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Das Sternbild Grus – Kranich

Herkunft, Mythologie, Beobachtungshinweise

zusammengestellt von E.-Günter Bröckels

1 Der Name

Der Kranich ist ein „neuzeitliches“ Sternbild des südlichen Sternenhimmels. Seine Sterne gehörten seit der Antike zum Sternbild Südlicher Fisch. Im Jahr 1595 untersuchte der niederländische Seefahrer und Navigator Pieter Dirkszoon Keyser im Auftrag von Peter Plantius den bis dahin weitgehend unbekannten südlichen Sternenhimmel. Frederick de Houtman, ein Bruder des Kapitäns, half  ihm bei der Kartographierung der Sterne. Sie setzten insgesamt 12 neue Sternbilder ein, so auch als eigenständiges Sternbild Den Reygher Kranich. Petrus Plancius und Jodocus Hondius setzen ihn versehentlich 1598 als Phoenicopterus, das ist die lateinische Bezeichnung für Flamingo, auf einen Himmelsglobus, den Jodocus Hondius 1600 in den Handel brachte. Johannes Bayer übernahm das Sternbild dann unter der heutigen Bezeichnung Grus, zu Deutsch: Kranich, in seinen 1603 erschienenen Himmelsatlas Uranometria.

Bild 01: Sternbild Kranich – Auszug aus Uranometria von Johannes Bayer 1603

Der Kranich (Grus Grus), auch Grauer Kranich oder Eurasischer Kranich genannt, ist der einzige Vertreter der Familie der Kraniche (Gruidae) in Nord- und Mitteleuropa. Seine bevorzugten Lebensräume sind Feuchtgebiete der Niederungen, wie beispielsweise Nieder- und Hochmoore, Bruchwälder, Seeränder, Feuchtwiesen und Sumpfgebiete in weiten Teilen des östlichen und nördlichen Europa, aber auch einige Gebiete im Norden Asiens. Zur Nahrungssuche finden sich die Tiere auf extensiv bewirtschafteten landwirtschaftlichen Kulturen wie Wiesen und Feldern, Feldsäumen, Hecken und Seeufern ein. Sie nehmen das ganze Jahr über sowohl tierische als auch pflanzliche Nahrung auf. Für die Rast nutzen sie weite und offene Flächen wie Äcker mit Getreidestoppeln. Als Schlafplätze werden vor allem Gewässer mit niedrigem Wasserstand aufgesucht, die Schutz vor Feinden bieten. Der Bestand hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen, so dass die Art zurzeit nicht gefährdet ist.

Die Schönheit der Kraniche und ihre spektakulären Balztänze haben schon in früher Zeit die Menschen fasziniert.

Bild 02: Eurasischer Kranich  / Grauer Kranich  (Grus Grus)

In der griechischen Mythologie war der Kranich sowohl Apollon, dem Gott der Sonne und Demeter, der Erd- und Fruchtbarkeitsgöttin, als auch Hermes als Bote des Frühlings und des Lichts zugeordnet. So lasen die Auguren (Priester) in Griechenland aus den Flugformationen der Kraniche. Außerdem galten Kraniche als Symbol der Wachsamkeit und Klugheit und als „Vogel des Glücks“. In Homers Ilias ist zu lesen, dass ein Heer von menschenfressenden Kranichen nach Süden gezogen ist, um in den Nilsümpfen das kleine Volk der Pygmäen zu jagen. In der griechischen Mythologie trägt der fliegende Kranich Steinchen im Schnabel, um sich über dem Taurusgebirge nicht durch eigene Rufe zu verraten und in die Fänge der Adler zu geraten.

Im römischen Kulturkreis hat der Kranich weitere Bedeutungen hinzugewonnen. So galt er als Symbol der „Prudentia“, des vernünftigen und klugen Handelns, der „Perseverantia“, der Beharrlichkeit, und der „Custodia“, der Sorgfalt des Handelns. Aus der „Vigilantia“, der sittlichen und militärischen Wachsamkeit, entstand der „Grus vigilans“. Dieser hält einen Stein mit der Klaue hoch, damit er im Falle des Einschlafens sogleich vom Geräusch des Fallens geweckt würde. Man findet dieses Motiv auf vielen Emblemen, Wappen und Insignien, aber auch an Häusern und Burgen. So heißt es im Giebellied des Kranichhauses in Otterndorf:

„Der Kranich hält den Stein, des Schlafs sich zu erwehren.
Wer sich dem Schlaf ergibt, kommt nie zu Gut und Ehren.“

Bild 03: Detail Giebel Kranichhaus Otterndorf

In der ägyptischen Mythologie galt der Kranich als „Sonnenvogel“. Er wurde sowohl als Opfergabe für die Götter als auch als Speisevogel genutzt. In den Hieroglyphen steht seine Figur für den Buchstaben „B“

Im alten Kaiserreich China war der Kranich (chinesisch Pinyin ) Symbol für ein langes Leben, Weisheit, das Alter sowie die Beziehung zwischen Vater und Sohn. Zudem galt er in der chinesischen Mythologie als „Himmelskranich“ oder „Seligenkranich“, da angenommen wurde, dass sich taoistische Priester nach ihrem Tod in einen gefiederten Kranich verwandelten oder dass die Seelen der Verstorbenen auf dem Rücken von Kranichen zum Himmel getragen würden. In der Qing-Dynastie war der Kranich Abzeichen der Zivilbeamten des ersten Rangs.

Bei den Kelten galten die Kraniche als Hüter der Oghamschrift. Der keltische Gott Ogma der Starke, ein Sohn des Elatha und der Eithne sowie Halbbruder des Sonnengottes Lugh, ist der Erfinder der Oghamschrift. Er beobachtete die Tänze und den Flug der Kraniche und entschlüsselte hierbei die Oghamschrift, die er aufgezeichnet hat.

