns, wie schon oben erwähnt, von Nordeuropa aus unsichtbar.

Abb. 02: Sternbild Eridanus

Der Eridanus grenzt an neun Nachbarsternbilder. Dies sind von Norden im Uhrzeigersinn Taurus, Cetus, Fornax, Phoenix, Hydrus, Horologium, Caelum, Lepus und Orion.

2.1 Die Sterne

α Eri mit Namen Achernar oder Flussmündung steht fast an der südlichen Grenze zum Sternbild Kleine Wasserschlange; Hydrus und steht auf der Position RA 01h37m43s  / Dec  -57°14´12“ so weit südlich, dass er von Europa aus nicht zu sehen ist. Er ist mit 0m45 einer der zehn hellsten Sterne am Himmel, der hellste Stern im Sternbild und gehört der Spektralklasse B3 V an. Beobachtungen mit dem VLT-Interferometer zeigten 2003, dass er bei einem 6,3-fachen Sonnenradius mit mindestens 230 km/s entsprechend 1Std 24 Min / U rotiert und hierdurch im Verhältnis 2:1 abgeplattet ist. Sein Licht kommt von einer 18.700 K heißen Sternoberfläche und braucht bis zu uns 144 Jahre.

Nach diesem Stern sind der Mount Achernar und die Achernar-Insel in der Antarktis benannt.

β Eri hat den Eigennamen Cursa abgeleitet von Al Kursiyy al Jauzah  „die Fußbank des mittleren Einen”. Mit 2m79 ist er der zweithellste Stern mit einer Oberflächentemperatur von 8.360 K. Sein Licht verrät einen AIIIvar-Stern und braucht nur 89 Jahre bis zu uns. Seine Position, RA 05h07m51s / Dec .05°05´11“, markiert die nordöstlichste Ecke des Sternbildareals. Er steht etwas nördlich des Sterns Rigel.

Al Kursiyy al Jauzah war ursprünglich der Name einer Sternenkonstellation, bestehend aus β, λ und ψ Eridani und τ Orionis. In einem NASA-Katalog der Sterne sind hierfür jedoch nur β, λ und ψ Eridani aufgeführt. Im Chinesischen wird die 4er Konstellation Yù Jǐng, “die Jade Well” genannt. β Eridani selbst ist bekannt als “der dritte Stern von Jade Well” Yù Jǐng sān.

γ Eri ist 2m95 hell, trägt den arabischen Eigennamen Zaurac, was „Boot“ bedeutet und ist etwa 210 Lichtjahre von uns entfernt. Seine Position  ist RA 03m58m02s / Dec -13°30´31“ und sein orangerotes Licht verrät einen Spektraltypen M1 IIIb Ca mit starken Calciumlinien. In alten Aufzeichnungen ist es das Fährschiff, welches die Seelen der Toten über den Fluss Eridanus bringt.

δ Eri gehört der Spektralklasse K0 IV an, besitzt eine scheinbare Helligkeit von 3m5 und ist ca. 30 Lichtjahre von der Sonne entfernt. Der Stern trägt die historischen Eigennamen Rana für „Frosch“ sowie Theemini. Delta Eridani ist ein Unterriese, der sich im Übergang vom Wasserstoff-Brennen zur Helium-Fusion befindet. Sein Alter  wird auf rd. 8 Milliarden Jahre geschätzt. Wir finden Delta Eridani auf der Position RA 03h43m15s / Dec -09°45´48“, wo er bei 2 ½-fachem Sonnendurchmesser eine Rotationsdauer von 116 Tagen zeigt.

ε Eri ist mit 10,7 Lichtjahren Entfernung einer der nächsten Nachbarn unserer Sonne. Er leuchtet mit 3m72 als K2 V-Stern in orange von einer etwa 5.100 K heißen Sternoberfläche von der Position RA 03h32m56s / Dec -09°27´30“. Epsilon Eridani ist nur 4/5 so groß wie unsere Sonne, dreht sich in 12 Tagen einmal um sich selbst und hat, wie 1998 entdeckt wurde, eine Staubscheibe, aus der sich Planeten entwickeln. Ein erster Planet wurde im Jahr 2000 nachgewiesen und Epsilon Eridani b benannt. Beobachtungen des Hubble-Weltraumteleskops bestätigten Anfang Oktober 2006 die Existenz des Exoplaneten.

