Alle Beiträge von Sternwarte Lübeck

Das Sternbild Norma – Winkelmaß

Herkunft – Mythologie – Beobachtungshinweise

zusammengestellt von E.-Günter Bröckels

1 Der Name

Das Sternbild Winkelmaß wurde 1752 von Nicolas Louis de Lacaille auf seinen Karten des südlichen Sternenhimmels eingeführt. Als Allegorien wählte er einen Zeichenwinkel und ein darunter liegendes Lineal. Dass er dieses Sternbild mit dieser nüchternen Benennung nahe dem hellsten Stern im Centaur, Toliman, und zwischen dem Rücken des Wolfs und dem Schwanz des Skorpions platzierte, zeigt eigentlich, wie wenig dichterische Phantasie Lacaille besaß. Den Wert des Begriffes Winkelmaß wusste er aber allemal zu schätzen, ist hier doch einer der Grundpfeiler der Mathematik verewigt worden.

Das Winkelmaß ist auch eines der drei Hauptsymbole der Freimaurerei neben dem Buch des heiligen Gesetzes und dem Zirkel. Es ist ein Symbol für die Gewissenhaftigkeit. Am rechten Winkel des Winkelmaßes soll der Mensch seine Handlungen ausrichten, nämlich nach Recht und Menschlichkeit. Das Winkelmaß ist auch das Amtsabzeichen des Meisters vom Stuhl.

Zitat: Das Winkelmaß (frz. Equerre, engl. Square), das stets vom Stuhlmeister als Zeichen seiner Würde getragen wird, bildet auf dem Altar mit Bibel und Zirkel die drei „Großen Lichter“ der freimaurerischen Symbolik. „Das Winkelmaß ist das Symbol der Gewissenhaftigkeit, das die menschlichen Handlungen nach dem Gesetz der Rechtwinkeligkeit, d. h. nach Recht, Gerechtigkeit und Menschlichkeit ordnet und richtet, auf dass dieselben immer regelrecht seien und sich innerhalb der rechten Schranken der göttlichen und menschlichen Gesetze halten. Es wird angelegt an die menschlichen Handlungen, auf dass sie erkannt werden als frei von Eigennutz, getrieben von innerem Drang, ohne äußeren Zwang, in voller Erkenntnis des Rechten und Pflichtmäßigen.“

Quelle: Internationales Freimaurer-Lexikon von Eugen Lennhoff und Oskar Posner (1932)

Die uralte Bedeutung des Winkels in Form des Winkelmaßes als konstruktives Werkzeug des rechten Winkels geht sogar bis auf altägyptische Gottheiten,  zum Beispiel Osiris als  Richter über die Toten, zurück.

Das Winkelmaß ist auch eine in der Heraldik beliebte Wappenfigur, die sehr unterschiedlich dargestellt und oftmals neben der Waage als Allegorie für Recht und Gerechtigkeit verwendet wurde.

Das Winkelmaß dient zur Angabe der Winkelweite eines ebenen Winkels in der Mathematik und als physikalische Größe. Je nach Einsatzgebiet werden verschiedene Maße und deren Einheiten verwendet. Auch auf gekrümmten Flächen wird das Winkelmaß verwendet. Hier misst man die Winkel in der Tangentialebene der Fläche, zum Beispiel bei der sphärischen Trigonometrie und der sphärischen Astronomie.

Lineare Winkelmaße zeichnen sich dadurch aus, dass sie bei Drehung des Winkels erhalten bleiben, und bei einer Aufteilung einer Drehung in zwei Teildrehungen das Winkelmaß zur Gesamtdrehung gleich der Summe der Winkelmaße der Teildrehungen ist.

Daher gibt es zwei ausgezeichnete Maßeinheiten für den Winkel, die sich beide von einem intuitiven Bezugssystem von vorne, hinten, rechts und links ableiten, den Vollwinkel (Vollkreis) und den rechten Winkel (Viertelkreis). Diese beiden Konzepte finden sich schon in den frühesten Spuren protowissenschaftlicher Methoden früher Hochkulturen.

So auch das Polygon, das über den Zusammenhang zwischen Innenwinkel und Zentriwinkel geometrischen Zugang zum Winkel ermöglicht. Hier ist insbesondere das Quadrat zu nennen, bei dem beide einen rechten Winkel bilden. Während der rechte Winkel heute nur insofern als Maß dient, sprachlich und natürlich auch rechentechnisch „gerade“ von „schiefen“ Winkeln zu unterscheiden und „spitze“ von „stumpfen“, also ein Prüfkriterium zur Zuordnung boolescher Werte (ja oder nein) ist, ist der Vollwinkel gesetzliche Maßeinheit. Bis etwa 1980 war aber auch der rechte Winkel als Rechter mit dem Einheitenzeichen ∟ in Deutschland üblich.

Der Kreis, der über das Konzept der Unterteilung in Kreissektoren, wie sie etwa als „Tortenstück“ geläufig ist, in enger Beziehung zum arithmetischen Prinzip der Bruchrechnung steht, ist der Vollwinkel. Er ist der kleinste Winkel, um den ein Strahl, um seinen Ursprung gedreht, wieder seine Ausgangsrichtung erreicht. Im Gradmaß wird der Vollwinkel in 360 gleich große Teile unterteilt. Ein solcher Teil wird als ein Grad bezeichnet und mit dem Einheitenzeichen ° gekennzeichnet. 1 Grad wiederum wird in 60 Bogenminuten unterteilt und mit dem Zeichen ‘ deklariert. 1 Bogenminute wird in 60 Bogensekunden unterteilt und hat die Kennung  “.

1 Vollwinkel = 360° / 1° = 60‘ / 1‘ = 60“    1 Vollwinkel = 21.600‘ oder 1.296.000“

Im Winkelmaß Zeit wird ein Vollwinkel in 24 Stunden unterteilt. Es wird in der Astronomie zur Angabe des Stundenwinkels und der Rektaszension verwendet:

1 Vollwinkel = 24h  / 1h  = 60m ~ 15° / 1m = 60s ~ 0,25°

Ein anderes Messprinzip der Winkelweite erfolgt über das Verhältnis von Höhenunterschied zu Länge im Sinne eines Steigungswinkels, die Berechnung erfolgt über den Tangens des Winkels. So wurden zum Beispiel die Höhen früh- und vorzeitlicher Bauten festgelegt und so werden heute noch Straßensteigungen berechnet und angegeben.

~0,57° → 1 % 1° → ~1,75 % 15° → 26,79… % 45° → 100 % 90° → ꝏ

An Stelle eines ebenen Winkels kann man natürlich generell dieses Längenverhältnis zweier senkrecht zueinander stehender Strecken angeben. Dies entspricht dann immer dem Tangens des Winkels im zugrundeliegenden rechtwinkligen Dreieck. In der Luftfahrt gibt man so die Gleitzahl eines Flugzeuges an.

Für Mathematiker gibt es noch viele weitere Anwendungsbeispiele, die allesamt beweisen, wie wichtig das Winkelmaß früher war und heute immer noch ist.

2 Das Sternbild

Norma     Genitiv: Normae   Abk.: Nor     dt.: Winkelmaß

Der heute noch fälschlicherweise kursierende Begriff „Lineal“ für dieses Sternbild steht im  Zusammenhang  mit der ursprünglichen Benennung durch de La Caille als „Norma et Regula“ dem „Winkelmaß und Lineal“. Lacaille, der für die Bezeichnungen „seiner“ Sternbilder häufig technische Geräte verwandte, formte es aus Sternen, die zuvor zum Wolf und zum Altar gehörten. Es soll einen Winkelmesser und ein Lineal darstellen, die von Seefahrern zur Positionsbestimmung genutzt wurden. Letzteres ist wegen seiner verhältnismäßigen Bedeutungslosigkeit sehr schnell wieder aus den Atlanten verschwunden und ist, analog der Gans beim Füchschen, von der IAU 1930 nicht mehr als gültiger Sternbildteil berücksichtigt und anerkannt worden. Mit der gleichzeitigen Festlegung der heute gültigen Sternbildgrenzen durch IAU wurden mehrere Sterne dem Skorpion zugeschlagen. Das Winkelmaß hat auch keine Sterne mit der Bezeichnung Alpha oder Beta mehr. Die ehemaligen Sterne Alpha Normae  und Beta Normae gehört heute zum Skorpion und tragen dort die Bezeichnung N und H Scorpii.

Das Winkelmaß ist ein relativ unscheinbares Sternbild südlich des markanten Skorpions. Keiner seiner Sterne ist heller als die 4. Größenklasse. Durch dieses Sternbild zieht sich das Band der Milchstraße und es enthält aus diesem Grund eine Vielzahl von nebligen Objekten, offenen Sternhaufen und Kugelsternhaufen. In Richtung des Winkelmaßes, fast verborgen durch unsere Milchstraße, befindet sich der so genannte Norma-Galaxienhaufen (Abell 3627). Hierbei handelt es sich um eine riesige Ansammlung von Galaxien in einer Entfernung von etwa 200 Millionen Lichtjahren. In ihm liegt das Zentrum des so genannten Großen Attraktors, auf den sich „unser“ Galaxienhaufen, der Virgo-Haufen, zubewegt.

Das Winkelmaß liegt so weit südlich, dass es von Mitteleuropa aus nicht beobachtet werden kann. Seine Fläche mit 165 Quadratgrad Inhalt erstreckt sich in RA von 15h12m14s bis 16h36m08s und in Dec von -60°26´08“ bis auf -42°16´03“. Somit ist es erst ab dem 30sten Breitengrad vollständig sichtbar. Seine Nachbarn sind Scorpion, Lupus, Circinus, Triangulum Australe und Ara. Die Hilfslinien werden in den heutigen Sternatlanten sehr unterschiedlich gezogen. Die gebräuchlichste Art ist in der Sternkarte dargestellt. Etwas genauer wären zwei Linien ε – γ 2 und γ 1 – η .

Bild 05: Das Sternbild Norma – Winkelmaß 

2.1 Die Sterne

γ1 und γ2 Nor erscheinen dem bloßen Auge als Doppelstern. Tatsächlich handelt es sich um Sterne, die nicht durch die Schwerkraft aneinander gebunden sind, sondern von der Erde aus gesehen fast in einer Richtung liegen. γ1 steht 2m49,5s östlicher und 4´14,6“ nördlicher von γ2.

Sie markieren den südlichen Eckpunkt des fast rechten Winkels vom Sternenrhombus.

γ2 Nor ist ein 4m01 gelb leuchtender Riesenstern, der sich bei 2,16-facher Sonnenmasse auf deren 10-fachen Durchmesser aufgebläht hat. Er gehört der Spektralklasse G8III an mit einer Temperatur an der Photosphäre von 4700K. Er wandert  auf dem horizontalen Zweig und hat sein Heliumbrennen bereits begonnen. Dieser Stern befindet sich auf der Position α 16h19m50,4s / δ -50°09´19,8“  in etwa 450 Lichtjahren Entfernung von der Sonne und bewegt sich mit einer Radialgeschwindigkeit von -29 km/s auf uns zu. Gamma2 Normae ist ein enger Doppelstern mit einem 10m0 Begleiter.

γ1 Nor ist ein 4m97 heller und 1500 Lichtjahre entfernter blauer Überriese der Spektralklasse F91a mit einer Photosphärentemperatur von 6000 K, der bei 6,6-facher Sonnenmasse ihren 160-fachen Durchmesser angenommen hat. Seine derzeitige Position ist α 16h17m0,9s / δ -50°04´05,2“ , von der er sich mit einer Radialgeschwindigkeit von -16,0 km/s auf die Sonne zubewegt. Sein Alter wird auf rund 55 Millionen Jahre geschätzt.

Der Meteorstrom der Gamma-Normiden hat hier seinen Radianten.

δ Nor gehört einer sehr ungewöhnlich zusammengesetzten Spektralklasse an. In seinem 4m74 hellen bläulich-weißen Licht von einer 7700 K heißen Photosphäre befinden sich K-Linien eines A3-Sterns, Wasserstofflinien eines A7-Typen und Metalllinien eines F0-Sterns. Dies führt zu der Typisierung kA3hA7mF0III. Dieser rund 70 Millionen Jahre alter Riesenstern befindet sich auf der Position α 16h06m29,4s / δ -45°10´23,5“, von der aus er sich mit einer Radialgeschwindigkeit von -15,5km/s auf die Sonne zubewegt. Noch ist er 125 Lichtjahre weit weg. Wegen Änderungen in seiner Radialgeschwindigkeit wurde ein Begleiter gefunden, der Delta Normae zum astrometrischen Doppelstern macht. Im Sternbild markiert er die nördliche Rhombusecke.

ε Nor ist ein echtes Doppelsternsystem in 400 Lichtjahren Entfernung. Die beiden sichtbaren, 4m54 und 6m68 hellen Komponenten können aufgrund ihres weiten Abstandes von 22,8 Bogensekunden bereits mit einem kleinen Teleskop beobachtet werden. Der hellere Partner gehört der Spektralklasse B4V mit einer Oberflächentemperatur von rund 17.000 K an. Der lichtschwächere Stern besitzt wiederum einen Begleiter, dessen Abstand so gering ist, dass er nur spektroskopisch nachgewiesen werden kann. Epsilon Normae markiert die westliche Ecke des Sternenvierecks.