In Irland beteten schon die vorkeltischen und keltischen Bauern zu Manannaun, ihrem Gott des Meeres und Jenseitsführer, der einen Wunderbeutel aus der Haut der Kraniche  mit den Schätzen des Meeres trug, um eine gute Saat und die Seefahrer erbaten von ihm, als dem Inhaber der Ozeanfähre in die „andere Welt“, eine gute Reise.

Das in der Sage von Herzog Ernst erwähnte Volk der Agrippiner bestand aus Mischwesen aus Mensch und Kranich. Diese bedrängten ein Zwergenvolk. Herzog Ernst gelang es, die Zwerge von den Kranichmenschen zu befreien.

Die Bezeichnung „Vogel des Glücks“ leitet sich in Schweden von der Ankunft des Kranichs als Vorzeichen für den Frühling her, der Wärme, Licht und Nahrungsfülle einleitet.

In der Heraldik ist der Kranich das Symbol der Vorsicht und der schlaflosen Wachsamkeit. In der Dichtung wird der Kranich symbolisch für etwas „Erhabenes“ in der Natur verwendet.

Bild 04: Wappen von Kransberg                               Bild 05: Origami-Kraniche – Symbol für ein langes Leben

In Japan ist der Kranich ein Symbol des Glücks und der Langlebigkeit. Nach japanischem Volksglauben bekommt derjenige, der 1000 Origami-Kraniche (senbazuru) faltet, von den Göttern einen Wunsch erfüllt. Die älteste erhaltene Publikation zu diesem Motiv und zu Origami allgemein ist das Senbazuru Orikata von 1797. Noch heute wird zu besonderen Anlässen, wie Hochzeiten oder Geburtstagen, ein gefalteter Papierkranich überreicht. Seit dem Tode des Atombombenopfers Sadako Sasaki, die mit dem Falten von Origami-Kranichen gegen ihre durch die Strahlung verursachte Leukämie-Erkrankung ankämpfte, sind Origami-Kraniche auch Symbol der Friedensbewegung und des Widerstandes gegen Atomwaffen. Auf Hokkaido führen die Frauen der Ainu einen Kranichtanz auf, wie er auch in Korea im Hof des Tongdosa-Tempels seit der Silla-Dynastie aufgeführt wird.

Die Königin Gerana der zentralafrikanischen Pygmäen soll nach antiken Erzählungen in einen Kranich verwandelt worden sein, weil sie sich für verehrungswürdiger als die Göttinnen gehalten hatte.

Einer Legende entsprechend stammen die Azteken aus der Region Aztlán, was „nahe den Kranichen“ bedeutete.

Kirchenvater Ambrosius verwendet dieses Bild als ein Gleichnis für die Furcht vor Gott zum Schutz gegen die Sünde und das Teufelswerk. Weiterhin vergleicht er das Fallen des Steins mit dem Ruf der Kirche (Glockengeläut). Zudem sollen es seinen Ansichten zufolge die Menschen den Kranichen nachmachen, indem die Starken die Schwachen stützen.

In alten Volksmärchen und Überlieferungen tritt der Kranich, der in der Regel mit positiven Eigenschaften besetzt wird, als Verkünder von Geburten und Hochzeiten, aber auch von Krieg und Tod in Erscheinung.

Die jakutische Geschichte Die Kranichfeder handelt von einem Kranich, der sich in ein schönes Mädchen verwandelt, um einen Menschenmann zu heiraten. Als er eines Tages sein abgestreiftes Federkleid wiederfindet, schwingt er sich davon, so dass er für die Flüchtigkeit des Sommers und der Liebe steht.

2 Das Sternbild

Grus     Genitiv: Gruis     Abk.: Gru     dt.: Kranich

Das Areal des Sternbildes Kranich belegt in RA von 21h27m43s bis 23h27m04s und in Dec von -56°23´27“ bis -36°18´46“ immerhin  366 Quadratgrad in den Grenzen von 1930. Diese Fläche wird im Uhrzeigersinn eingegrenzt von den Sternbildern Südlicher Fisch, Mikroskop, Indianer, Tukan, Phönix und Bildhauer. Vom Kranich ist von Deutschland aus in sehr klaren Herbstnächten Ende Oktober bis Mitte November höchstens der nördlichste Teil mit dem Stern γ Gruis zu sehen. Vollständig sichtbar ist er erst ab 34° Nord südwärts. Die Hilfszeichnung des Kranichs hat etwa die Form eines Vogels mit gestrecktem Hals und gespreizten Beinen. Zwei seiner Sterne, α  und β Gruis, sind auffallend hell, stehen fast auf gleicher Höhe und weisen einen deutlichen Farbkontrast auf.

Bild 06: Das Sternbild Kranich

2.1 Die Sterne

α Gru, der hellste Stern im Kranich, ist 101 Lichtjahre entfernt. Sein Eigenname Al Nair ist altarabischen Ursprungs und bedeutet „der Erleuchtete“ oder „der Helle“. Sein blauweißes 1m7 helles Licht kommt von der 13.500 K heißen Sternoberfläche eines Hauptreihensterns der Spektralklasse B6 zu uns. Seine Position ist seitlich einer geschwungenen Sternenkette auf der Position α 22h08m14s / δ -46°57´39,5“.

β Gru  leuchtet mit 2m1 aus 175 Lichtjahren Entfernung orange. Sein Licht verrät einen roten Riesen der Spektralklasse M5III mit 3400 K Oberflächentemperatur auf der Position α 22h42m40s / δ -46°53´4,5″. Dieser Stern hat keinen Eigennamen.

γ Gru ist ein 208 Lichtjahre entfernter, bläulich leuchtender Riesenstern der Spektralklasse B8III. Der arabische Name Al Dhanab bedeutet „Schwanz“. In der Zeichnung der Hilfslinien markiert er allerdings den Kopf des Kranichs. Basierend auf der Auswertung von Daten, die während der Hipparcos-Mission gesammelt wurden, hat dieser Stern einen Partner, der Gravitationsstörungen von Gamma Gruis verursacht. Wir finden dieses System auf der Position α 21h53m55,7s / δ -37°21´54“ mit 3m0 von einer 12.500 K heißen Oberfläche strahlend.