Arabische Siedler entlang der Ostküste Afrikas bedachten den Stern vor fast 700 Jahren gelegentlich mit dem Namen Aṣ-Ṣādira: „die zurückkehrenden Strauße“. Nach einem öffentlich ausgeschriebenen Wettbewerb der IAU erhielt er im Dezember 2015 den Namen „Ran.

ζ Eri hat den Eigennamen Zibal, ist etwa 110 Lichtjahre entfernt, 4m8 hell und 5.100 K heiß.  Zeta Eridani gehört der Spektralklasse A5m an und besitzt eine scheinbare Helligkeit von 4,8 mag. Der Stern steht auf der Position RA 03h15m50s / Dec -08°49´11“. Hier haben wir einen spektroskopischen Doppelstern mit einer Umlaufzeit von 17 Tagen und 21 Stunden. Der Hauptstern ist spektral ein A9m-Typ. Das System weist einen signifikanten Infrarot-Überschuss bei 70µm auf, was auf einen Asteroidengürtel im Abstand von 31 AU hindeutet.

η Eri mit dem arabischen Eigennamen Azha für Brutplatz ist ein 3m9 heller, orange leuchtender K1 III-Stern, der je nach Quelle in 121 bzw. 137 Lichtjahren Entfernung steht. Wir finden ihn noch gut über dem Horizont in der Nähe der Sternbildgrenze zum Cetus auf der Position RA 02h56m26s und Dec -08°53´53“.

θ Eri trägt den Eigennamen Acamar und markierte in der Frühzeit das Ende des Flusses Eridanus (siehe oben). Acamar ist ein Doppelstern in 160 Lichtjahren Entfernung, der bereits mit einem kleineren Teleskop getrennt werden kann. Zwei Sterne der Helligkeiten 3m3 und 4m4 umkreisen sich in 8,2“ Abstand. Die Sterne gehören den Spektralklassen A1 und A4 an und leuchten somit weiß von rund 10.000 K heißen Sternoberflächen.

ο Eri heißt auch Beid und ist ein 4m1 heller, gelb leuchtender Stern der Spektralklasse F2 III mit 7.500 K Oberflächentemperatur. Sein Licht überbrückt die Distanz zu uns in 200 Jahren.

ο2 Eri hat den Eigennamen Keid und ist ein Dreifachsystem in nur 15,9 Lichtjahren Entfernung. Der Hauptstern ist mit 4m5  etwa so groß wie unsere Sonne und ein K1-Typ. Eine der Komponenten ist ein weißer Zwergstern der Spektralklasse A2 mit etwa 10.000 K Oberflächentemperatur, der nur den doppelten Erddurchmesser besitzt und nur 9m7  hell ist. Dieser Stern ist wegen der geringen Entfernung der am einfachsten zu beobachtende weiße Zwerg, denn er wird bereits in einem Amateurteleskop sichtbar. Er begleitet den Hauptstern in 83“ Abstand. In einem größeren Teleskop wird auch die dritte Komponente, ein roter Zwergstern mit 10m8, sichtbar.

υ2 Eri wird auch Theemin oder Beemin genannt. Ypsilon2 Eridani steht an der Grenze zum Sternbild Caelum und scheint von dort mit 3m8 über eine Entfernung von 200 Lichtjahren. Er gehört der Spektralklasse G9 III an, leuchtet gelblich von einer etwa 5.000 K heißen Oberfläche und seine Koordinaten sind RA 04h33m40s und Dec -30°40´0“.

τ2 Eri trägt den arabischen Eigennamen Angetenar, aus ḥināyat und nahr, und bedeutet „Biegung des Flusses“. Angetenar gehört der Spektralklasse K0 III an und besitzt eine scheinbare Helligkeit von 4m7. Er befindet sich in einer Entfernung von ca. 187 Lichtjahren.