η Nor markiert mit 4m02 die östliche Ecke des Sternenrhombus auf der Position α 16h03m12,9s / δ -49°13´46,9“. Sein gelbes Licht kommt von der 5000 K heißen Sternoberfläche eines G8III-Riesen, der sich aufgebläht und dabei entsprechend abgekühlt hat, und braucht bis zu uns 220 Jahre.

ι Nor ist ein 140 Lichtjahre entfernter enger Doppelstern, dessen 5m6 und 5m8 helle Komponenten einander im Abstand von 0,5“ in 26,9 Jahren umkreisen. In einem Winkelabstand von 11 Bogensekunden wird im Teleskop ein dritter, nur 11m0 lichtschwacher Stern sichtbar. Dieser ist jedoch nur 55 Lichtjahre entfernt und gehört physikalisch nicht zu dem System.

μ Nor ist ein extrem leuchtkräftiger blauer Überriese der Spektralklasse O9Iab in 4660 Lichtjahren Entfernung. Seine Helligkeit variiert zwischen 4,87 und 4,98m. Es handelt sich um einen veränderlichen Stern vom Typ Alpha Cygni.

R und T Nor sind veränderliche Sterne vom Typ Mira, deren Helligkeit sich über längere Zeiträume stark ändert. R Nor ändert seine Helligkeit von 6m5 nach 13m9 in 507,5 Tagen und T Nor hat eine Periode von 242,6 Tagen.

S Nor ist ein pulsationsveränderlicher Stern vom Typ der Cepheiden, dessen Licht zwischen 6m12 und 6m77 mit einer Periode von 9,754 Tagen schwankt. Er liegt inmitten des offenen Sternhaufens NGC 6087.

2.2 Deep Sky Objekte

Menzel 3, (Mz3) der Ameisennebel, ist ein junger 13m8 heller planetarischer Nebel. Der Name Ameisennebel kommt von seinem Aussehen, da er dem Thorax einer Ameise ähnelt. Er  breitet sich strahlenförmig mit einer Geschwindigkeit von ca. 50 km/s aus. Er zeigt keine Spur von molekularen Wasserstoff-Ausstößen. Der Ameisennebel wurde 1922 von Donald Howard Menzel auf Fotografien des Bruce-24-Inch-Teleskops an der Außenstation des Harvard College Observatory in Arequipa in Peru entdeckt. Er steht auf der Position RA 16h17m13,4s / Dec -51°59´10,3“. Er hat eine Winkelausdehnung von 0,83´x 0,2´ und ist noch 3000 Lichtjahre von uns entfernt. Er nähert sich uns mit einer Radialgeschwindigkeit von -21,2 km/s.

Bild 06: Der Ameisennebel Menzel 3

NGC 6134, auch Bennett76 genannt, ist ein schöner offener Sternhaufen, der sich scheinbar vor einer Dunkelwolke befindet. Hierdurch kommen seine 179 Haufensterne mit Einzelhelligkeit zwischen 13m und 15m trotz einer schwachen Konzentration zur Haufenmitte gut zur Geltung. Die Gesamthelligkeit ist mit 7m2 angegeben, seine Entfernung mit 913 pc und die Position mit RA 16h27m46s / Dec -49°09´06“.

Bild 07: NGC 6134 vor einer Dunkelwolke

NGC 6164 / NGC 6165 bezeichnen die beiden hellen Strahlungskeulen eines 6m7 mag hellen bipolaren Emissionsnebels im Sternbild Winkelmaß, der etwa 1236 Parsec entsprechend 4030 Lichtjahre von der Erde entfernt ist und seinerseits vor einem riesigen leuchtenden Gasnebel liegt. Er wurde am 1. Juli 1834 von John Herschel mit einem 18-Zoll-Spiegelteleskop entdeckt, der dabei „Neb violently suspected immediately preceding a double star“ notierte. Wir finden dieses Gebilde auf der Position RA 16h3352,3s / Dec -48°06´40“ mit einer Winkelausdehnung von 1,0´x 0,3´. Es wird vom Stern HD 148937 durch Ionisation zum Leuchten angeregt.

Bild 08: Gasnebel NGC 6164 (NASA 201603030)

NGC 5946 steht als schöner Kugelsternhaufen auf der Position RA 15h35m28,5s / Dec -50°39´34,8“ mit einer Gesamthelligkeit von 9m6 im östlichen Teil des Sternbildes Norma, etwa mittig und zur Sternbildgrenze zum Wolf.

Bild 09: Kugelsternhaufen NGC 5946

NGC 6067 ist ein offener Sternhaufen in 6000 Lichtjahren Entfernung auf der Position RA 16h13m12s / Dec -54°13´0“. Er enthält etwa 100 Sterne der 10. Größenklasse. Seine Gesamthelligkeit von 5m6 verteilt sich auf eine Winkelausdehnung von 13´x13´. Man findet ihn etwa 1° nördlich des Sterns κ Normae. Obwohl schon mit bloßem Auge am dunklen Himmel erkennbar, ist der Sternhaufen am besten mit dem Fernglas oder einem Teleskop zu beobachten. Bei 12-Zoll-Öffnung zeigen sich etwa 250 zum Haufen gehörende Sterne. Entdeckt von James Dunlop im Jahr 1826 wird NGC 6067 von John Herschel als „ein hervorragend reicher und großer Cluster“ und von Stephen James O’Meara als „einer der schönsten  offenen Sternhaufen am Himmel“ beschrieben. Seine hellsten Sterne haben eine scheinbare Helligkeit von etwa 8m und 84 Sterne sind heller als 12m. NGC 6067 befindet sich in der Norma-Sterne-Wolke im Norma-Arm der Milchstraße. Sein Alter wird mit rund 102 Millionen Jahre angegeben und er enthält 893 Sonnenmassen und  die beiden folgenden Cepheiden: QV340 Normae ist ein gelber Riese der Spektralklasse G0Ib, dessen Helligkeit zwischen 8m26 und 8m60 über 11,28 Tage variiert, während der schwächere ZV340 zwischen 8m71 und 9m03 mit einer Periode von 3,79 Tagen variiert.

Bild 10: Offener Sternhaufen NGC 6067

NGC 6087 ist mit 5m4 bei einer Winkelausdehnung von 12´x 12´ der hellste offene Sternhaufen im Winkelmaß. Er ist bereits mit bloßem Auge als nebliges Fleckchen zu erkennen. Er steht auf der Position RA 16h18m48s / Dec -57°56´0“  und enthält etwa 40 Sterne der 7. bis 11. Größenklasse. Der hellste Stern ist der Veränderliche S Normae. Der Sternhaufen ist 3500 Lichtjahre von uns entfernt.

Bild 11: Offener Sternhaufen NGC 6087

Norma-Galaxienhaufen (auch Abell 3627) ist ein großer Galaxienhaufen am Südhimmel an der Grenze des Sternbildes Winkelmaß (Norma) zum Sternbild Südliches Dreieck. Mit einer Entfernung von etwa 65 Mpc (210 Mio. Lichtjahre) ist er uns deutlich näher als der Coma-Haufen und daher der nächste bekannte reiche Galaxienhaufen. Seine mittlere Radialgeschwindigkeit beträgt 4870 km/s und korrespondiert mit einer Rotverschiebung von z=0,016. Die Galaxien sind aufgrund ihrer Entfernung von 200 Millionen Lichtjahren sehr lichtschwach. Um sie zu beobachten benötigt man schon ein größeres Teleskop. Obwohl der Galaxienhaufen gleichzeitig nahe und hell ist, kann er jedoch nur schwer beobachtet werden, da er in Richtung der Kante unseres Milchstraßensystems liegt, so dass er durch interstellaren Staub teilweise verdeckt wird und die Beobachtung durch die große Dichte an Vordergrundsternen zusätzlich erschwert wird. Er entzog sich daher lange Zeit größerer Aufmerksamkeit seitens der Astronomen. Das änderte sich, als eine Forschergruppe um Donald Lynden-Bell, die als „die sieben Samurai“ bekannt wurde, die Existenz eines Großen Attraktors postulierte, der die Bewegung aller Galaxien in der kosmischen Nachbarschaft beeinflusst und sich hinter der so genannten „Vermeidungszone“ (engl. zone of avoidance) in Richtung des Sternbildes Winkelmaß befinden müsste. Seit 1996 gilt der Norma-Galaxienhaufen als ein wesentlicher Bestandteil des Großen Attraktors und wird eingehend untersucht. Im Zentrum des Haufens befinden sich die beiden cD-Galaxien ESO137-6 (PGC 57612) und ESO 137-8 (PGC 57649).

Bild 12: Zentrum von Abell 3627 mit den Riesengalaxien ESO 137-6 und ESO 137-8

Shapley 1 (Sp-1;  PK 329+02.1) wird auch Fine-Ring Nebula genannt. Es handelt sich um einen selten schönen, gleichförmigen 12m6 hellen Ringnebel mit einer Winkelausdehnung von 1,1´, was unter Berücksichtigung der Entfernung einem Durchmesser von einem Drittel Lichtjahr entspricht. Im Zentrum befindet sich ein Doppelsternsystem mit einer Umlaufdauer von 2,9 Tagen.

Shapley-1 steht auf der Position RA 15h51m42,7s / Dec -51°31´30,5“ in 1000 Lichtjahren Entfernung. Sein Zentralstern ist ein Zwerg mit einer Helligkeit von 14m0. Er wurde 1936 von Harlow Shapley entdeckt.

Bild 13: Planetarischer Nebel Shapley-1

Menzel-1, (Mz-1). Der bipolare Nebel wurde 1922 von Donald Howard Menzel auf Fotografien des Bruce-24-inch-Teleskops an der Außenstation des Harvard-College-Observatorium in Arequipa in Peru entdeckt. Trotz seiner vergleichsweisen hohen Helligkeit von 12m0 wurde er nur selten eingehender untersucht. Ein Modell erklärt seine Struktur anhand der Projektion einer dreidimensionalen Sanduhr-förmigen Hülle mit einer von der Taille zu den Polen abnehmenden Dichte. Seine Winkelausdehnung beträgt 76“ x 23“ auf der Position RA 15h34m17s / Dec -59°09´09“. Mit einer radialen Ausdehnungsgeschwindigkeit von 23 km/s wird sein Alter auf 4.500 bis 10.000 Jahre geschätzt. Man geht bei dem Zentralstern, einem weißen Zwerg, von 0,63 ±0,05 M aus. Die Entfernung zu uns beträgt 3400 Lichtjahre.

Bild 14: Der bipolare Nebel Menzel-1

Hen 2-161 (PK331-02.2) ist ein weiterer bipolarer Nebel. Er befindet sich auf der Position RA 16h24m37,7s / Dec -53°22´34,1“ und wurde erst 1967 von Karl Gordon Henize entdeckt.

Bild 15: Der bipolare Nebel Henize 2-161

2.3 Sonstiges

Literaturhinweise:

  • Taschenatlas der Sternbilder                  Klepesta, I. / Rükl, A.
  • Karte Südlicher Sternenhimmel            div. Autoren
  • Lexikon der Symbole                                    Becker,U.

Quellenangaben der Abbildungen:

  • Bild 01:   Phoenixmasony Datei:masonic framing square 6.jpg
  • Bild 02:   Creativcommons.org/licenses/by-sa/3.0/   Approved for Free Cultural Works
  • Bild 03:   Vorstellung der Gestirne J.E.Bode Tafel XXIX: Die südlichen Gestirne nach de Lacaille
  • Bild 04:   Ausschnittvergößerung aus Bild 03
  • Bild 05:   https://www.iau.org/static/public/constellations//gif/NOR.gif
  • Bild 06:   from Wikimedia Commons, the free media repository
  • Bild 07:   www.wikiwand.com upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/Thumb/5/NASA/ESA HubbleSpaceTelescope STScl-PR C 2001-5
  • Bild 08:   Astrosurf.com Antilhue ngc 6134.htm
  • Bild 09:   Ausschnittvergrößerung aus https://www.starobserver.org/Image/1603/NGC6188
  • Bild 10: Attribution-ShareAlike 3.0 unported (CC BY-SA3.0) Approved for Free Cultural Works
  • Bild 11: Wikipedia org. R. Mura Attribution-ShareAlike 3.0 (CC BY-SA3.0) Approved for Free Cultural Works
  • Bild 12: ESO- http://www.eso.org/public/Images/eso9954c/ Attribution 4.0 International (CCBY 4.0)   Approved for Free Cultural Works
  • Bild 13: ESO – http://www.eso.org/public/images/potw1131a/  NTT La Silla Obs. Chile
  • Bild 14: Ausschnitt Format 13×18 aus CC –Lizenz „Namensnennung 4.0 International“ ESO Fabian RRRR File Menzel 1- EFOS 2003-02-04T 08 59  53.985.png
  • Bild 15: Ausschnitt Format 13×18 aus Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0) Judy Schmidt Flickr Hen 2-161  Approved for Free Cultural Works

               

Die Serie der Sternbildbeschreibungen wird fortgesetzt.

Das Sternbild Musca – Fliege

Herkunft – Mythologie – Beobachtungshinweise

zusammengestellt von E.-Günter Bröckels

1 Der Name

„Fliegen sind doch recht nervige Viecher, die nicht nur den meisten Menschen sondern auch so manchem Tier echt auf den Keks gehen. Und so´n Biest ist als Sternbild am Himmel?“ Wie oft habe ich diesen Satz oder ähnliche Äußerungen gehört, wenn ich das Sternbild Musca mit seinem deutschen Namen – Fliege – bei einem meiner Vorträge an der Sternwarte zu Lübeck erwähnte. Die uns bekannte Stubenfliege (Musca domestica) ist eine Art aus der Gattung Musca, die wiederum zur Familie der Echten Fliegen (Muscidae) gehört.