δ1 Gru ist ein von 3m97 nach 4m2 veränderlicher gelber Riesenstern der Spektralklasse G6/8III mit einer Oberflächentemperatur von 5000 K auf der Position α 22h29m16,17s / δ -43°29´44,02″. Seine Entfernung zum Sonnensystem ist mit 309 Lichtjahren angegeben. Er bildet mit Delta2 Gruis ein optisches Doppelsternsystem mit nur 16,1 Bogenminuten gegenseitigem Abstand.

δ2Gru steht auf der Position α 22h29m45,43s / δ -43°44´57,2“ in 325 Lichtjahren Entfernung und leuchtet dort pulsationsveränderlich mit mehreren Perioden von 20,6, 24,1, 42,5, 32,3 und 33,3 Tagen mit der geringen Amplitude von 0m043 bei einer mittleren Helligkeit von 4m11. Er gehört als roter Riese der Spektralklasse M4.5IIIa an und hat in 60,4“ einen 9m71 lichtschwachen visuellen Partner, der 2013 entdeckt wurde.

ε Gru ist ein kleiner blauer Hauptreihenstern der Spektralklasse A3V mit einer Oberflächentemperatur von 8600 K. Sein 3m49 helles Licht kommt aus 129 Lichtjahren Entfernung von der Position α 22h48m33,2s / δ -51°19´0“ zu uns. Seine Position in der Figur ist das Knie im südlichen Bein des Kranichs.

ζ Gru markiert den südlichen Fuß des Kranichs auf der Position α 23h00m52,8s / δ -52°45´14,8“. Sein oranges, 4m12 helles Licht kommt von der 4900 K heißen Oberfläche eines Riesensterns der Spektralklasse K1 III über eine Distanz von 112,5 Lichtjahren zu uns. Im Henry-Draper-Katalog hat er die Nummer HD 217364.

μ1Gru steht im Hals des Kranichs bei α 22h15m36,9s / δ -41°20´48“. Mü1Gruis ist ein Doppelstern dessen Einzelhelligkeiten von 5m2 und 6m68 sich für das bloße Auge als 4m79 heller Lichtpunkt darstellen. Die Hauptkomponente ist ein gelber G8III-Riese in 275 Lichtjahren Entfernung. Sein Begleiter ist auch ein G-Stern.

μ2Gru steht nur unweit südlicher von Mü1Gruis auf der Position α 22h16m26,56s / δ -41°37´38“ in 270 Lichtjahren Raumtiefe. Dieser mit 5m1 gelb leuchtende G8III-Stern steht im Verdacht ein Binärsystem zu sein, da er mit einer winzigen Amplitude periodisch variiert. Mü2Gruis entwickelt sich zu einem Riesenstern.

π Gru ist  ein „echtes“ physisches Mehrfachsystem, dessen Hauptkomponenten sich in einem Abstand von 4,3 Bogenminuten (261“) um einen gemeinsamen Schwerpunkt bewegen. Somit kann das System bereits mit einem kleineren Teleskop in Einzelsterne aufgelöst werden.

π1Gru steht in 530 Lichtjahren Entfernung auf der Position α 22h22m44s / δ -45°56´52,6“ und leuchtet variabel zwischen 5m3 und 7m0 mit einer Periode von 198,8 Tagen. Als asymptotischer Riese der Spektralklasse S 5 ist er rund 2500 K heiß und schon im Übergangsstadium zum planetarischen Nebel. π1Gruis ist selbst ein physischer Doppelstern. Das System besteht aus dem Hauptstern und einem 10m7 lichtschwachen gelben Hauptreihenstern der Spektralklasse G0V in nur 2,7“ Abstand.

π2Gru sendet von der Position α 22h23m07,8s / δ -45°55´42“ sein blauweißes, 5m6 helles Licht zu uns. Die Hauptkomponente ist ein Unterriese der Spektralklasse F3III mit einer 6800 K heißen Oberfläche und hat einen 12m lichtschwachen Begleiter.

2.2 Deep-Sky-Objekte

Im Sternbild Kranich befinden sich viele Galaxien. Zur Beobachtung der helleren Galaxien, die sich fast alle im nördlichen Teil des Sternbildes befinden, benötigt man ein Teleskop von mindestens 15 cm Öffnung. Die meisten sind jedoch der direkten Beobachtung mit mittleren Amateurteleskopen schon nicht mehr zugänglich. Für Astrofotografen / Photonenjäger bietet dieses Sternbild jedoch ein reiches Jagdangebot.

IC 1459, eine elliptische Galaxie vom Typ E3 mit einer visuellen Helligkeit von 10m97 und einer Winkelausdehnung von 5,2´x 3,8´, finden wir ganz nahe der Grenze zum Südlichen Fisch auf den Koordinaten RA 22h57m10,6s / Dec -36°27´44“. Sie ist 68,8 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und wurde am 10.Juni 1896 von James Swift entdeckt. Sie wurde auch als IC5225, PGC70090 und MCG-06-50-016 katalogisiert.

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Bild 07: IC 1459  – Foto The Carnegie –Irvine Galaxy Survey

NGC 7213 ist eine Spiralgalaxie vom Typ SA mit einer Winkelausdehnung von 3,0`x 2,7`. Bei einer Entfernung von 77 Millionen Lichtjahren und einer visuellen Helligkeit von 10m1 ergibt sich eine Flächenhelligkeit von 12m3/arcmin2. Wilhelm Herschel entdeckte diese Seyfert-Galaxie am 30.09.1834, deren Position heute RA 22h09m16,2s / Dec -47°10`0,4“ ist. Seyfert-Galaxien sind Spiralgalaxien oder irreguläre Galaxien mit einem sehr hellen Galaxienkern. Die Spektren dieser Kerne zeigen charakteristische Emissionslinien von Wasserstoff, Helium, Stickstoff und Sauerstoff, die im Vergleich zu den durch Sterne angeregten Emissionslinien stark verbreitert sind. Seyfert-Galaxien sind eine Unterordnung von Galaxien mit aktivem Kern. Sie wurden nach dem Astronomen Carl Keenan Seyfert benannt, der sich in den 1940er Jahren sehr intensiv mit ihnen beschäftigte. Die Galaxie NGC 7213 beherbergt ein supermassereiches „Schwarzes Loch“.