2.2 Deep Sky Objekte

Im Areal des Sternbildes Eridanus gibt es zahlreiche Galaxien, die zusammen den Eridanus-Galaxienhaufen bilden. Einige helle, von uns aus sichtbare Galaxien möchte ich nachfolgend vorstellen. Auf den dazugehörigen Aufnahmen sind viele dieser Haufengalaxien im Hintergrund zu sehen.

NGC 1132 ist eine seltene elliptische Riesengalaxie und liegt in rund 320 Millionen Lichtjahren Entfernung auf der Position RA 02h52m52s und Dec -01°16´29“. Sie bleibt damit für uns noch über dem Horizont und ist mit einer Flächenhelligkeit von 13m6 bei einer Ausdehnung von 2,5´x 1,3´ schon in mittleren Teleskopen sichtbar. Diese Galaxie wurde am 23. November 1827 von John Frederick William Herschel, Sohn des deutsch-britischen Astronomen Wilhelm Herschel, entdeckt. Auf einem Hubble-Bild (siehe nachstehend), das aus Beobachtungen in den Jahren 2005 und 2006 entstand, sind rund um NGC 1132 zahlreiche alte Kugelsternhaufen zu sehen, die vermutlich früher zu den zahlreichen normalen Galaxien gehörten, die in NGC 1132 durch Verschmelzung aufgegangen sind. NGC 1132 befindet sich in einem gewaltigen Halo aus Dunkler Materie. Eine ähnliche Ansammlung von Dunkler Materie findet man sonst nur in großen Galaxiengruppen mit bis zu 100 Mitgliedern. Die Riesengalaxie weist eine starke Röntgenstrahlung auf, die auf heißes Gas zurückzuführen ist. Auch dieses heiße Gas findet man in der Regel nur in großen Galaxiengruppen. Das Röntgenleuchten von NGC 1132 hat eine enorme Intensität und erstreckt sich über einen Bereich, der etwa zehnmal größer ist als die Ausdehnung der Galaxie  selbst. NGC 1132 hat einen Radius von 120.000 Lichtjahren und wir sehen heute den Zustand, wie er vor 320 Millionen Jahren war.

Abb. 03: NGC 1132 (HST)

NGC 1232 ist eine Balkenspiralgalaxie vom Hubble-Typ SAB(rs)c. Wir finden sie östlich des Sterns Angetenar = τ2 Eridani auf der Position RA 03h09m45s / Dec -20°34´45“. Sie hat eine Helligkeit von 9,8 mag und eine Winkelausdehnung von 7,4′ × 6,5′. Die Galaxie ist rund 100 Millionen Lichtjahre vom Sonnensystem entfernt und hat einen Durchmesser von etwa 200.000 Lichtjahren. Mit ihrem scheinbaren Begleiter PGC 11834, auch als NGC 1232A bezeichnet, bildet NGC 1232 das Objekt Arp 41. NGC 1232A ist vom Hubble-Typ SBm, hat eine visuelle Helligkeit von 14m7 bei einer Winkelausdehnung von 0,9´ x 0,7´. Ihre Entfernung wird mit 93 Megaparsec angegeben. Gérard de Vaucouleurs entdeckte 1982 die vierfache Rotverschiebung gegenüber NGC 1232, was bedeutet, dass NGC 1232A ein Satellit von NGC 1232 ist. Halton Arp diskutiert dieses Problem im Jahr 1982 mit G. de Vaucouleurs, und entdeckt, dass NGC 1232A in Wechselwirkung mit NGC 1232 steht und dass  die Asymmetrien in NGC 1232 das Ergebnis dieser Interaktion darstellen. G. de Vaucouleurs schlug in einem Gespräch mit Arp vor, dass NGC 1232A entfernter ist als NGC 1232 mit folgenden Argumenten: Die Helligkeit und auch der Durchmesser von NGC 1232A würden zeigen, dass die Galaxie tiefer im Raum stehe. Wenn NGC 1232A die gleiche Entfernung wie NGC 1232 hätte, wäre sie weniger brillant als für die Art der Galaxie erwartet.