Bild 01: Hausfliege – Musca domestica

Es gab eine Zeit, da existierten zwei Sternkonstellationen mit dem Namen Fliege.

Die nördliche Fliege, lateinisch musca borealis, war kein Sternbild des Nordhimmels sondern  eine kleine Sterngruppe im östlichen Teil des offiziellen Sternbildes Widder angrenzend an die Sternbilder Dreieck und Perseus, ähnlich in der Art, wie die Plejaden dem Sternbild Stier angehören. Hauptstern war der Stern 41 Arietis mit dem Eigennamen Bharani. Jacob Bartsch, Schwiegersohn von Johannes Kepler, benannte 1624 diese Sternengruppe aber  in Vespa (Vespa) = Wespe um, weil Johann Bayer 1603 auch eine Biene (Biene) = Apis am Südhimmel eingeführt hatte, die heutige Fliege. Wie aus der Wespe eine nördliche Fliege wurde, ist nicht näher beschrieben. Sie erscheint jedenfalls 1687 bei Johannes Hevelius in dessen Atlas. Der Franzose Ignace-Gaston Pardies bildete aus denselben Sternen im Jahr 1674 das Sternbild Lilium, die französische Lilie, welches sich aber nicht behaupten konnte. Nach den 1782 erschienenen Atlanten von Johann Elert Bodes tritt die nördliche Fliege aber nicht mehr in Erscheinung.

Bild 02: Nördliche Fliege – Ausschnitt aus J. E. Bodes Sternatlas
Bild 03: Südliche Biene – Ausschnitt aus Bodes Uranographia

Die südliche Fliege existiert erst seit 1598, damals noch unter der Bezeichnung „de Bij“. 1595 bis 1597 vermaßen der niederländische Navigator Pieter Dierkzoon Keyser und der Kartograph Frederick de Houtman auf ihrer Fahrt zu den Gewürzinseln, heute Indonesien, im Auftrag von Peter Plantius den südlichen Sternenhimmel, damit dieser genauere Daten für seine Sternkarten erhalte. Dabei führten die Beiden 12 neue Sternbilder ein, darunter das Sternbild Apis = Biene.

1598 erscheint das Sternbild somit als Biene auf Sternkarten von Petrus Plancius, das 1600 von Jodocus Hondius auf einem von ihm veröffentlichten Himmelsglobus übernommen wurde. 1602/03 erschien die Biene auch auf Globen von Willem Janszoon Blaeu. Im Jahr 1629 gelang es diesem, zahlreiche Druckplatten aus dem Nachlass von Jodocus Hondius zu erwerben. Diese dienten ihm zur Herausgabe eines eigenen Atlas‘. Von den anfänglich 60 Karten stammten 37 aus dem Hondius-Nachlass. Auf allen Druckplatten ließ er den Namen Hondius durch den Namen Blaeu ersetzen.

1603 übernimmt Johann Bayer das südliche Sternbild Apis in seine Uranometria. Hier deutet er die Biene in religiösem Kontext als ein Insekt, das in der Geschichte von Samson erwähnt wird. Als Samson zum Jüngling herangewachsen war, verließ er die heimatlichen Berge und besuchte die Städte der Philister. Dort verliebte sich Samson in die Tochter eines Philisters aus Timna. Er überwand die Einwände seiner Eltern und durfte die Frau heiraten. Auf dem Weg zur Brautwerbung nach Timna entfernt sich Samson von der Begleitung seiner Eltern. Er begegnet einem Löwen: „Da kam der Geist des Herrn über Simson, und Simson zerriss den Löwen mit bloßen Händen, als würde er ein Böckchen zerreißen“.  Er findet im Kadaver einen Bienenstock; er nimmt vom Honig und teilt ihn mit seinen Eltern, ohne dessen Herkunft zu verraten.

Johann Bayer bediente sich zur Erstellung seiner astronomischen Veröffentlichungen mehrerer Quellen. Die älteste war der Almagest von Ptolemäus. Daneben besaß er Aufzeichnungen des dänischen Astronomen Tycho Brahe, der über Jahre hinweg genaue Sternpositionen am Nordhimmel bestimmt hatte. Brahes Sternkatalog wurde erst 1602 in Druckform herausgegeben, jedoch waren zuvor handschriftliche Exemplare in Umlauf, von denen Bayer offensichtlich eines besaß. Daneben führte Bayer eigene Beobachtungen durch. Für den südlichen Sternhimmel bediente er sich der Aufzeichnungen des niederländischen Navigators Pieter Dirkszoon Keyser und von Pedro de Medina.

1752 benannte Nicolas Louis de Lacaille auf seiner 1756 veröffentlichten Planisphere des Étoiles Australes das Sternbild in La Mouche um, latinisiert Musca auf dem Coelum Australe Stelliferum, welcher erst postum 1763 veröffentlicht wurde. Später heißt sie auch Musca Australis in Abgrenzung zur Musca Borealis im Widder nach Johannes Hevelius, die, wie oben beschrieben, auf Keysers und de Houtmans Biene zurückgeht.

Als die nördliche Fliege aus den Atlanten verschwand, wurde aus der südlichen Fliege (Musca Australis) schlicht Fliege = Musca.

2 Das Sternbild

Musca     Genitiv: Muscae     Abk.: Mus     dt.: Fliege

Die Fliege ist ein kleines, aber gut erkennbares Sternbild direkt südlich des Kreuzes des Südens. Sie enthält einen auffälligen Stern 2. Größe und ein kompaktes Trapez aus nur wenig schwächeren Sternen. Durch das Sternbild zieht sich das Band der Milchstraße. Auffällig ist eine ausgedehnte Dunkelwolke, der Kohlensack, dessen südlicher Teil in die Fliege hineinragt. Im Prismenfernglas bietet die Himmelsregion um die Fliege einen prächtigen Anblick. Um diesen zu genießen, muss man sich aber bis zum 14ten Breitengrad nach Süden begeben. Erst von da ab ist es vollständig sichtbar; es kulminiert um den 31. März um Mitternacht. Seine Fläche von 138 Quadratgrad erstreckt sich in RA von 11h19m26s bis nach 13h51m08s und in Dec von -75°41´46“ bis auf -64°38´17“ hoch. Seine Nachbarn sind von Nord im Uhrzeigersinn Kreuz des Südens, Centaur, Schiffkiel, Chamäleon, Paradiesvogel und Zirkel. Das kleine Sternbild beherbergt mehrere helle Sterne, jedoch ohne Eigennamen, und mehrere interessante Objekte.

Bild 04: Sternfeld Fliege, Kreuz des Südens, Schiffskiel © T. Credner & S. Kohle, AlltheSky.com

2.1 Die Sterne

α Mus ist mit 2m69 der hellste Stern. Er gehört der Spektralklasse B2IV-V an und sein bläuliches Licht kommt von einer rund 23.000 K heißen Photosphäre aus der Position α 12h37m08s / δ -69°08´7,9“ und über eine Distanz von 306 Lichtjahren zu uns. α Muscae ist ein blauer Überriese mit der 20.000fachen Leuchtkraft unserer Sonne und pulsiert leicht, wobei sich seine Helligkeit über einen Zeitraum von nur 2 Stunden und 12 Minuten um etwa 1 % verändert. Er gehört zum Typ der Cepheiden.  In einem Abstand von 2600 AU befindet sich ein 12m8 lichtschwacher Begleitstern in einem Winkelabstand von 29,6“, der ihn in 45.000 Jahren einmal umkreist.

β Mus hat eine Gesamthelligkeit von 3m04 und sein bläuliches Licht verrät uns einen B2V-Spektraltypen mit 24.000 K Oberflächentemperatur. Es erreicht uns erst nach 311 Jahren Reisezeit bei einer Ausgangsposition von α 12h46m16,9s / δ -68°06´29,1“. β Muscae ist auch ein Doppelsternsystem. Die beiden Komponenten, 3m7und4m0 hell,  gehören den Spektralklassen B2 und B3 an. Um das System in Einzelsterne aufzulösen, benötigt man ein mittleres Teleskop, da der Winkelabstand nur 1,4“ beträgt.

γ Mus ist mit 3m84 erst fünfthellster Fliegenstern, aber auch er ist ein bläulich leuchtender B5V-Spektraltyp mit rund 20.000 K Oberflächentemperatur. Seine Position ist α 12h32m28,1s / δ -72°07´58,7“. Von dort braucht das Licht 324 Jahre bis zu uns.

δ Mus gehört zur Spektralklasse K2III mit einer Oberflächentemperatur von rund 4500 K und leuchtet in orange 3m61 hell über eine Entfernung von 91 Lichtjahren von der Position α 13h02m15,8s / δ -71°32´55,7“.

ε Mus steht auf der Position α 12h17m34.6s / δ -67°57´38,4“ und leuchtet variabel als halbregelmäßig Veränderlicher mit einer Periode von 40 Tagen zwischen 4m0 und 4m3 als M5III-Stern in orangerot von der rund 3000 K heißen Sternoberfläche eines Riesensterns über eine Entfernung von 302 Lichtjahren.

μ und λ Mus bilden einen weiten optischen Doppelstern im Nordosten des Sternbildes Fliege. My ist mit 4m75 der lichtschwächere, zur Spektralklasse K4III gehörende Stern in 432 Lichtjahren Entfernung, während Lambda mit 3m6 nicht nur deutlich heller, sonders als A7III-Typ mit 8500 K auch wesentlich heißer ist und mit 128 Lichtjahren auch einen deutlich geringeren Abstand zu uns hat. Stellt man ihre mittlere Position von α 11h46m54,9s / δ -66°45´19,2“ im Teleskop ein, kann man den schönen orangerot / weißen Farbkontrast beider Sterne genießen.

η Mus befindet sich auf der Position α 13h15m15s / δ -67°53´40,4“, leuchtet bläulich mit 4m8 von der 14.000 K heißen Photosphäre eines B8V-Sterns aus 406 Lichtjahren Entfernung.

Nova Muscae 1991 (GU Muscae, GRS 1124-683) 1991 flammte im östlichen Teil des Sternbildes nahe der Grenze zum Chamäleon eine Nova auf. (Es folgt: Zitat aus https://interstellarium.com/de/astronomie/sternbilder/fliege/)

Nova Muscae 1991 ist ein binäres System, das einen Schwarzlochkandidaten enthält. Es ist eines der wenigen Schwarzlochsysteme, die als Röntgen-Novae klassifiziert sind, die gelegentlich Ausbrüche von Röntgenstrahlen zusammen mit sichtbarem Licht und anderen Energieformen erzeugen. Die beiden Sterne umkreisen sich mit einem Zeitraum von 10,4 Stunden und liegen etwa 3,2 Millionen Kilometer auseinander. In einem System wie diesem zieht das schwarze Loch Gas von der Oberfläche des Begleitsterns, und das Gas bildet eine Akkretionsscheibe um das schwarze Loch. Im Falle einer Röntgen-Nova ist der Gasstrom recht langsam und dünn, und die Scheibe um das Schwarze Loch bleibt relativ kühl. Ein Teil des Gases fällt auch in das schwarze Loch. Das Schwarze Loch in Nova Muscae 1991 hat die siebenfache Sonnenmasse, während der Begleitstern drei Viertel der Sonnenmasse und ein Drittel der Sonnenhelligkeit hat. Die äußeren Schichten des Sterns wurden wahrscheinlich durch die Supernova-Explosion, die das Schwarze Loch verursachte, weggeblasen. (Zitatende)

2.2 Deep Sky Objekte

Der Kohlensack ist eine ausgedehnte Dunkelwolke in 600 Lichtjahren Entfernung. Er gehört aber überwiegend zum Sternbild Crux und ragt nur mit einem kleinen südlichen Teil in das Sternbild Fliege. Da der Kohlensack aber sehr markant ist, eignet er sich, ebenso wie das Kreuz des Südens, sehr gut zum Auffinden der Fliege. Seine mittlere Position ist RA 12h50m / Dec -62°30´. Es handelt sich hier um zwei sich überlagernde Dunkelwolken, deren vordere, wie oben bereits erwähnt, eine Entfernung von 600 Lichtjahren zu uns aufweist, während die hintere noch einmal 140 Lichtjahre tiefer im Raum steht. Die Gesamtwinkelausdehnung beträgt 7° x 5°, was etwa 70 x 50 Lichtjahren entspricht.

Bild 05: Der Kohlensack in Crux und Musca © T. Credner & S. Kohle, AlltheSky.com

NGC 4833 ist ein 7m4 heller Kugelsternhaufen in 19.000 Lichtjahren Entfernung. In einem mittleren Teleskop kann der Randbereich in Einzelsterne aufgelöst werden. Er befindet sich auf der Position RA 12h59m35s / Dec -70°52´28,6“ und hat eine Winkelausdehnung von 13,5 Bogenminuten und die Konzentrationsklasse VIII (Klassifizierungs-system nach Shapley-Sawyer für Kugelsternhaufen). Er wurde von Nicolas Louis de Lacaille am 17. März 1752 während seines Aufenthaltes in Kapstadt entdeckt. Zum Auffinden eignet sich der sehr nahe stehende helle Stern Delta Muscae.