Bild 08: NGC 7213 im Kranich – Foto CGS

NGC 7410 ist eine Balkenspiralgalaxie vom Typ SB(s)a mit einer Winkelausdehnung von 4,6´x 1,6´, einer visuellen Helligkeit von 10m4 und einer Flächenhelligkeit von 12,6/arcmin2. Ihre Position ist RA22h55m0,7s / Dec -39°39´41“ in 65,5 Millionen Lichtjahren Raumtiefe. Entdeckt wurde sie am 14.07.1826 vom schottischen Astronomen James Dunlop. NGC 7410 zeigt sich in Schräglage und einem Öffnungswinkel von weniger als 30°. Bei einer verhältnismäßig sehr hellen Zentralregion sind Einzelheiten in den äußeren Spiralarmen nur auf  Fotos von Großteleskopen erkennbar.

Bild 09: NGC 7410 im Sternbild Kranich – Foto DSS2

NGC7424 ist ein schönes Feuerrad und ein klassisches Beispiel einer Balkenspiralgalaxie vom Typ SBc. Im nördlichen Teil des Sternbildes auf der Position RA 22h57m /Dec -41°04´ stehend senden ihre Sterne ein Sammellicht von 11m0 über eine Entfernung von 37,5 Millionen Lichtjahren zu uns.

Bild 10: NGC 7424 – Foto HST

Das Grus Quartett (NGC 7552, NGC 7582, NGC 7590 und NGC 7599) wird von vier großen Spiralgalaxien im nordwestlichen Teil des Sternbildes Grus gebildet. Sie liegen physikalisch sehr dicht beieinander und stehen miteinander in starker Wechselwirkung. Es wird auch angenommen, dass die hohe Starburst-Aktivität und  die anschließende Bildung eines Balkens in der Scheibe von zwei der Mitglieder, NGC 7552 und NGC 7582, hierdurch ausgelöst wurden. Von NGC 7582 aus sind mehrere Gezeitenschwänze sichtbar, von denen einer auf die Nachbarn im Osten und der andere auf NGC 7552 zeigt, der in einer Projektionsentfernung von etwa 30′ nordwestlich liegt. Zum Auffinden stellt man sich am besten die Position der Seyfert-Galaxie NGC 7582 ein: RA 23h18m23,5s / Dec -42°22´14“.

Bild 11: Das Grus-Quartett
NGC 7552 unten rechts, NGC7582 mittig, NGC 7590 ganz oben, NGC 7599 oben links

IC5148 ist neben all den Galaxien ein erwähnenswerter planetarischer Nebel. Entsprechend seinem ebenmäßigen runden Aussehen erhielt er den Spitznamen „Spare Tyre Nebula“, zu Deutsch: „Ersatz-Reifen Nebel“. Er befindet sich etwa 1 Grad westlich von Lambda Gruis und in der Konstellation von Grus etwa im oberen Hals des Vogels auf der Position RA 21h59m35,2s / Dec -39°23´08“. Bei einer Winkelausdehnung von derzeit 2´12“ x 2´12“ leuchtet er mit 12m0 aus einer Entfernung von 2900 Lichtjahren. IC5148 wurde 1894 vom australischen Amateurastronomen Walter Gale entdeckt. Der Zentralstern jagt seine Hüllen mit einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Sekunde auseinander, eine der schnellsten Ausdehnungen aller planetarischen Nebel.

IC5148 plan Neb_SpareTyreNebula EFOSC2 am NTT ESO
Bild 12: IC 5148 „Ersatzreifen-Nebel“ – Foto EFOSC2 am NTT der ESO

2.3 Sonstiges

Literaturhinweise:

  • BLV-Bestimmungsbuch Vögel           E. Bezzel / B. Gidstam
  • ESA-NASA HST                                          div. Autoren
  • Internet – Wikipedia                               div. Autoren
  • Sternbilder von A – Z                              A. Rükl
  • Buch der Sterne                                         Guinness
  • Uranometria                                                 J. Bayer
  • Keltische Mythen                                      I. Clarus

Quellenangaben der Abbildungen:

  • Bild 01: Auszug aus Uranometria von Johannes Bayer 1603
  • Bild 02: Wikipedia Andres Trepte
  • Bild 03: www.lehrmittelperlen.net Beni Herzog, Kranichhaus 21762 Otterndorf
  • Bild 04: de.wikipedia.org Wappen von Kransberg, gemeinfrei
  • Bild 05: de.wikipedia.org Origami-Kraniche, gemeinfrei
  • Bild 06: IAU-Constellations
  • Bild 07: Carnegie-Irvine-Galaxy-Survey (CGS)
  • Bild 08: Carnegie-Irvine-Galaxy-Survey (CGS)
  • Bild 09:  Digitized Sky-Survey 2. Generation (DSS2)
  • Bild 10:  ESO direct link https://www.eso.org/public/images/eso0436c/
  • Bild 11: telescopius.com/pictures/view/27969/NGC/7582/galaxy/by-benklerk
  • Bild 12: Foto EFOSC2 am NTT der ESO

Die Serie der Sternbildbeschreibungen wird fortgesetzt.