Halton Arp hielt dagegen: Große Galaxien haben in der Regel solche Begleiter. Galaxien wie NGC 1232A sind bekannt für ihre geringere Brillanz, für Anomalien und ihre geringere Helligkeit und in der Regel nicht im Universum isoliert, sondern ein Begleiter größerer Galaxien. Eine ähnliche Situation gilt für NGC 1232B, eine Begleitspiralgalaxie von NGC 1232, mit einer Rotverschiebung von etwa 28.000 km / s.

Detaillierte Beobachtungen neueren Datums lassen auf das Vorhandensein von dunkler Materie in bedeutendem Ausmaß schließen. Die große Galaxie wurde am 20. Oktober 1784 von Wilhelm Herschel entdeckt.

Abb. 04: NGC 1232 mit Satellitengalaxie NGC 1232A (VLT)

NGC 1291 = NGC 1269 erscheint auf den ersten Blick als Ringgalaxie. Sie ist aber eine Balkenspiralgalaxie vom Typ SBa in 33 Millionen Lichtjahren Entfernung. Die Galaxienklasse, die einen Balken quer durch die Zentralregion aufweist, wurde zuerst von H. D. Curtis erkannt und mit der Bezeichnung Balkenspiralgalaxie belegt. NGC 1291 hat eine Ausdehnung von 9,8′ × 8,3′ und besitzt eine scheinbare Helligkeit von 8m5 und eine Flächenhelligkeit von 13m4 pro Quadratgrad. Sie ist damit die hellste Galaxie im Eridanus. Wir Nordeuropäer finden sie gerade noch auf der Position RA 03h17m18s und in Dec -41°06´57“ östlich vom Stern Acamar. NGC 1291 wurde 1826 von James Dunlop entdeckt und als Dun 487 katalogisiert. 1836 beschrieb John Herschel das Objekt erneut. Als schließlich Johan Ludvig Emil Dreyer den 1888 veröffentlichten New General Catalogue erstellte, erkannte er diese Doppelbeobachtung nicht und vergab die Nummern NGC 1291 für Dunlops und NGC 1269 für Herschels Nebelbeschreibung.

Abb. 05: NGC 1291 (J. Pöpsel, Capella Observatory)

NGC 1300 ist eine schön ausgeprägte Balkenspiralgalaxie nordöstlich der Galaxie NGC 1232. Sie hat einen Durchmesser von etwa 115.000 Lichtjahren und befindet sich in einer Entfernung von 21 Megaparsec, das sind rund 70 Millionen Lichtjahre, auf der Position RA 03h19m41s / Dec -19°24´40“. Die Galaxie hat eine visuelle Helligkeit von 10m3, eine Flächenhelligkeit von 13m7 und eine Winkelausdehnung von 6,0′ × 3,3′. Das Zentrum der Galaxie weist zusätzlich eine interessante Spiralstruktur mit einem Durchmesser von ca. einem Kiloparsec auf. Die Galaxie NGC 1300 wurde am 11. Dezember 1835 von dem britischen Astronomen John Herschel entdeckt und ist Mitglied des Eridanus-Galaxienhaufens.

Abb. 06: NGC 1300 (HST)

NGC 1531 ist eine elliptische Galaxie vom Hubble-Typ E/S0? pec, steht etwa 5 Millionen Lichtjahre hinter NGC 1532 und hat bei einer Winkelausdehnung von 1,38´ x 0,95´ einen realen Durchmesser von etwa 20.000 Lichtjahren. Auf diese Fläche verteilt sich ihre Helligkeit von 11m9. Die Galaxie NGC 1531 wurde erst mit verbesserter Teleskopoptik am 19. Oktober 1835 von John Herschel von NGC 1532 getrennt und somit als eigenständig entdeckt. Neuere Forschungen haben ergeben, dass sie mit der wesentlich größeren Galaxie NGC 1532 sogar über den riesigen gegenseitigen Abstand (s. o.) in gravitativer Wechselbeziehung steht.