Bild 06: Kugelsternhaufen NGC 4833

NGC 5189, ein 9m7 heller Planetarischer Nebel, ist die abgestoßene Gashülle eines Sterns in einer Entfernung von 2.600 Lichtjahren auf der Position RA 13h33m32,9s / Dec -65°58´26,6“. Der helle Teil des Nebels besitzt eine ungewöhnliche längliche, S-förmige Struktur, die bereits in einem kleinen Teleskop erkennbar ist. Der gesamte Nebel weist eine Winkelausdehnung  von 2,33´x 2,33´ auf. Der Zentralstern ist nur 20m0 lichtschwach und hat die Katalogbezeichnung HD117622. Dieses Leuchten erreicht uns nach 3.000 Jahren und wurde am 1. Juli 1826 von James Dunlop entdeckt.

Bild 07: Planetarischer Nebel NGC 5189

IC 4191 ist ein weiterer planetarischer Nebel im Sternbild Fliege, der im Jahr 1907 von der Astronomin Williamina Fleming entdeckt wurde. Seine heutigen Koordinaten sind: RA 13h8m47,5s / Dec -67°38´35“. Auch hier weist die Struktur der auseinander driftenden Gaswolken eine ungewöhnlich längliche Form auf. Um den Zentralstern befindet sich eine helle, noch dichte und dadurch scheinbar erst vor astronomisch kurzer Zeit abgestoßene Hülle.

NGC 4372 zählt mit 8m0 zu den hellen Kugelsternhaufen und liegt an der „Musca Dark Cloud“, auf Deutsch: Musca-Dunkelwolke. NGC 4372 gehört der inneren galaktischen Scheibe an. Nach Harris (2003) ist er 23.000 Lj vom galaktischen Zentrum entfernt und 19.500 Lj vom Sonnensystem. Seine Ausdehnung ist schwer abzuschätzen, weil die Fülle der Milchstraßensterne kaum die Außengrenze erahnen lässt. Kukarkin (1974) gibt 18,6′ an. Damit lässt sich ein echter Durchmesser um 100 Lj berechnen, was bei Kugelsternhaufen im Durchschnitt gut passt. NGC 4372 ist einzigartig, weil er (im Gegensatz zu den meisten anderen Kugelsternhaufen) nur eine Sternpopulation enthält, die dazu noch sehr metallarm ist. In seiner Nähe befindet sich der helle Stern Gamma Muscae.

Bild 08: Kugelsternhaufen NGC 4372 und Staubschleier der Musca-Dunkelwolke 

2.3 Sonstiges

Bild 09: Das Sternbild Musca – Fliege

Literaturhinweise:

  • Internet Astronomie.de                                          Anette u. Holger Manz
  • Vorstellung der Gestirne/Himmelsatlas       Johann Ehlert Bode
  • Sternbilder von A – Z                                                Antonin Rükl
  • Die großen Sternbilder                                            Ian Ridpath
  • POLARIS z. B. Nr. 103, 114                                     E.-Günter Bröckels
  • Taschenatlas der Sternbilder                  Josef Klepesta/Antonin Rükl

Quellenangaben der Abbildungen:

  • Bild 01: https:www.flickr.com/photos/usdagov/8674435033/sizes/o/in/photostream/Wikimedia Commons, public domain
  • Bild 02: J. E. Bodes Sternatlas 1782 Vorstellung der Gestirne auf  XXXII Tafeln, Replik; Ausschnitt aus Tafel XIV  Sternbildgrenzen nachcoloriert
  • Bild 03: Ausschnitt aus J. E. Bodes Uranographia M DC XXXXVIII (1648) Bild Nr. 29 Nachdruck 1801 Berlin, Deutsches Museum München  urn.nbn.de:bvb:210-03-001560890-5
  • Bild 04: https://www.allthesky.com/constellations/crux/big.jpg; Cerro Tololo, S. Kohle, T. Credner Allthesky.com
  • Bild 05: https://www.allthesky.com/constellations/cru135-d.html
  • Bild 06: https://cdn.spacetelescpe.org/archives/images/screen/potw1651a.jpg; ESA/hubble and NASA
  • Bild 07: Wikimedia Commons  https://dewiki.de/b/11308e; NASA, ESA and the Hubble Heritage Team (STScl/AURA)
  • Bild 08: https://www.astronomie.de/aktuelles-und-neuigkeiten/astrofoto-der-woche/kurzübersicht-archiv/detailseite/28-woche-deep-sky-im-Sternbil-musca/Anette und Holger Manz
  • Bild 09: Ausschnittvergrößerung aus Sternbilder von A-Z, Seite 153  ISBN 3-7684-2859-1

Die Serie der Sternbildbeschreibungen wird fortgesetzt.

Einweihung und Start des Beobachtungsbetriebs

aktualisiert am 07.10.2021

Um mehr als ein Jahr mussten wir den Eröffnungstermin der neuen Sternwarte verschieben, doch nun ist es endlich soweit:

Am Freitag, den 5. November 2021, wird die neue Sternwarte Lübeck in einer nicht-öffentlichen Veranstaltung mit geladenen Gästen feierlich eingeweiht.

Wir hätten uns einen anderen Rahmen mit einem großen Fest für alle interessierten Sternenfreunde aus Lübeck und Umgebung gewünscht, doch die Corona-Pandemie läßt dies immer noch nicht zu. Auch unsere beliebten Kinder- und Erwachsenenvorträge werden 2021 leider noch nicht stattfinden.

Doch alle Sternfreunde und Astronomiebegeisterte in und um Lübeck herum müssen nicht länger auf einen Blick durch unsere Teleskope warten, denn ab Freitag, den 22. Oktober 2021, werden wir wieder öffentliche Beobachtungen anbieten!

Die öffentlichen Beobachtungsabende werden ab dem 22. Oktober 2021 immer freitags um 20:00 Uhr starten. Voraussetzung ist klares Wetter – bei bedecktem Himmel oder Niederschlag, findet keine Beobachtung statt.

Wir werden dazu unsere mobilen Teleskope ebenerdig neben der Sternwarte aufbauen sowie unsere Beobachtungskuppel für Gruppen von 4 Personen öffnen. Eine größere Besucheranzahl ist zur Zeit unter Einhaltung der Abstandsregeln nicht möglich. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass es dadurch zu langen Wartezeiten an der Kuppel kommen kann.

Bitte beachten

Der Zugang zum Beobachtungsturm ist eine Gitterrost-Treppe. Für das letzte Stück muss eine steile Leiter bewältigt werden. Tragen Sie zu Ihrer Sicherheit bitte festes Schuhwerk ohne schmale Absätze, wenn Sie die Beobachtungskuppel betreten wollen. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität stehen zur Himmelsbeobachtung diverse Teleskope ebenerdig neben der Sternwarte bereit.

Corona-Regeln

Für das Betreten unserer Räume gilt die 3G-Regel, und wir sind verpflichtet die Kontaktdaten unserer Gäste zu erheben. In der Kuppel ist außerdem das Tragen einer medizinischen Maske Pflicht. Falls sich die gesetzlichen Vorgaben ändern, werden wir entsprechend reagieren.

Das Sternbild Indus – Ind(ian)er

Herkunft – Mythologie – Beobachtungshinweise

zusammengestellt von E.-Günter Bröckels

1 Der Name

Das Sternbild Inder ist ein nur sehr mäßig ausgeprägtes Sternbild am südlichen Himmel. Als neuzeitliches Sternbild hat es keine klassische Mythologie. Nur zwei seiner Sterne sind heller als die 4. Größenklasse. Mit diesem Sternbild sollen keinesfalls die amerikanischen Indianer verstirnt werden sondern die Eingeborenen der indischen Gewürzinseln. Auf der ersten niederländischen Ostindienexpedition Ende des 16. Jahrhunderts durch den Indischen Ozean hatte der Navigator Pieter Dirkszoon Keyser von dem Kartografen Petrus Plancius den Auftrag, die Positionen der hellen Sterne des Südhimmels zu vermessen und legte dabei, unterstützt von dem Forscher Frederick de Houtman, einschließlich des Inders – „De Indiaen“ – insgesamt zwölf neue Sternbilder fest. Aus Sicht der Holländer auf dieser Forschungsreise waren die Bewohner der Gewürzinseln allesamt „Inder“. Somit hat Pieter Dirkszoon Keyser bei der Benennung des Sternbilds die Bewohner Indiens gemeint und nicht, wie schon erwähnt, die Ureinwohner des amerikanischen Kontinents. Mit letzteren hatte schon der Isländer Leif Erikson um 1000 unserer Zeit Kontakte. Als Christobal Colombo 1492 auf San Salvador und 7 Jahre später Amerigo Vespucci auf dem echten amerikanischen Kontinent landete, hatten sie Kontakte zu Menschen, die sie anfangs „Inder“ nannten. Nach unbestätigten Reiseberichten des Ferdinand Magellan brachte dieser erste Eingeborene aus Patagonien – Feuerland – mit nach Europa. Die Namengebung zu diesem Sternbild kam den Niederländern jedoch, wie oben erwähnt, auf ihren Ostindienreisen. Plancius übernahm sie 1597/1598 erstmals auf einen Himmelsglobus, der 1600 von dem Kartograf und Verleger Jodocus Hondius veröffentlicht wurde. Auf diesem glich die illustrierende Darstellung des „Indus“ dem Bild von einem eingeborenen Südasiaten. Johann Bayer übernahm die zwölf neuen Sternbilder in seinen 1603 erschienenen HimmelsatlasUranometria. Hier erscheint das Sternbild Indus als ein kurz gelockter Jüngling mit Lendentuch, der vier Pfeile in den Händen trägt. In dieser Weise wird es auch in späteren Himmelsatlanten und Sternkarten dargestellt wie in dem von Johannes Hevelius aus dem Jahr 1690. Hier ist der „Indus“ als ein Naturvolkangehöriger ohne Federschmuck dargestellt, mit einem Speer in der einen und drei weiteren in der anderen Hand. Die Federhaube eines amerikanischen Indianers tauchte erst auf Sternkarten und Himmelsgloben in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts auf. Im Französischen heißt das Sternbild „le Indien“, im Englischen „Indian“ und im Deutschen „Inder“. In jüngerer Zeit hat sich unter amerikanischem Einfluss die falsche Bezeichnung „Indianer“ eingeschlichen.

Bild 01: Indus auf Johann Gabriel Doppelmayrs Sternkarte des südlichen Himmels von 1730
Bild 02: Prodomus Astronomia Volume III Firmamentum Sobiescianum, sive Uranographia von Johann Hevelius 1690

2 Das Sternbild

Indus     Genitiv: Indi     Abk.: Ind     dt.: Inder

Das Sternbild Indus liegt zwischen den auffällig hellen Sternen Alpha Gruis Alnar und Alpha Pavonis Peacock. Sein Areal erstreckt sich in Rektaszension von 20h28m41s bis 23h27m59s und in Deklination von -74°27´16“ bis hinauf nach -44°57´32“ und belegt wegen mehrfacher Ein- und Ausbuchtungen 294 Quadratgrad am Himmel. Seine Nachbarn sind von Norden im Sinne des Sonnenlaufs die Sternbilder Mikroskop, Schütze, Teleskop, Pfau, Oktant, Tukan und Kranich. Wegen seiner noch sehr südlichen Nordgrenze ist dieses Sternbild von Mitteleuropa unsichtbar und erst ab dem 16ten Breitengrad vollständig sichtbar. Es kulminiert um den 13ten August zu Mitternacht. Die Hilfslinien zur figuralen Darstellung sind auf einigen modernen Sternkarten falsch eingezeichnet und befinden sich dort überwiegend außerhalb der „indischen“ Sternbildgrenzen.

Bild 03: Sternbild Indus mit falschen Hilfslinien
Bild 04: Sternbild Indus mit Nachbarsternbildern

2.1 Die Sterne

α Ind, der mit 3m11 hellste Stern im Inder, ist ein 120 Lichtjahre entfernter Stern der Spektralklasse K0 III-IV, der den Wasserstoff in seinem Kern erschöpft hat und sich von der Hauptreihe des HRD zum Riesenstern entwickelt hat. Sein Name Alnair ist arabischen Ursprungs und bedeutet „der Erleuchtete“. Diesen Namen trägt auch der Stern α Gruis im Sternbild Kranich. In China wird dieser Stern Pe Sze, „der zweite Stern von Persien“ genannt, eine dort von den Jesuiten-Missionaren eingeführte Bezeichnung. α Indi hat etwa die doppelte Masse der Sonne und ist geschätzt eine Milliarde Jahre alt. Er hat sich auf das 6-fache des Sonnendurchmessers ausgedehnt. Die effektive Temperatur der Photosphäre beträgt 4.900 K, was ihm den charakteristischen orangen Farbton verleiht. Er wird von zwei M-Typen begleitet, die mindestens 2.000 Astronomische Einheiten vom Hauptstern entfernt sind.

β Ind ist 3m67 hell und gehört als Riesenstern mit 4.400 K an der Photosphäre der Spektralklasse K1 III an. β Indi hat einen visuellen Companion mit der Bezeichnung CCDM J20548-5827B und einer scheinbaren Helligkeit von nur 12m5. Sein orange-rötliches Licht kommt von der Position α 20h54m48s / δ -58°27´15“ über eine Entfernung von 600 Lichtjahren zu uns.