Das Sternbild Fornax – Chemischer Ofen

Herkunft, Mythologie, Beobachtungshinweise

zusammengestellt von E.-Günter Bröckels

1 Der Name

Das Sternbild Fornax gehört zu den von Nicolas Louis de Lacaille im Jahre 1756 vorgestellten Sternbildern, die er in einer Karte des Südsternhimmels eingefügt hatte. Lacaille hatte von 1751 bis 1752 am Kap der guten Hoffnung den südlichen Sternenhimmel beobachtet und katalogisiert. Dabei waren ihm größere, nicht durch Sternbilder belegte Himmelsareale aufgefallen. Um seine beobachteten und vermessenen Sterne besser katalogisieren zu können, ersann er Sternbildnamen, die zu den epochemachenden Erfindungen seiner Zeit und zu historischen Gegenständen passten und fügte diese neuen Sternbilder ziemlich willkürlich den bestehenden Sternbildern hinzu. So kam auch ein Gerät unter der Bezeichnung „Fornax Chemica“ an den Himmel, welches in einem Atlas von Johann Elert Bode als „Apparatus Chemicus“ bildlich dargestellt wurde. Bode soll dieses Sternbild dem französischen Chemiker Antoine Lavoisier (1743-1794) gewidmet haben.

Bild 01: Apparatus Chemicus – Ausschnitt

Zu einer möglichen Mythologie habe ich nichts gefunden, jedoch zur Herkunft des Namens für das Sternbild Fornax. Den gefundenen Text möchte ich hier als wörtliches Zitat wiedergeben.

Zitat aus artedea.net: Fornax war im antiken Rom dafür zuständig, dass das Getreide nicht verbrennt, wenn es — nach damaliger Weise — erst im Ofen gedörrt werden musste, ehe es gemahlen bzw. in Mörsern zerstoßen werden konnte. Dies, weil rohes, frisches Getreide die Mahlsteine verklebt und sie damit unbrauchbar gemacht hätte. Durch das Dörren wurde das Mahlgut trockener und wesentlich leichter zu Mehl verarbeitbar. Das erste geerntete Getreide wurde der Göttin Ceres geweiht. Doch mit diesem konnte man wenig anfangen, es muss erst durch einen Prozess gehen, um genießbar zu werden. Dazu verwendete man Feuer, doch es war ein langer Erfahrungsweg, bis man das gewünschte Ergebnis erzielt hatte. Oft kam nichts als schwarze Asche aus den Öfen und dazu war die Gabe der Ceres  zu wertvoll. Im schlimmsten Fall war das Feuer im Ofen unkontrollierbar und es brannte mit ihm gleich das ganze Haus nieder. Aus Ehrfurcht vor dieser starken Qualität, die man zu besänftigen versuchte, wurde der Fornax, der Ofen, zur Göttin gemacht. Denn der Name dieser Göttin bedeutet einfach „Ofen“, und man beschwor sie, dass sie die Frucht und die Häuser verschonen solle. Bei jedem Backvorgang wurde sie angerufen, um die Frucht „milde zu machen“. Der Backofen wurde also als eine Göttin angesehen, die aus ihrer heißen Energie Nährendes hervorbringt. Ovid beschreibt eine „Fornacalis dea“ – eine weibliche göttliche Macht im Ofen selbst (Fasti Buch 6, 314). Ihr Kultplatz waren daher die Backhäuser, vor deren Öfen ihr Weihegaben dargebracht wurden. Das Herd­feuer hatte ja immer neben seiner profanen Funktion etwas Heiliges.  Es gab zwei Feste zu Ehren der Göttin Fornax: Fornacalia am 12 Kal. Martii (17.  Februar) und Fordicidia am 19. April. Das zweite war zwar eher ein Fest für die Erdgöttin Tellus Mater, bei dem aber auch Asche eine wichtige Rolle spielte, daher wurde auch Fornax geehrt, die aus ihren Öfen Asche beisteuerte.
Numa Pompilius, der sagenhafte zweite König von Rom (750 – 672 v.d.Z.), soll das Fest im Februar angeordnet haben. An diesem Feiertag wurde die alltägliche Handlung des Brotbackens ganz bewusst zeremoniell begangen, um die Göttin zu ehren. Jede Curie (Rathaus) musste ihr zu Ehren 30 Brote backen. In frühen Zeiten war es üblich, dass jede Familie einen Laib ungebackenes Brot zum Gemeindebackofen brachte und dann nach dem Backen alle die verschiedenen Brotlaibe teilten. Einige Krümeln des Brotes wurden für die Vögel ausgestreut. Diese sollen die Wünsche an die Göttin in alle Himmelsrichtungen weitertragen. Ihre Symbole sind Öfen, Feuer und Weizen. Fornax wird wahrgenommen, wenn sich der Duft von frischem Brot im Haus ausbreitet. Sie ist immer das geschützte und behütete Feuer. Im Alten Rom war man davon überzeugt, dass, wenn einmal dieses Feuer ausgehen sollte, das nicht nur bedeutete, keine Nahrung mehr zu haben. Ein erloschenes Herdfeuer war auch Symbol dafür, dass der Hausfrieden und die Liebe — das warmherzige Zusammensein — entschwindet. Daher ist Fornax auch eine Liebes- und Friedensgöttin. Manchmal wird sie auch mit der Göttin Vesta gleichgesetzt, doch während diese eher für den Herd zuständig war, auf dem alle Speisen hergestellt werden, ist Fornax speziell für (Brot-)Backöfen zuständig. Nach der Brotback-Göttin ist auch ein Sternbild des Südhimmels benannt – Fornax oder auch „Chemischer Ofen“ genannt mit dem dazugehörenden „Fornax-Galaxienhaufen“ — eine große Ansammlung von Galaxien, die in diesem Sternbild zu finden ist und wie glühende Funken in einem Backofen wirken. Zitat-Ende

Bild 02: Fornax – Römische Göttin des Brotbackofens by artedea.net

2 Das Sternbild

Fornax     Genitiv: Fornacis     Abk.: For     dt.: Ofen (chemischer)

Wenn man das Areal Fornax betrachtet, schaut man lotrecht auf die Ebene unserer Galaxis und sieht dort im großen Teleskop einen der größten Galaxienhaufen in einer Entfernung von 50 bis 60 Millionen Lichtjahren. Das Sternbildareal Fornax erstreckt sich in RA von 01h45m242 bis 03h50m21s und in Dec von -39°30´46“ bis -23°45´23“ und belegt in seinen neuen Grenzen eine Fläche von 398 Quadratgrad. Somit ist es schon ab Süddeutschland, also ab 50° nördlicher Breite südwärts von September bis Januar sichtbar. Seine Nachbarn sind Eridanus, Cetus, Sculptor und Phönix, wobei Eridanus den Fornax von Norden über Westen und im Süden umfließt.