NGC 1532 ist eine Spiralgalaxie vom Hubble-Typ SB(s)b pec, hat eine visuelle Helligkeit von 9m8 und eine Flächenhelligkeit von 13m6 bei einer Winkelausdehnung von 12,6′ × 3,3′. Sie ist rund 50 Millionen Lichtjahre vom Sonnensystem entfernt auf der Position RA 04h12m04s / Dec -32°52´27“ und hat einen Durchmesser von etwa 180.000 Lichtjahren.
Das Objekt steht mit der wesentlich kleineren linsenförmigen NGC 1531 in gravitativem Kontakt, was im untenstehenden Bild sehr schön an den Verformungen und Sternentstehungsgebieten erkennbar ist. NGC 1531 wird in ferner Zukunft mit NGC 1532 verschmelzen. Die große Galaxie wurde am 29. Oktober 1826 von dem schottischen Astronomen James Dunlop entdeckt.

Abb. 07: NGC1531 klein und  NGC 1532 groß und verformt (VLT)

NGC 1535 ist ein planetarischer Nebel in 5.000 bis 6.000 Lichtjahren Entfernung auf der Position RA 04h14m16s und Dec -12°44´22. NGC 1535 ist der hellste planetarischen Nebel im Sternbild Eridanus. Wir finden ihn östlich des Sterns Zaurac. Er wurde am 1. Februar 1785 von Wilhelm Herschel entdeckt. Die Helligkeit von NGC 1535 mit 9m6 auf einer Fläche von 0,74´ x 0,7´ reicht zwar für eine Beobachtung in einem kleinen Teleskop ab ca. 70 mm Öffnung aus, dort wird man allerdings nur ein schwaches, stellares Objekt vorfinden. In einem größeren Teleskop ab ca. 6 Zoll Öffnung ist NGC 1535 bereits sehr auffällig. Der 12-mag-Zentralstern mit der Katalogbezeichnung HD 26847 (BD -13° 842) ist aber selbst mit 10 Zoll Öffnung etwas schwierig zu beobachten. Eine erfolgreiche Beobachtung setzt ein entsprechend gutes Seeing voraus. Erst in noch größeren Teleskopen werden Strukturen darin sichtbar, die zur Benennung „Cleopatras Auge“ führten. Diesem planetarischen Nebel wird eine gewisse Ähnlichkeit mit NGC 2392, dem Eskimonebel im Sternbild Zwillinge, nachgesagt.

Abb. 08: NGC 1535 (A. Block, Mount Lemmon Observatory)

Im Jahr 2007 wurden bei Untersuchungen von 93 Quasaren auch als »Voids« bekannte Regionen mit etwa 15% niedrigerer Dichte an Objekten und dunkler Materie entdeckt, die für gewöhnlich etwa 100 Millionen Lichtjahre durchmessen und damit um eine ganze Größenordnung kleiner sind als die jetzt aufgespürte riesige Struktur. Im Jahre 2014 wurde im Sternbild Eridanus nämlich ein Novum entdeckt, welches als „Eridanus Supervoid“ bekannt wurde. In einer Region, welche etwa eine Milliarde Lichtjahre Ausdehnung hat, gibt es so gut wie keinerlei Sterne, keine Galaxien, keine schwarzen Löcher und auch keine Indizien für dunkle Materie. Deshalb benannten deren Entdecker, István Szapudi und seine Kollegen von der Universität Hawaii, dieses Gebilde auch Supervoid. Für ihre Untersuchung nutzten sie Daten des Pan-STARRS1-Teleskops auf Maui, Hawaii, sowie des Orbital-Teleskops WISE, des Wide Field Survey Explorers, um eine dreidimensionale Karte der Galaxienverteilung in der Region um den Cold Spot, den Kalten Fleck, zu erstellen.

2.3 Sonstiges

Literaturhinweise:

  • Internet Wikipedia, the free media repository
  • Lexikon der griech. und röm. Mythologie                 Hunger, Herbert
  • Sternbilder von A bis Z                                                        Rükl, A.
  • Wikipedia Enzyklopädie                                                    div. Autoren
  • Die großen Sternbilder                                                       Ridpath, Ian

Quellenangaben der Abbildungen

Die Serie der Sternbildbeschreibungen wird fortgesetzt.