γ Ind ist mit nur 6m1 mit dem bloßen Auge nicht mehr sichtbar.

δ Ind  ist ein Doppelsternsystem mit der Gesamthelligkeit von 4m4. Die Primärkomponente hat eine Helligkeit von 4m8, während die Komponente B eine solche von 5m96 hat. Das System auf der Position  α 21h57m55s /  δ -54°59´33“ stehend ist etwa 188 Lichtjahre von der Sonne entfernt. Die binäre Natur dieses Systems wurde vom südafrikanischen Astronomen William Stephen Finsen 1936 entdeckt. Das Paar hat eine Umlaufzeit von 12,2 Jahren, eine Halbachse von 0,176 Bogensekunden und eine Exzentrizität von etwa 0,03. Beide Komponenten wurden von mehreren Autoren mit einer Sternklassifikation von F0 IV aufgeführt, was darauf hindeutet, dass es sich um gelb-weiß gefärbte Unterriesen handelt.

ε Ind ist mit 11,82 Lichtjahren Entfernung einer der nächsten Nachbarn der Sonne. Bei einer scheinbaren Helligkeit von 4m69  ist der Stern noch freiäugig zu erkennen. Epsilon Indi A gehört zur Spektralklasse K4-5V mit einer Oberflächentemperatur von 4.450 K. Sein Alter wird auf 1,3 Milliarden Jahre geschätzt. Er ist nach Barnards Pfeilstern und Kapteyns Stern der Fixstern mit der drittgrößten Eigenbewegung. Sie beträgt 4,7 Bogensekunden pro Jahr – das entspricht etwa einem Monddurchmesser in 400 Jahren. In rund 1000 Jahren wird das Sternsystem ins benachbarte Sternbild Tukan hinüberwechseln. In den Jahren 2002 und 2003 wurde Epsilon Indi als Mehrfachsystem erkannt. Auf der Suche nach Planeten außerhalb unseres Sonnensystems fanden Astronomen zwei sich gegenseitig umkreisende Braune Zwerge im Abstand von 1200 AE zur Hauptkomponente. 2002 wurde der mit 23m6 etwas hellere Epsilon Indi B gefunden, der zur Spektralklasse T1V mit einer Oberflächentemperatur von 1200 K gehört und etwa 50 Jupitermassen aufweist. Ein Jahr später wurde der mit 31m3 leuchtschwächere Epsilon Indi C gefunden, der der Spektralklasse T6V angehört, eine Oberflächentemperatur von nur 850 K und etwa 30 Jupitermassen aufweist. Der Abstand der beiden Komponenten B und C beträgt etwa 2,1 AE; beide haben einen Durchmesser, der etwa dem des Planeten Jupiter entspricht. Dieses Mehrfachsystem befindet sich bei α 22h03m21,7s / δ -56°47´10“.

ζ Ind ist mit 4m9 auf der Position α 20h49m29s / δ -46°13´36,6“ der nördlichste mit bloßem Auge sichtbare Stern im Indus. Er gehört der Spektralklasse K5III an, ist 4.000 K heiß und sein Licht braucht bis zu uns 410 Jahre.

η Ind steht mittig auf einer Verbindungslinie von Alpha nach Beta auf der Position α 20h44m02,3s / δ -51°55´15,5“ und leuchtet dort weiß als Unterriese mit 4m2 von der 7.700 K heißen Oberfläche eines A9IV-Spektraltyps über eine Entfernung von 78,8 Lichtjahren.

θ Ind ist ein 100 Lichtjahre entferntes Doppelsternsystem. Die beiden 4m5 und 6m9 weiß leuchtenden Komponenten der Spektralklassen A5 und A7 können bei einem gegenseitigen Abstand von 6,7 Bogensekunden schon mit einem kleinen Teleskop getrennt werden.

2.2 Deep Sky Objekte

Im Inder befinden sich sehr viele Galaxien. Die meisten von ihnen sind jedoch nur den Großteleskopen zugänglich, weil sie einerseits sehr kleine Flächenhelligkeiten haben und mehrere 10 bis 100 Millionen Lichtjahre entfernt sind. Zu den helleren gehören NGC 7049, NGC 7090, NGC 7205 und IC 5152.

NGC 7049 ist die Bezeichnung einer SA(s)-Galaxie im Sternbild Indus. Sie wurde schon am 4. August 1826 von dem schottischen Astronomen James Dunlop entdeckt, aber erst später im New General Catalogue verzeichnet. NGC 7049 hat eine scheinbare visuelle Helligkeit von 10m6 und, bei einer Winkelausdehnung von 4,4′ × 2,9′, eine Flächenhelligkeit von 13m3. Sie ist jedoch aufgrund ihrer Position RA 21h19m0,3s und Dec −48° 33′ 43″ zu weit südlich, um von Mitteleuropa aus beobachtet werden zu können. Eine Aufnahme in eine Raumtiefe von 94 Millionen Lichtjahren mittels des Hubble-Weltraumteleskops zeigt ihr Aussehen im sichtbaren Licht, das einen ungewöhnlichen Staubring erkennen lässt.

Bild 05: NGC 7049  HST

NGC 7090 ist eine Balkenspiralgalaxie vom Hubble-Typ SBc im Indus. Sie hat eine scheinbare Helligkeit von 10m7 und, bei einer Winkelausdehnung von 7,8′ × 1,53′, eine Flächenhelligkeit von 12m9. Bei dem Objekt handelt es sich um eine sogenannte Edge-On-Galaxie, d. h. wir sehen sie genau in Kantenstellung auf der Position RA 21h36m24,3s / Dec -54°33´24,3“. Die Spiralarme erscheinen hier nur als dunkle staubhaltige Wolken, beleuchtet vom hellen Zentrum der Galaxie. Auf dem HST-Foto sind auch viele leuchtende Wasserstoffgebiete zu erkennen, in denen Sternengeburten stattfinden. Das Objekt wurde am 4. Oktober 1834 vom britischen Astronomen John Herschel entdeckt.

Bild 06: NGC 7090 vom HST

NGC 7205 ist eine Spiralgalaxie vom Hubbletyp SA(s)bcHII mit einem sehr kleinen, hellen Kern und ausgeprägten Staubstreifen zwischen den Spiralarmen. Sie liegt auf der Position RA 22h08m34,4s / Dec -57°26´33“ und somit auf der Grenze zum Sternbild Tukan. Ihre visuelle Helligkeit von 10m8 ergibt bei einer Winkelausdehnung von 3,55´x 1,95´ einen realen Durchmesser von 90.000 Lichtjahren und eine Flächenhelligkeit von 12m9. Ihre Photonen erreichen uns nach 80 Millionen Jahren. NGC 7205 wurde am 10. Juli 1834 von John Herschel entdeckt. Sie hat zwei Begleitgalaxien, die Spiralgalaxie NGC 7205 A und die scheinbar irreguläre Galaxie PGC 388132.

NGC 7205A steht auf der Position RA 22h07m31s / Dec -57°27´43,2“ und hat eine Gesamthelligkeit von 15m15.

PGC 388132 befindet sich auf der Position RA 22h08m28,9s / Dec -57°55´44“ und hat eine Winkelausdehnung von 0,76´ x 0,41´. Sie ist nur Großteleskopen und Photonenjägern zugänglich.

IC 5152 ist die Bezeichnung einer irregulären Galaxie im Sternbild Inder und wurde im Jahr 1908 von dem Astronomen DeLisle Stewart entdeckt. Ihre Position ist RA 22h03m00s / Dec -51°17´00“, sie steht  5,8 Millionen Lichtjahre tief im Raum und  gehört trotz dieser Entfernung zu den Galaxien, deren einzelne Sterne am leichtesten aufgelöst und beobachtet werden können. Es ist eine offene Frage, ob IC 5152 noch als entferntes Mitglied zur lokalen Gruppe gehört.

Bild 07: IC5152 Detailaufnahme vom HST

2.3 Sonstiges

Literaturhinweise:

  • Internet, Wikipedia                                                      div. Autoren
  • Der große Kosmos-Himmelführer                      I. Ridpath / W. Tirion
  • Internet Astronomie.de                                             G. Bendt
  • Wikimedia Commons                                                  div. Autoren
  • Taschenatlas der Sternbilder                                  J. Klepesta,  A. Rükl
  • Wikimedia.org                                                                 div. Autoren

Quellenangaben der Abbildungen:

  • Bild 01: Darstellung des Pavo und Indus auf Johann Gabriel Doppelmeyr’s Sternkarte des südlichen Himmels von 1730 – Reproduktion, gemeinfrei
  • Bild 02: Wikipedia Datei: Johannes Hevelius – „Firmamentum Sobiescianum sive Uranometria“ Tavola Emisfero Australe 1690, Replik, gemeinfrei
  • Bild 03: aus Wikimedia Commons, the free media repository  Creativ Commons Attribution Share Alike 3.0 T. Bronger  Free Software Foundation CCBYSA3.0
  • Bild 04: IAU Constellations
  • Bild 05: from Wikipedia, the free encyclopedia NGC 7049 – image from the HST´s Advanced Camera for Surveys
  • Bild 06: ESA/Hubble & NASA Acknowledgement R. Tugral,  gemeinfrei
  • Bild 07: Wikipedia, the free encyclopedia – IC 5152 by the Hubble Space Telescope

Die Serie der Sternbildbeschreibungen wird fortgesetzt.

Das Sternbild Triangulum Australe – Südliches Dreieck

Herkunft – Mythologie – Beobachtungshinweise

zusammengestellt von E.-Günter Bröckels

1 Der Name

Dieses Sternbild ist, wie sein Name schon andeutet, am südlichen Sternenhimmel zu Hause. Das Sternbild setzt sich aus drei hellen Sternen zusammen und ist daher auch auffälliger als sein nördliches Gegenstück, das Dreieck. Als Urheber des Sternbildes werden der niederländische Navigator Pieter Dirkszoon Keyser und sein Helfer Frederick de Houtman genannt, die 1595–97 im Auftrag von Petrus Plancius den südlichen Himmel vermaßen. Beschrieben wurde es bereits 1500 von einem spanischen Navigator genannt Mestre João. Auch der italienische Seefahrer und Entdecker Amerigo Vespucci erwähnt diese auffällige Sternenkonstellation im Bericht über seine zweite Reise von 1502. Schon 1589 findet sich das südliche Dreieck auf einem Himmelsglobus des Petrus Plancius. Tatsächlich steht es dort aber auf dem Kopf, weil er hierfür Berichte von Forschungsreisenden, namentlich Andreas Corsal und Pedro de Medina, verwendete aber keine genaueren Koordinaten hatte. Erst auf dem Planciusschen Globus von 1598, der die Vermessungen von Keyser und de Houtman umsetzt, stellt es sich richtig dar. Von Letzteren übernahm Johann Bayer das südliche Dreieck in seinen 1603 erschienenen Himmelsatlas Uranometria. Er wird aufgrund der maßgeblichen Bedeutung seines Werkes in älteren Schriften auch als Sternbildautor angegeben.

Zur Bedeutung des Dreiecks als geometrische oder mathematische Figur und als Symbol unterschiedlichster Genese siehe die Sternbildbeschreibung Triangulum – Dreieck in der POLARIS 29.

2 Das Sternbild

Triangulum Australe     Genitiv: Trianguli Australis     Abk.: TrA       dt.: südliches Dreieck

Von Mitteleuropa aus ist das Südliche Dreieck unsichtbar. Eine richtige, vollständige Beobachtung wird erst südlich des nördlichen Wendekreises, also südlich von 19° bis 90° Süd möglich. Auf der Erde sind die Wendekreise die beiden Breitenkreise von je 23° 26′ 05″ nördlicher bzw. südlicher Breite. Auf ihnen steht die Sonne am Mittag des Tages der jeweiligen Sonnenwende im Zenit. Die Wendekreise haben vom Äquator je einen Abstand von 2609 km. Das südliche Dreieck nimmt am Himmel eine Fläche von 110 Quadratgrad ein und erstreckt sich in RA von 14h56m01s bis 17h13m53s und in Dec von  −70°30′42″ bis −60°15′52“. Umgeben ist es von den Nachbarsternbildern Winkelmaß, Zirkel, Paradiesvogel und Altar. Durch das Südliche Dreieck zieht sich das Band der Milchstraße.

Bild 01: Karte des Sternbilds Südliches Dreieck

2.1 Die Sterne

α TrA, mit 1m91 der hellste Stern im Triangulum Australe, ist etwa 405 Lichtjahre entfernt. Es handelt sich um einen orange leuchtenden Stern der Spektralklasse K2IIb-IIIa, mit der neunfachen Masse und der 2.000fachen Leuchtkraft unserer Sonne. Der nicht historische Eigenname Atria ist ein Kürzel für  Alpha Trianguli Australe. Er markiert die südwestliche Ecke des Dreiecks auf der Position α 16h 48m 39,9s / δ -69°01´39,8“.

β TrA hat den Kunstnamen Betria, steht auf der Position α 15h50m50s / δ -63°17´0“ und markiert die nördliche Ecke des Dreiecks mit einer Helligkeit von 2m83. Dieser Stern gehört zur Spektralklasse F0 und ist 42 Lichtjahre von uns entfernt.