2.1 Die Sterne

α For  ist ein Doppelstern, dessen Hauptkomponente, ein 6800 K heißer, gelblich leuchtender F5-Spektraltyp, mit einer Helligkeit von 3m8 von einem orange mit 6m5 von einer ca. 4000 K heißen Oberfläche leuchtenden Begleiter der Spektralklasse K 2 in einem Abstand von 4(2,6“) Bogensekunden in 314(154,5) Jahren einmal umrundet wird. Dieses System ist 46 Lichtjahre von uns entfernt.

β For  leuchtet von der Position α 02h49m05s / δ -32°24´21“ mit einer Helligkeit von 4m5. Sein gelbes Licht verrät einen Riesenstern mit der 4800 K heißen Oberfläche eines G8III-Spektraltypen. Er wird von einem 14m lichtschwachen Stern (CCDM J02491-3224B)   in 4,8“ Distanz auf dem Positionswinkel 67° begleitet. Letzterer wurde erst 1928 separiert. Dieses optische Doppelsternsystem steht 175 Lichtjahre tief im Raum.

γ1 For ist ein gelb mit 6m15 variabel leuchtender Riesenstern in 360 Lichtjahren Entfernung. Seine Position ist α 02h49m51s / δ -24°33´37“. γ1 Fornacis hat laut Eintrag im Washington Double Star Katalog drei Begleiter. Diese sind nur schwach leuchtende 11m – bis 13m-Sterne in einem Abstand von 11′- 56′ von γ1.

γ2 For ist ein Stern der 5. Größe und steht vier Grad südlich von γ1 Fornacis . Es handelt sich um einen A1V-Stern mit einer Oberflächentemperatur von ca. 9400 K in einer Entfernung von ca. 460 Lj. Im Henry Draper Katalog ist er als HD 17729 aufgeführt.

δ For steht ziemlich mittig im westlichen Teil des Sternbildes nahe der Grenze zum Eridanus. Er leuchtet mit 5m0 von der Position RA 03h42m15s / Dec -31°56´18“ aus 850 Lichtjahren Entfernung. Sein bläulich-weißes Licht kommt von der 16.300 K heißen Oberfläche eines 63 Millionen Jahre alten Riesensterns der Spektralklasse B5III.

ν For ist der östliche, der drei die Hilfsfigur bildenden Sterne auf der Position RA 02h04m29s / Dec -29°17´48“ und leuchtet als blauer Riesenstern vom Spektraltyp B 9.5III variabel von 4m69 nach 4m73 mit einer Periode von 1,89 Tagen.

ω For  ist ein leicht trennbarer Doppelstern auf der Position RA 02h33m50,7s / Dec -28°13´56“ . Die Komponenten haben die Helligkeiten 4m9 und 7m9, stehen 10,8“ auseinander und sind von uns 480 Lichtjahre entfernt. Die Hauptkomponente gehört zur Spektralklasse B9,5V, leuchtet bläulich-weiß von einer > 25.000 K heißen Sternoberfläche und wird in 10,8“ Abstand, entsprechend 1600 AU, von einem 7m8 hellen A7V-Stern mit einer weiß leuchtenden ca. 9000 K heißen Oberfläche begleitet.

2.2 Deep-Sky-Objekte

Fornax-System, auch bekannt als Fornax-Zwerggalaxie, ist die Bezeichnung für die größte der sieben Zwerggalaxien in der Lokalen Gruppe. Alle liegen in einem Umkreis von 700.000 Lichtjahren und sind offenbar Begleitgalaxien unserer Milchstrasse. Das Fornax-System ist vom Typ dE2 und ähnelt einem lockeren Kugelsternhaufen, hat einen Durchmesser von etwa 15.000 Lichtjahren und seine hellsten Sterne kommen gerade auf 19m0. Fornax-System ist nur 450.000 Lichtjahre von uns entfernt, ist aber wegen seiner mit 9m1 geringen Flächenhelligkeit bei einem Durchmesser von 7000 Lichtjahren entsprechend einem Winkelgrad nur mit lichtstarken Optiken auf der Position RA 2h39m59s / Dec -34°26´57“ und nur fotografisch beobachtbar. Das Fornax-System selbst wurde erst 1938 von Harlow Shapley mit einem 24“-Spiegelteleskop auf fotografischen Platten entdeckt. Zu dieser Galaxie gehören 6 Kugelsternhaufen, deren größter, nämlich NGC 1049, schon am 19. Okt. 1835, also lange vor der Galaxie, von John Herschel entdeckt wurde.

Eine große Anzahl Sterne von Fornax-System sind älter als 10 Milliarden Jahre mit entsprechend geringer oder gar fehlender Metallizität. Vor etwa 3 – 4 Milliarden Jahren kam es hier zu einer erneuten starken Sternenentstehung, sehr wahrscheinlich durch vorausgegangene zahlreiche Novae oder Supernovae.

Bild 03: Fornax-System

NGC 1049 wird auch als Fornax 3 bezeichnet. Dieser zum Fornax-System gehörende Kugelsternhaufen wurde wegen seiner wesentlich höheren Flächenhelligkeit von 12m6 bei einer Winkelausdehnung von 24´ und einer Entfernung von 460.000 Lichtjahren schon wesentlich eher als seine Heimatgalaxie der Beobachtung zugänglich. Die Sterne dieses Kugelsternhaufens weisen nur geringe oder gar keine Metalllinien in ihren Spektren auf und sind somit schon im Anfangsstadium der Fornax-Zwerggalaxie entstanden. Wir sehen ihn auf der Position RA 02h39m482 / Dec -34°15´28“, wobei allerdings nur der Einsatz sehr großer Teleskope erfolgversprechend sein dürfte.