γ TrA steht an der östlichen Ecke des Dreiecks auf der Position α 15h14m10s / δ -68°30´0“ und leuchtet dort mit 2m87 als A1V-Spektraltyp über eine Entfernung von 183 Lichtjahren.

δ TrA leuchtet gelb mit 3m86 als 5.000 K heißer G5II-Stern auf der Position α 16h15m26,3s / δ -63°41´08“. Sein Licht braucht bis zu uns rund 620 Lichtjahre. δ TrA ist ein optischer Doppelstern. Die Hauptkomponente wird von einem nur 12m0 hellen Stern in 30“ Abstand begleitet.

ε TrA steht mittig auf einer Verbindungslinie von Beta nach Gamma. Die Koordinaten lauten: α 15h36m43,2s / δ -66°19´01,3“. Dort sehen wir einen 4.400 K heißen Riesenstern der Spektralklasse K0III, der sein 4m11 helles Licht über eine Entfernung von 202 Lichtjahren zu uns sendet. Mit einem Begleiter von 9m36 Helligkeit in 81,9“ Abstand bildet er einen optischen Doppelstern.

2.2 Deep-Sky-Objekte

NGC 5844 ist ein 13m2 planetarischer Nebel auf der Position α 50h10m40,7s / δ -64°40´25“ mit einer Winkelausdehnung von  1,22 Bogenminuten und einer Entfernung von 1372 pc. Dieses Objekt wurde am 2. Mai 1835 von John Herschel entdeckt.

ESO 99-4 ist eine mit 16m4 nur Großteleskopen zugängliche, peculiäre Galaxie.  Ihre sehr eigentümliche Form rührt wahrscheinlich von einem früheren Verschmelzungsprozess her, durch den sie über die visuelle Erscheinung hinaus verformt wurde, wobei der Hauptkörper durch dunkle Staubstreifen weitgehend verdeckt wird. ESO 99-4 liegt  auf der Position α 15h24m59,4s / δ -63°07´37,4“ mit einer Winkelausdehnung von 1,0´ x 0,6´ in einem reichhaltigen Feld von Vordergrundsternen und ist etwa 395 Millionen Lichtjahre entfernt.

Bild 02: ESO 99-4 (Galaxienverschmelzung)

NGC 5979 ist ein weiterer planetarischer Nebel in diesem Sternbild. Er wurde am 25. April 1835 von J. F. W. Herschel entdeckt. Wir finden ihn auf der Position α 15h47m41s/ δ -61°13´05,6“. Der Nebel ist mit 11m5 visueller Helligkeit kein leichtes Beobachtungsobjekt und der Zentralstern hat sogar nur 20m0.

Bild 03: NGC 5979 (Planetarischer Nebel)

NGC 6025 ist ein offener Sternhaufen in etwa 2.700 Lichtjahren Entfernung. Er enthält etwa 60 Sterne, die heller als die 7. Größenklasse sind. Seine Gesamthelligkeit ist 5m1. Bereits im Prismenfernglas bietet er einen schönen Anblick. Er steht an der nördlichen Sternbildgrenze zum Winkelmaß auf der Position α 16h03m17s / δ 60°25´54“ und hat eine Ausdehnung von 12´ entsprechend 4,5 Lichtjahren. Sein Alter wird mit 80 Millionen Jahren angegeben. Entdeckt wurde er von Abbe de Lacaille 1751. Die Konstellation der helleren Sterne in diesem offenen Haufen hat eine Ähnlichkeit mit dem Sternbild Coma Berenice.

NGC 6156 ist eine Balkenspiralgalaxie vom Hubble-Typ SBc mit einer Helligkeit von 11m6 bei einer Entfernung von ca. 45 Millionen Lichtjahren. Ihre Koordinaten sind α 16h34m52,5s / δ -60°37´08″. Auf dieses schöne Feuerrad schauen wir direkt von oben und können in größeren Teleskopen sehr schön die Spiralarme um einen sehr kleinen Kern erkennen.

2.3 Sonstiges

Literaturhinweise:

  • POLARIS 29                                                                        E.-G. Bröckels et al.
  • Internet Wikipedia                                                         div. Autoren

Quellenangaben der Abbildungen:

Die Serie der Sternbildbeschreibungen wird fortgesetzt.

Das Sternbild Microscopium – Mikroskop

Herkunft, Mythologie, Beobachtungshinweise

zusammengestellt von E.-Günter Bröckels

1 Der Name

Das hier beschriebene Sternbild ist an einem sternlichtschwachen Teil des südlichen Sternenhimmels eingegliedert worden. Sein Dasein unter den Sternen verdankt es dem Einfallsreichtum des französischen Astronomen Nicolas Louis de La Caille, welcher auf diese Weise bedeutende Erfindungen seiner Zeit auf seinen 1752 bis 1756 gefertigten Karten des südlichen Sternenhimmels verewigte. Welche ungeheure Bedeutung gerade dieses Instrument für die Menschheit erlangen sollte, konnte er nur erahnen.

Bild 01: Das Sternbild Mikroskop auf einer mittelalterlichen Sternkarte

Angefangen hatte alles damit, dass ein holländischer Brillenschleifer aus Middelburg namens Hans Lippershey, oder eines seiner Kinder, per Zufall herausfand, dass zwei in einem bestimmten Abstand hintereinander in die Sichtlinie zu einem dahinter befindlichen Gegenstand gebrachte Linsen einen Vergrößerungseffekt auslösten. Am 25. September 1608 wurde von Lippershey für eine entsprechende Apparatur ein niederländisches Patent beantragt.

Zacharias Janssen (Sacharias Joanidis), ein griechischstämmiger, fähiger Optiker und Hausierer, ebenfalls aus Middelburg, reiste als Hausierer viel, betrieb  in Amsterdam eine Firma, die jedoch in Konkurs ging und war auch bekannt als Fälscher von Kupfer-, Gold- und Silbermünzen. Dadurch kam er öfter mit dem Gesetz in Konflikt und wurde auch verurteilt. Dieser Mann erfragte / beantragte im Oktober 1608 in den Niederlanden ebenfalls ein Patent für eine optische Vergrößerungsapparatur.

Kurze Zeit später wurde von Jacob Metius (echter Name Jacob Adriaansz), einem niederländischen Linsenschleifer und Instrumentenbauer, Anspruch auf das beantragte Patent erhoben. Lippershey demonstrierte seine Erfindung vor Moritz von Oranien, Graf von Nassau-Dillenburg und Kapitän-General der Vereinigten Land- und Seestreitkräfte, in Den Haag. Trotzdem erlangten weder er noch Janssen noch Metius ein Patent, da das Gerät zu einfach und zu leicht zu kopieren sei.

Janssen verkaufte seine Apparaturen als Mikroskope noch im gleichen Jahr auf einer Messe in Paris. Das erste Mikroskop Janssens war ein einfaches Rohr mit Linsen am Ende. Die Vergrößerung reichte von drei- bis neunmal.

Und so kam 1609 der italienische Astronom Galileo Galilei in den Besitz eines solchen Geräts, welches er zu einem der ersten leistungsfähigen Teleskope entwickelte. Noch 1609 kam Galileo Galilei mit einem von ihm selbst entworfenen und vom Instrumentenbauer nach seinen Plänen angefertigten Teleskop an die Öffentlichkeit.

Zacharias Janssens 1611 geborener Sohn, Johannes Zachariassen, sollte später unter Eid schwören, dass Hans Lippershey die Idee seines Vaters für das Teleskop gestohlen habe.

Nach Zacharias Janssen sind der Mondkrater Jansen und der Exoplanet Janssen benannt.

Ein Mikroskop (griechisch μικρός mikrós „klein“; σκοπεῖν skopeín „betrachten“) ist ein Gerät, das es erlaubt, Objekte stark vergrößert anzusehen oder bildlich darzustellen. Dabei handelt es sich meist um Objekte bzw. die Struktur von Objekten, deren Größe unterhalb des Auflösungsvermögens des menschlichen Auges liegt. Eine Technik, die ein Mikroskop einsetzt, wird als Mikroskopie bezeichnet. Mikroskope sind heute ein wichtiges, unverzichtbares Hilfsmittel in der Biologie, Medizin und den Materialwissenschaften. Die physikalischen Prinzipien, die für den Vergrößerungseffekt ausgenutzt werden, können sehr unterschiedlicher Natur sein. Die älteste bekannte Mikroskopietechnik ist die Lichtmikroskopie, die durch die Brillenschleifer oder Linsenmacher Hans und Zacharias Janssen aus den Niederlanden entwickelt wurde und bei der ein Objekt durch zwei oder mehr Glaslinsen beobachtet wird. Anfang des 17. Jahrhunderts erhielt das mit Objektiv und Okular ausgestattete Mikroskop in Anlehnung an das Wort „Teleskop“ seinen Namen. Die physikalisch maximal mögliche Auflösung eines klassischen Lichtmikroskops ist von der Wellenlänge des verwendeten Lichts abhängig und auf bestenfalls etwa 0,2 Mikrometer beschränkt. Diese Grenze wird als Abbe-Limit bezeichnet, da die zugrunde liegenden Gesetzmäßigkeiten Ende des 19. Jahrhunderts von Ernst Abbe beschrieben wurden. Mittlerweile sind jedoch einige Verfahren bekannt, mit denen diese Grenze überwunden werden kann.

Bild 02: Kasten-Lichtmikroskop , Optisches Institut Utzschneider & Fraunhofer 1820

2 Das Sternbild

Microscopium     Genitiv: Microscopii     Abk.: Mic     dt.: Mikroskop

Zum Auffinden bedient man sich zweckmäßig des Sternbildes Steinbock. Sein südlichster Stern, ω Cap, ist zwar auch nur 4m11 hell, aber der hellste Stern in dieser Gegend und direkt an der Sternbildgrenze zum Mikroskop, dessen Grenzen ein Areal ohne Ein- und Ausbuchtungen von 210 Quadratgrad einschließen – nämlich in RA von 20h27m362 bis 21h28m10s und in Dec von -45°05´24“ bis hoch auf -27°27´35“. Im Sommer lassen sich vom südlichen Mitteleuropa ab dem 45sten Breitengrad unterhalb des Steinbocks die nördlichsten Teile des Mikroskops erahnen bzw. bei exzellenter Horizontsicht beobachten. Seine Nachbarn sind von Nord im Uhrzeigersinn (auch Sonnenlauf) Capricornus, Sagittarius, Telescopium, Indus, Grus und Piscis Austrinus.

Bild 03: Das Sternbild Microscopium

2.1 Die Sterne

α Mic ist ein schon in mittleren Amateurteleskopen auflösbarer Doppelstern. Seine Gesamthelligkeit ist 4m9 und  strahlt aus 380 Lichtjahren Entfernung. Die Hauptkomponente variiert von 4m88 nach 4m94 und ist ein gelber Riesenstern mit dem Spektrum eines G8III-Typen, der im Abstand von 20,6“ von einem 10m0 hellen Stern begleitet wird. Seine Position ist α 20h49m58,1s / δ -33°46´47“.

β Mic ist mit 6m06 für das bloße Auge nicht mehr sichtbar.

γ Mic gehört als gelber Riese der Spektralklasse G8III an, ist 4m67 hell und 224 Lichtjahre von uns entfernt. Er hat im Abstand von 26“ einen nur 13m7 lichtschwachen sichtbaren Begleiter CCDM J21013-3215B auf der Position 94°. Wahrscheinlich ist dieser nicht gravitativ an Gamma Microscopii gebunden. γ Mic gehörte ursprünglich zum östlichen Nachbarn unter der damaligen Bezeichnung 1 Piscis Austrini. Die Pekuliargeschwindigkeit relativ zu seinen Nachbarsternen ist 1.2 km/s, daher wird er zur Ursa-Major-Bewegungsgruppe gezählt. Rückwärtsrechnungen haben ergeben das Gamma Microscopii vor etwa 3,8 Millionen Jahren das Sonnensystem in einer Entfernung von etwa 6 Lichtjahren passiert hat. Er müsste damals eine scheinbare Helligkeit von -3 gehabt haben und wäre damit heller als Sirius heute gewesen.

θ1 Mic besteht aus zwei Sternen mit den Helligkeiten 4m7 und 8m6, die sich in 2,8“ Abstand umkreisen und ihr Licht über eine Entfernung von ca. 200 Lichtjahren zu uns senden. Theta 1 steht im südwestlichen Sternbildareal auf der Position α 21h20m45,6s / δ -40°48´34,5“. Die Hauptkomponente ist ein A7-Spektraltyp dessen Licht zwischen 4m77 und 4m87 in 2,125 Tagen variiert und viele Metalllinien im Spektrum aufweist.

θ2 Mic ist ein engerer Doppelstern. Hier umkreisen sich ein 6m3- und ein 7m0-Stern im Abstand von nur 0,7“. Ihr Licht braucht bis zu uns 470 Jahre.

ε Mic ist 4m71 hell, steht in 165 Lichtjahren Entfernung und gehört der Spektralklasse A0V an.

AU Mic ist ein 12 Millionen Jahre alter roter Zwerg in 33 Lichtjahren Entfernung, der unregelmäßige Helligkeitsausbrüche zeigt. Er besitzt eine ausgedehnte Staub- und Trümmerscheibe, in der neuesten Forschungen zufolge eine Planetenentstehung vermutet wird.

2.2 Deep-Sky-Objekte

NGC 6923 ist eine mit 12m2 leuchtende Spiralgalaxie, mit ersten Anzeichen zur Umwandlung in eine Balkenspiralgalaxie, in einer Entfernung von 130 Millionen Lichtjahren. Sie wurde im Juli 1834 von Wilhelm Herschel entdeckt.

Bild 04: NGC 6923; Foto: The Carnegie-Irvine Galaxy Survey

NGC 6925 steht 3,7° nord-nordwestlich von α Microscopii und scheint mit 11m3 von der Position α 20h34m20,5s / δ -31°58´51,2“.  Sie zeigt sich uns von ihrer schrägen Seite mit einer Winkelausdehnung von 3,1´x 1,12´. Sie gehört dem Typ SA(s)bc an, steht in einer Entfernung von etwa 127 Millionen Lichtjahren und wurde im Juli 1834 von Wilhelm Herschel entdeckt.

In dieser Galaxie leuchtete im Juli 2011 eine von Stu Parker aus Neuseeland entdeckte Supernova auf. Diese erhielt die Bezeichnung SN2011ei.

Bild 05: NGC 6925; Foto: The Carnegie-Irvine Galaxy Survey

Im Sternbild Mikroskop stehen mehrere Galaxienhaufen, unter anderen Abell 3695, die aber nur den Großteleskopen zugänglich sind. (Der Abell-Katalog (engl.: Abell catalog of rich clusters of galaxies) ist ein Katalog von über 4000 Galaxienhaufen.)

2.3 Sonstiges

Literaturhinweise:

  • dtv-Atlas zur Astronomie                                                  J. Herrmann
  • Schlüsseldaten Astronomie                                             Harenberg
  • Internet Wikipedia                                                                div. Autoren
  • Internet Kuuke´s Sterrenbeelden                                Kuuke
  • Sternbilder von A – Z                                                           A. Rükl

Quellenangaben der Abbildungen:

  • Bild 01: Urania‘s Mirror, Plate 24, graviert von Sidney Hall
  • Bild 02: Museum optischer Instrumente, ww.musoptin.com
  • Bild 03: IAU und Sky & Telescope
  • Bild 04: The Carnegie-Irvine Galaxy Survey
  • Bild 05: The Carnegie-Irvine Galaxy Survey

Die Serie der Sternbildbeschreibungen wird fortgesetzt.

Die Kuppel ist da!

Wunderschön weiß glänzt es im Sonnenlicht – und damit sind nicht die zwanzig Zentimeter Neuschnee gemeint, die am vergangenen Dienstag, den 09. Februar 2021, die Baustelle der Sternwarte und ganz Lübeck mit einer winterlichen Decke überzogen haben.

Foto: O. Paulien
Foto: O. Paulien

Nein, was hier strahlt und glänzt ist die brandneue Kuppel für den neuen Beobachtungsturm der Sternwarte Lübeck! Maßgefertigt und präzise montiert von Baader Planetarium konnte das Sahnehäubchen unseres Neubaus am gestrigen Mittwoch auf dem Turm aufgesetzt werden.

Foto: O. Paulien

In aller Frühe hatten unsere fleißigen Vereinsmitglieder eigenhändig den Weg für den Kran und die Anlieferung von den Schneemassen befreit, angetrieben von der Vorfreude und dem Wunsch, dass nun nichts mehr dazwischen kommen soll.

Aufbau und Montage klappten dann auch reibungslos, und die Monteure von Baader Planetarium freuten sich darüber, dass sie sich zwischendurch in unseren schönen neuen Vereinsräumen aufwärmen und stärken konnten!

Foto: O. Paulien

Vertreter der gemeinnützigen Sparkassenstifung, der Hansestadt Lübeck und des Arbeitskreises Sternfreunde Lübeck waren vor Ort um diesen Meilenstein des Bauvorhabens live mitzuverfolgen.

Foto: O. Paulien

Bevor unser zwanzig Zoll CDK-Astrograph in der Kuppel montiert werden kann, sind jedoch noch einige abschließende Arbeiten an der Elektronik notwendig, die nur bei Temperaturen über Null durchgeführt werden können. Daher müssen wir noch eine Weile warten, bevor wir im neuen Turm „first light“ sehen können.

Lesen Sie auch die Berichte der lokalen Presse, z.B. bei HL Live und in den Lübecker Nachrichten!

Das Sternbild Sculptor – Bildhauer

Herkunft, Mythologie, Beobachtungshinweise

zusammengestellt von E.-Günter Bröckels

1 Der Name

Bildhauer sind handwerkliche Künstler, die plastische Figuren, Reliefs, Halb- und Vollplastiken aus Stein oder Holz heraushauen oder Figuren, die in Kupfer, Bronze oder als Kleinplastiken sogar in Silber oder Gold gegossen werden herstellen, aber auch Terrakotta, Lehm und moderne Materialien benutzen, denn inzwischen hat sich die Bedeutung erweitert und umfasst meist auch den Bereich modellierend-künstlerischer Arbeit. Beim bildhauerisch-plastischen Arbeiten können heute ganz verschiedene Materialien kreativ bearbeitet und zusammengefügt werden.

Bildhauer schufen schon in der Antike Skulpturen, die Abbilder ihrer Vorstellung von den zeitgenössischen Göttern waren. Auch gottgleiche, weltliche Personen, Herrscher und berühmte, hochgeehrte Zeitgenossen, fanden so ihre Verherrlichung und so wurde ihr Aussehen, aus Stein oder Marmor herausgearbeitet, als Kopfplastik, Büste oder Vollstatue in Tempeln oder anderen Ausstellungsräumen der Nachwelt erhalten. Letzteres wird auch heute noch praktiziert was unter anderem die Walhalla bei Regenburg beweist.

Bild 01: „Bildhauer“, Holzschnitt von Jost Ammann 1586            
Bild 02: Walhalla Regensburg, Skulpturen in Ruhmeshalle

Das Sternbild Sculptor  wurde 1756 vom französischen Astronomen Nicolas Louis de Lacaille unter dem Namen l’Atelier de Sculpteur „Werkstatt des Bildhauers“ eingeführt. Später wurde daraus der Bildhauer. Ursprünglich dargestellt wird es als ein Tisch mit einer Büste wechselnden Aussehens. Zusätzlich ist ein Klüpfel und ein Meißel dargestellt, die auf manchen Karten auch als Apparatus Sculptoris „Werkzeug des Bildhauers“, so etwa bei Bode 1801, aufgeführt werden, und ein weiterer Meißel unter der Bezeichnung Caela Sculptoris „die Meißel des Bildhauers“, bei Samuel Leigh 1825. Bei Lacailles Erstbildnis steht zusätzlich ein Steinblock, auf dem das Werkzeug liegt, der von Bode aber entfernt wurde.

Bild 03: Entwurf l’Atelier de Sculpteur  Lacaille  1756
Bild 04: Apparatus Sculptoris   Uranographia J. Bode 1801-3

2 Das Sternbild

Sculptor     Genitiv: Sculptoris     Abk.: Scl     dt.: Bildhauer

Der Bildhauer ist ein unscheinbares Sternbild östlich des hellen Sterns Fomalhaut im Sternbild Südlicher Fisch. Keiner seiner Sterne ist heller als die 4. Größenklasse. Aufgrund seiner Lage ist dieses Sternbild nur im südlichen Mitteleuropa, Schweiz, Österreich und Süddeutschland, also erst ab 50° nördlicher Breite südwärts in den Monaten August bis Dezember vollständig sichtbar. Sein Areal am südlichen Sternenhimmel erstreckt sich  in RA von 23h06m43s bis 01h45m50s und in Dec von -39°22´21“ bis -24°48´14“ und belegt dabei 475 Quadratgrad Himmel. Der Bildhauer wird umrahmt von den Sternbildern Walfisch und Wassermann im Norden, dem Ofen im Westen, Phönix im Süden und den Südlichen Fischen im Osten. Zum Auffinden     folgt man am besten dem Stern Beta im Walfisch in südöstlicher Richtung zum Alpha-Stern im Phönix. Findet man kaum noch Sterne, so ist man am Ziel angelangt. Aufgrund seines jungen Alters und seines eher unauffälligen Erscheinungsbildes als Sternbild wird der Sculptor nicht häufig erwähnt. Dabei hat der Sculptor in seinen Grenzen durchaus beachtenswerte Objekte zu bieten. So befindet sich hier der galaktische Südpol, durch den die „Drehachse“ unserer Milchstraße geht. Auch einige interessante Galaxien, darunter die Sculptor-Gruppe, eine Galaxiengruppe in etwa 12 Millionen Lichtjahren Entfernung, befinden sich in diesem Sternbild.

Bild 05: Sternbild Sculptor

2.1 Die Sterne

α Scl ist der hellste Stern im Bildhauer, ein 673 Lichtjahre entfernter, bläulich mit 4m3 leuchtender Stern der Spektralklasse B7 IIIp mit einer Oberflächentemperatur von 13.600 K. Er ist zudem ein veränderlicher Stern vom Typ SX Arietis auf der Position α 00h58m36,3s / δ -29°21´26,9“. Im Sternbild markiert er einen Fuß oder das Gerüst des Arbeitstisches.

β Scl markiert den Klüpfel auf dem Werktisch des Bildhauers auf der Position α 23h52m58,3s  / δ -37°49´05,7“ mit einer mittleren visuellen Helligkeit von 4m37, die zwischen 4m35 und 4m39 variiert. Der Stern ist 174 Lichtjahre von uns entfernt und gehört als Unterriese der Spektralklasse B9.5III mit einer Oberflächentemperatur von 11.400 K an.

γ Scl, ein orange mit 4m4 leuchtender Riesenstern der Spektralklasse K1III mit einer 4500 K heißen Sternoberfläche, steht auf der Position α 23h18m49,4s / δ -32°31´55,2“. Im Sternbild markiert er die Büste auf dem Werktisch. Die Photonen dieses Sterns kommen aus einer Raumtiefe von 182 Lichtjahren.

δ Scl markiert die Platte des Arbeitstisches und die darauf liegenden Meißel. Am Himmel nimmt er die Position α 23h48m55,5s / δ -28°07´48,9“ ein und leuchtet von dort mit 4m57 als blauweißer A0Vp-Typ mit einer Oberflächentemperatur von 9700 K über eine Distanz von 137,4 Lichtjahren. Delta Sculptoris ist ein Dreifachsternsystem. Die Hauptkomponente, Delta Sculptoris A, ist ein weißer Zwerg mit einer scheinbaren Helligkeit von 4m59. Er hat einen schwachen Begleiter von 11m6, Delta Sculptoris B, in 3,5 Bogensekunden oder mehr als 175 astronomische Einheiten gegenseitigem Abstand auf der Position 239°. Umkreist wird dieses Paar in 74´ Distanz von einem gelben G-Typ Delta Sculptoris C, der eine scheinbare Helligkeit von 9m4 hat.

ε Scl steht in der äußersten nordwestlichen Ecke des Sternbildareals auf der Position α 01h45m38,7s /  δ -25°03´09“, ist 5m29 hell und ein physisches Doppelsternsystem, dessen einzelne Komponenten zu den Spektralklassen F2V und G5V gehören. Ihre Distanz zu uns beträgt 92 Lichtjahre. Die Hauptkomponente, Epsilon Sculptoris A, ist ein gelb-weißer Unterriesenstern mit einer scheinbaren Helligkeit von 5m29. Sie wird im Abstand von 4,6“, entsprechend 126 Astronomischen Einheiten, von Epsilon Sculptoris B, einem gelben Zwerg mit einer visuellen Helligkeit von 8m6 umkreist. A und B machen einmal alle 1200 Jahre einen Umlauf um ihr Schwerkraftzentrum. Es gibt zwei optische Begleiter, die aus dem physischen Doppelstern ein optisches Mehrfachsystem machen, nämlich einen Stern 15ter Größe und der Spektralklasse M6v zugehörig, bezeichnet mit Epsilon Sculptoris C in einem Winkelabstand von 15 Bogensekunden und einen weiteren Stern der elften Größe, Epsilon Sculptoris D, bei einem Abstand von 142 Bogensekunden. Der Doppelstern wird aufgrund der Präzession um das Jahr 2920 im Sternbild Fornax sein.

η Scl ist ein roter Riese des Spektraltyps M4III-Typ, 3600K heiß und etwa 450 Lichtjahre von der Erde entfernt. Als semiregulärer Variabler schwankt seine mittlere scheinbare Helligkeit von 4m84 zwischen 4m8 und 4m9 und pulsiert dabei mit mehreren Perioden von 22.7, 23.5, 24.6, 47.3, 128.7 und 158.7 Tagen. Seine Position an Himmel ist α 00h27m55,6s / δ -33°00´25,8“ und im Sternbild steht er fast mittig und somit im Gerüst des Werktisches.

κ Scl ist ein weites, optisches Sternenduo im nördlichen Bereich des Sternbildes Bildhauer.

κ1 Scl ist selbst ein physisches Doppelsternsystem in 224 Lichtjahren Entfernung. Die beiden Komponenten gehören der Spektralklasse F3V und F7 an. Das System kann in einem Teleskop in zwei fast gleich helle 6m1 und 6m2 und gleichfarbige Sterne im Abstand von 1,7“ aufgelöst werden.

κ2 Scl steht mit 581 Lichtjahren Entfernung deutlich tiefer im Raum als sein Partner im optischen Doppelsternsystem Kappa Sculptoris. Er gehört der Spektralklasse K2III an und ist mit 5m41 der hellere Stern.