Bild 04: NGC 1049 / Fornax 3 Kugelsternhaufen

NGC 1097 ist eine visuell 9m5 helle Seyfert-1-Galaxie vom Hubble-Typ SB(s)b, rund 60 Millionen Lichtjahre vom Sonnensystem entfernt, steht auf der Position RA 02h46m19s / Dec -30°16´29“ und hat  bei einer Winkelausdehnung von 9,55´ x 6,31´einen realen Durchmesser von etwa 125.000 Lichtjahren. Das ergibt eine Flächenhelligkeit von 13m8. NGC 1097 hat einen aktivem Kern, einen auffälligen, ca. 5500 Lj. großen Ring mit starker Sternbildung. Dieser Bereich ist zurzeit Ziel mehrerer Forschungsprojekte unter anderem bei der ESO. Es gibt deutliche Hinweise auf ein Schwarzes Loch mit etwa 100 Millionen Sonnenmassen im Kern der Galaxie. Entdeckt wurde dieses Objekt am 9. Oktober 1790 von Wilhelm Herschel.

Unmittelbar benachbart ist die elliptisch-peculiare Galaxie NGC 1097A vom Typ E4 pec mit einer auffällig kastenförmigen Struktur. NGC 1097A hat eine maximale Ausdehnung von rund 12.000 Lj. und umrundet ihre Muttergalaxie in einem Abstand von ca. 42.000 Lichtjahren. In NGC 1097 wurden bisher drei Supernovae beobachtet: SN 1992bd, SN 1999eu und SN 2003B.

Bild 05: NGC 1097 mit Begleitgalaxie NGC 1097A

NGC 1316 / Fornax A, ist eine Spiralgalaxie vom Typ S0, deren Licht mit einer Flächenhelligkeit von 13m0 pro Quadratbogenminute über eine Entfernung von 65 Millionen Lichtjahren von der heutigen Position RA 03h22m41.5s / Dec -37°12´33.5“ zu uns kommt. NGC 1316 ist mit einer scheinbaren Helligkeit von 8,4 mag das hellste Mitglied des etwa 65 Mio. Lichtjahre entfernten Fornax-Galaxienhaufens und zählt zu den hellsten Galaxien, die sich nicht in der Lokalen Gruppe befinden. Ihre Winkelausdehnung beträgt 11,5′ × 7,9′, woraus sich ein Durchmesser von etwa 225.000 Lichtjahren ableiten lässt. Damit ist sie mehr als doppelt so groß wie unsere Milchstraße. Als eine der hellsten Radio-Quellen am Himmel wird sie in der für große Radiogalaxien üblichen Weise auch als Fornax A bezeichnet. NGC 1316 wurde am 2. September 1826 von James Dunlop entdeckt, der das Objekt als Nummer 548 in seinen Katalog neu entdeckter Nebel und Sternhaufen der südlichen Hemisphäre aufnahm. Mehrere Strukturen in und um NGC 1316 zeigen, dass diese Galaxie eine sehr unruhige Vergangenheit hinter sich hat. Zum Beispiel verfügt NGC 1316 über ungewöhnlich kleine Kugelsternhaufen. Des Weiteren befinden sich in  dieser Galaxie einige ungewöhnliche Staubbänder, welche in einer viel größeren Hülle aus Sternen eingebettet sind. Dies ist ein Hinweis darauf, dass NGC 1316 vor etwa drei Milliarden Jahren eine staubreiche Spiralgalaxie „verschluckt“ haben könnte.

Außerdem sind um die Galaxie herum verteilt mehrere sehr lichtschwache Gezeitenarme erkennbar. Hierbei handelt es sich um lange streifenförmige Ausläufer und kugelförmige Schalen aus Sternen, welche aus ihrer ursprünglichen Umgebung heraus in den intergalaktischen Raum geschleudert wurden. Solche Strukturen entstehen typischerweise durch komplexe Gravitationseffekte, welche auf die Umlaufbahnen der Sterne einwirken, sobald sich zwei Galaxien sehr nahe kommen. All diese Indizien lassen darauf schließen, dass sich NGC 1316 mehrere andere Galaxien einverleibt hat. Vermutlich wird sich dieser Prozess auch in Zukunft fortsetzen.

Bild 06: NGC 1316 (mittig) und NGC 1317 (rechts)

NGC 1317, eine kleine Spiralgalaxie, befindet sich etwa 6′ nördlich von NGC 1316 und bildet zusammen mit dieser ein interagierendes Paar. Von der Erde aus gesehen befinden sich in unmittelbarer Nähe zur NGC 1316 drei weitere Galaxien, die entsprechend als NGC 1316A, NGC 1316B und NGC 1316C bezeichnet werden. Die ebenfalls im Jahr 1826 von James Dunlop entdeckte Galaxie NGC 1317 stellt ein klassisches Paradebeispiel für eine Spiralgalaxie dar, welche im Gegensatz zu NGC 1316 ein bisher eher ruhiges Dasein geführt haben dürfte. Bei einer scheinbaren Helligkeit von 11,0 mag verfügt sie über eine Ausdehnung von 2,8 x 2,4 Bogenminuten.

NGC 1360 ist ein 9m4 heller planetarischer Nebel ohne scharf  umrissene Hülle in 978 Lichtjahren Entfernung auf der Position RA 3h33m15s I Dec -25°52´19“. NGC 1360, auch als Robin’s Egg Nebula bekannt,  wurde aufgrund seiner starken Strahlung in den OIII (Sauerstoff)-Bändern als Planetarischer Nebel identifiziert. Er hat eine Winkelausdehnung von 11´ x 7,5´ und ist etwa 60° zur Sichtlinie gekippt. Rötliche Materie, von der angenommen wird, dass sie vor dem endgültigen Zusammenbruch vom ursprünglichen Stern ausgestoßen wurde, ist nur auf Fotos sichtbar. Im Jahr 2017 wurde entdeckt, dass der 11m4 helle Zentralstern mit einer Restmasse von 0,555 Sonnenmassen  in 142 Tagen von einem  Weißen Zwerg mit 0,7 Sonnenmassen umkreis wird. Obwohl NGC 1360 seit 1977 verdächtigt wurde, binär zu sein, wurde dies erst in jüngster Zeit durch intensive Forschung bestätigt. Für den Nebel wurde ein kinematisches Alter von rund 10.000 Jahren bestimmt, sowie eine Dichte von weniger als 130 Wasserstoffatomen pro Kubikzentimeter. Dies legt nahe, dass sich der Nebel bereits auflöst und mit der interstellaren Materie vermischt.

NGC 1360 zählt zu den Objekten mit den meisten unabhängigen Entdeckern. Die Erstbeobachtung gelang Lewis Swift im Jahr 1859, welche er aber erst1885 veröffentlichte, so dass unabhängig hiervon dieses Objekt 1861 von Ernst Wilhelm Leberecht Tempel, danach im Jahr 1868 von Friedrich August Theodor Winnecke und von Eugen Block im Jahr 1879 gefunden und beschrieben wurde.

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Bild 07: NGC 1360 „Robin’s Egg“

NGC 1365 gehört zum Galaxienhaufen im Fornax, welcher an der Sternbildgrenze zum Eridanus liegt. Sie ist eine sehr ausgeprägte, große Balkenspiralgalaxie mit einem Durchmesser von 300.000 x 160.000 Lichtjahren. Bei einer Entfernung von 60 Millionen Lichtjahren entspricht das einer Winkelausdehnung von 11´ x 6,6´; allein der Balken, an dem die Spiralarme ansetzen, ist 45.000 Lichtjahre lang. NGC 1365 erreicht bei einer visuellen Helligkeit von 9m5 noch eine Flächenhelligkeit von 13m9. Diese Typ2-Seyfertgalaxie dreht sich auf der Position RA 03h33m36s / Dec -36°08´28“ im Uhrzeigersinn in 350 Millionen Jahren einmal um ihren Mittelpunkt. Besondere Aufmerksamkeit gilt der komplexen Bewegung der interstellaren Materie in der Galaxie. Der gewaltige Balken verursacht Störungen im Gravitationsfeld der Galaxie, wodurch in bestimmten Bereichen Gas komprimiert und somit die Geburt neuer Sterne angeregt wird. In den Spiralarmen sind unzählige junge Sternhaufen zu erkennen mit Hunderten oder Tausenden junger und heller Sterne, die alle innerhalb der letzten zehn Millionen Jahre entstanden sind. Am 24. November 1826 entdeckte der schottische Astronom James Dunlop dieses schöne Himmelsobjekt.

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Bild 08: NGC 1365

NGC 1398 befindet sich im nordwestlichen Bereich des Sternbildes auf der Position RA 3h38m52s / Dec -26°20´16“. Diese Balkenspiralgalaxie des Typs SBab hat eine visuelle Helligkeit von 9m8 bei einer Winkelausdehnung von 7,1´x 5,4´ und eine Flächenhelligkeit von 13m6. Bei einer Entfernung von 65 Millionen Lichtjahren entspricht dies einem Durchmesser von 135.000 Lichtjahren. Ihre inneren Spiralarme sind so eng aufgewickelt, dass sie scheinbar einen Ring bilden, an dem sich sehr weit geöffnete Spiralarmfortsätze anschließen. Entdeckt wurde sie von dem deutschen Astronomen Friedrich August Theodor Winnecke aus Karlsruhe bei der Suche nach Kometen am 04. Dezember des Jahres 1868. Obwohl sie im Sternbild Fornax steht, gehört sie doch zum Eridanus-Galaxienhaufen.

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Bild 09: NGC 1398

2.3 Sonstiges

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Bild 10: Das Sternbild Fornax

Literaturhinweise:

  • Was Sternbilder erzählen                            G. Cornelius
  • Sternbilder von A – Z                                      A. Rükl / J. Ostmeyer
  • Bodes Sternatlas 1782                                  J. E. Bode / J. Flamsteed
  • Dtv-Atlas zur Astronomie                            J. Herrmann / H. &R. Bukor
  • Die großen Sternbilder                                   I. Ridpath
  • Internet z.B. Wikipedia                                   div. Autoren
  • Internet z.B. Wikisky                                        div. Autoren

Quellenangaben der Abbildungen:

Die Serie der Sternbildbeschreibungen wird fortgesetzt.

Corona Borealis – Die Nördliche Krone

Das Wort „Corona“ ist in diesen Tagen in aller Munde. Es ist zum Synonym geworden für ein Virus, das derzeit die Menschen weltweit bedroht.

In der Astronomie ist es aber seit langem bekannt. „Corona“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Kranz“ oder „Krone“. Am Nachthimmel gibt es gleich zwei Sternbilder mit diesem Wort: „Corona Borealis“ – Die Nördliche Krone, und ihr Gegenstück am Südhimmel „Corona Australis“ – Die Südliche Krone. Während die Südliche Krone in unseren Breiten nicht zu sehen ist, ist die Nördliche Krone ein klassisches Frühlingssternbild auf der Nordhalbkugel.

Die Nördliche Krone ist ein relativ kleines, aber markantes Sternbild. Es stellt nach der griechischen Mythologie die mit Edelsteinen besetzte Krone der Ariadne dar. Je nach Sichtverhältnissen lassen sich sechs bis sieben Sterne als Halbkreis mit bloßem Auge ausmachen.

Das Sternbild Corona Borealis – Nördliche Krone ist im April gegen 22:00 Uhr im Osten zu finden.

Diese schwierige Zeit verlangt, dass wir getrennt bleiben von Familie, Freunden, Bekannten. Gemeinsames ist rar in diesen Tagen. Wir alle aber sehen denselben Nachthimmel und dieselben Sterne. Bitte bleiben Sie wann immer möglich zu Hause, solange diese Krise andauern mag.

Und vor allem – bitte bleiben Sie gesund!