τ Scl ist 120 Lichtjahre entfernt und besteht aus zwei Sternen der Spektralklassen F1 und F7. Die Sterne können mit einem kleineren Teleskop getrennt werden.

2.2 Deep-Sky-Objekte

NGC 253 ist als „Sculptor-Galaxie“ bekannt. NGC 253 liegt auf der Position  RA 00h47m33s / Dec -25°17´17,8“ ca. 7,3° südlich von Deneb Kaitos und ist bei einer Winkelausdehnung von 27,5´ x 6,8´ entsprechend einem Durchmesser von 70.000 Lichtjahren schon im Fernglas gut wahrnehmbar. Bei guten Bedingungen und mit einem großen Teleskop erschließt sie sich erst richtig. Im Night Sky Observers Guide wird die Galaxie für Teleskope mit 12-14″ Öffnung als erstaunliches, extrem längliches Objekt mit markanten Staubstrukturen beschrieben. Sie wird zu einem atemberaubenden Anblick und stiehlt selbst M31 locker die Schau. Sie hat eine Flächenhelligkeit von 12m9, ist 7m3 hell und somit die zweithellste Spiralgalaxie an unserem Himmel, nur die Andromedagalaxie M31 ist noch heller. Im Gegensatz zur Andromeda-Galaxie ist NGC 253 sehr stark strukturiert mit Staubbändern und Knoten und erscheint richtiggehend als plastischer Sternenstrudel.  Mit der Klassifizierung SAB(s)c ist sie eine weit geöffnete Spirale mit leichtem Balkenansatz. Ihr Sternenlicht braucht bis zu uns 11,4 Millionen Jahre. Entdeckt wurde dieses Leuchten am 23. September 1783 von Caroline Herschel.

NGC 253 bildet als zentrale Galaxie zusammen mit den Galaxien NGC 254 (ca. 4,2° nördlich im Walfisch), NGC 247 (ebenfalls im Walfisch), NGC 300 (ca. 12° südlich), NGC 7793 (ca. 8° östlich von Beta) und NGC 55 (ca. 15° südsüdöstlich von NGC 253) die Sculptor-Galaxiengruppe, die eine direkte Nachbargruppe unserer Lokalen Gruppe ist.

Bild 06: NGC 253 Sculptor- oder Silberdollar-Galaxie

NGC 288,  ein 8m1 Kugelsternhaufen, liegt ca. 1,5° südöstlich von NGC 253, 37′ nord-nordöstlich des südlichen Galaktischen Pols, 15′ südsüdöstlich eines Sterns der 9. Größe und ist von einer halbkreisförmigen Sternenkette umgeben, die sich im Südwesten öffnet. Seine Position ist RA 00h52m45s / Dec -26°35`. Im kleinen Fernrohr erscheint er nur als ein matter Nebelschimmer. In größeren Fernrohren kann man ihn bei Vergrößerungen ab 200 x in Tausende schwacher Sterne aufgelöst sehen. NGC 288 hat eine Winkelausdehnung von 13´ entsprechend einem halben Vollmonddurchmesser und bei einer Entfernung von  ca. 30.000 Lichtjahren einem realen Durchmesser von 120 Lichtjahren. Seine visuelle Erscheinung wurde 1888 von John Dreyer beschrieben: „Der Kugelsternhaufen ist nicht sehr konzentriert und hat einen gut aufgelösten, 3′ großen, dichten Kern, der von einem viel diffuseren und unregelmäßigeren Ring mit 9′ Durchmesser umgeben ist. Sterne in der Peripherie erstrecken sich weiter nach Süden und besonders nach Südwesten“. Entdeckt wurde er schon am 27. Oktober 1785 von Friedrich Wilhelm Herschel.

Eine Besonderheit ist, dass nur 37´ nordnordöstlich dieses Kugelsternhaufens der Südpol unserer Galaxis (GSP) liegt.

Bild 07: NGC 288 Kugelsternhaufen nahe dem GSP

NGC 55 ist eine weitere helle Galaxie, die allerdings am Rand der Sculptor-Gruppe  auf der Position RA  00h14m53,6s / Dec -39°11´47,9“ liegt. Sie befindet sich schon im Grenzgebiet zur Lokalen Gruppe. In älterer Literatur findet man sie daher oft als Mitglied der Lokalen Gruppe angegeben. Bei NGC 55 blicken wir fast auf die Kante, so daß eine Spiralstruktur schwer zu erkennen ist. Daher wird die Klassifikation als Spiralgalaxie nicht von allen Astronomen geteilt. Einige sehen NGC 55 mehr als irreguläre Galaxie vom Typ SB(s)m.

NGC 55 hat eine Winkelausdehnung von 32,4′ × 5,6′ entsprechend einem Durchmesser von 55.000 Lichtjahren, eine scheinbare Helligkeit von 7m8 und eine Flächenhelligkeit von 13,3´pro Quadratgrad. Damit ist diese Spiralgalaxie, die zur Sculptor-Gruppe gehört, die zwölfthellste Galaxie am Himmel. Ihr Licht braucht bis zur Erde  5,9 Millionen Jahre,  ist allerdings in Mitteleuropa unbeobachtbar. Obwohl das Sternsystem zur Sculptor-Gruppe gezählt wird, hat es eine Radialgeschwindigkeit, die auf eine Zugehörigkeit zur Lokalen Gruppe schließen lässt. NGC 55 wurde am 4. August 1826 von James Dunlop entdeckt.

Bild 08: NGC 55 Randmitglied der Sculptorgruppe

NGC 300 ist eine weitere sehr schöne Spiralgalaxie in der Sculptor-Gruppe auf der Position RA 00h54m53s / Dec -37°41´04“. Auf NGC 300 sehen wir direkt von oben, so daß sehr schön ihre Spiralstruktur mit den weit gewundenen Spiralarmen in der Klassifizierung SA8s)d zur Geltung kommt. Sie hat eine Winkelausdehnung von 21,9′ × 15,5′, eine Flächenhelligkeit von 13m9 und eine visuelle Helligkeit von 8m1. Sie ist rund 7 Millionen Lichtjahre vom Sonnensystem entfernt und mit einem Durchmesser von etwa 70.000 Lichtjahren deutlich kleiner als unsere Milchstraße. Das Objekt wurde am 5. August 1826 von dem schottischen Astronomen James Dunlop entdeckt. NGC 300 und NGC 55 sind nur etwa eine Million Lichtjahre voneinander entfernt, daher nimmt man an, dass es sich um ein gravitativ gebundenes Paar handelt.

Bild 09: NGC 300 vor Hintergrundgalaxien

NGC 7793 ist eine Spiralgalaxie vom Hubble-Typ SA(s)dHII. NGC 7793 hat bei einer Winkelausdehnung von 9,3 × 6,3′ eine Flächenhelligkeit von 13m3 und eine visuelle von 9m0. Die Galaxie befindet sich auf der Position RA23h57m49,8s / Dec -32°35´27,7“  etwa 13 Millionen Lichtjahre vom Sonnensystem entfernt und hat einen Durchmesser von etwa 55.000 Lichtjahren. NGC 7793 wurde am 14. Juli 1826 vom schottischen AstronomenJames Dunlop entdeckt. Eine Gruppe europäischer Forscher hat mit Hilfe der Teleskope der Europäischen Südsternwarte einen Mikroquasar in einem der Spiralarme von NGC 7793 entdeckt, der vor allem durch besonders heftige Materieausstöße auffällt. Das Schwarze Loch, welche das Zentrum des Mikroquasars bildet, nimmt dabei nicht nur große Mengen Materie auf, sondern beschleunigt und stößt diese in Form von Jets aus. Eine Gasblase mit etwa 1.000 Lichtjahren Durchmesser dehnt sich mit fast 0,1 Prozent Lichtgeschwindigkeit aus.

Bild 10: NGC 7793, Bild ESO VLT Paranal

Weitere, aber lichtschwächere Galaxien der Sculptor-Gruppe befinden sich sowohl in diesem als auch in den Nachbarsternbildern.

2.3 Sonstiges

Bild 11: Sternbild Sculptor mit Nachbarn

Literaturhinweise:

  • Internet – Astromedia                                div. Autoren
  • Internet – Wikipedia                                   div. Autoren
  • Internet – Astronomie.de                         div. Autoren
  • dtv-Atlas Astronomie                                 J. Herrmann
  • Buch der Sterne                                             Guinness
  • Die großen Sternbilder                              I. Ridpath
  • Sternbilder von A – Z                                  A. Rükl
  • Was Sternbilder erzählen                        G. Cornelius

Quellenangaben der Abbildungen:

  • Bild 01:  Wikimedia Commons the free media repository / Dt. Fotothek  Ständebuch  Auszug Bildhauer Holzschnitt Jost Ammann 1586
  • Bild 02:  eigenes Foto
  • Bild 03:  wgsebald.de
  • Bild 04:  Auszug aus Karte XVII der Uranographia 1801 von J. E. Bode
  • Bild 05:  Wikimedia Commons the free repository  Grenz- und Skelettlinien umcoloriert
  • Bild 06:  https://skyandtelescope.0rg/wp-content/uploads2019-01-09_5c355f919833b_NGC253  wcreech gedreht und auf 13×18 zugeschnitten
  • Bild 07:  googleusercontent.com/unnamed
  • Bild 08:  ESO „Two Galaxies for a Unique Event“ Photo Release No eso0914-en-us European Southern Observatory
  • Bild 09:  eso.org/public/germany/images/eso0221a/lang
  • Bild 10:  ESO VLT Paranal  upload/wikimedia.org/wikipedia/commons/4/43/Phot-14b-09-fullres_2.jpg
  • Bild 11:  IAU-Constellations

Die Serie der Sternbildbeschreibungen wird fortgesetzt.

Der BeobachtungsTurm steht!

Es ist soweit, die Betonelemente unseres neuen Observatoriums sind diese Woche zusammengefügt worden. Unser neuer Beobachtungsturm an der Grundschule Grönauer Baum hat somit bis auf die Kuppel seine endgültige Höhe erreicht. Die Kuppel soll in der vierten Kalenderwoche 2021 geliefert werden. In der Zwischenzeit beginnen der Innenausbau und die Fassadenarbeiten.

Wir freuen uns sehr und können es kaum erwarten, den Turm in Betrieb zu nehmen und allen Lübeckern wieder den Blick ins Universum zu öffnen!

Doch leider müssen wir außer der Fertigstellung des Turmes auch eine Beruhigung des Infektionsgeschehens abwarten. Daher können wir aktuell nicht planen, wann wir zur ersten öffentlichen Beobachtung einladen werden. Wir werden den Termin jedoch auf unserer Homepage und über Instagram ankündigen.

Wir wünschen uns allen besinnliche Feiertage und für das neue Jahr 2021 alles Gute, vor allem Gesundheit und ein großes Fest zur Wiedereröffnung der Sternwarte Lübeck!

Für die Sternwarte gab es mit dem Turmbau diese Woche schon eine wunderbare Bescherung! Fotocollage: Regina Orzekowsky-Schroeder, Material: Frank Pultar, Teodora Vlaicu from FreeImages

Das Fundament liegt!

Am heutigen 04. Dezember 2020 wurde das Betonfundament für den neuen Beobachtungsturm der Sternwarte Lübeck gegossen!

Foto: Oliver Paulien
Foto: Oliver Paulien

Vertreter der gemeinnützigen Sparkassenstiftung, die das Projekt mit 233 000 Euro Förderung erst ermöglicht hat, sowie des ASL e.V. und natürlich der ausführenden Baufirmen waren bei der Fundamentschüttung vor Ort, um diesen historischen Moment besonders zu würdigen.

V. l. n. r.: Oliver Paulien (ASL e.V.), Hanno Tessmer (gemeinnützige Sparkassenstiftung), Dr. Ulrich Bayer (ASL e.V.), Dr. Radoslaw Mazur (ASL e.V.), Ralf Biegel (ASL e.V.), Ulrich Kruse (ASL e.V.), Frank Pultar (ASL e.V.), Michael Kremin (ASL e.V.). Foto: Oliver Paulien

Eine „Zeitkapsel“ wurde mit Andenken an die Historie der Sternwarte und das besondere Jahr 2020 sowie mit guten Wünschen für die Zukunft bestückt und mit im Fundament versenkt.

Diese Zeitkapsel wurde im Fundament des Beobachtungsturms einzementiert. Foto: Oliver Paulien
Dort bleibt die Kapsel für hoffentlich mindestens 100 Jahre. Foto: Oliver Paulien

Wir hoffen natürlich, dass dieser Beobachtungsturm Lübeck und seinen Bürgern viele Jahre erhalten bleibt. Doch sollten in der Zukunft einmal Reste des Fundaments ausgegraben werden, können die Archäologen unter anderem folgenden Inhalt in der Zeitkapsel finden (Fotos: Ulrich Bayer):

  • Jubiläumsausgabe der Vereinszeitschrift Polaris
  • Schreiben der gemeinnützigen Sparkassenstifung
  • Ausgabe der Lübeckischen Blätter mit Bericht über das Bauprojekt
  • Gruppenfoto des ASL e.V.
  • Boardingpässe für eine Reise zum Mars

Wer weiß, vielleicht war bereits der erste Mensch auf dem Mars, wenn die Zeitkapsel einmal ausgegraben wird… Fotos: Ulrich Bayer